Nachrichtenüberblick Das Chaos am Tag nach dem Orkan

Der Monstersturm "Kyrill" ist mit gewaltiger Kraft über Deutschland gezogen. SPIEGEL ONLINE hat in Kurzmeldungen dokumentiert, was am Tag nach nach dem Orkan passiert ist.


+++ Handball-WM-Spielstätten überstehen Orkan unbeschadet +++

[15.29] Die Austragungsstätten der Handball-Weltmeisterschaft in Köln und Halle/Westfalen haben "Kyrill" ohne größere Schäden überstanden. In Halle, wo die deutsche Mannschaft ihre Vorrundenspiele gegen Argentinien und Polen bestreitet, tropfte lediglich ein wenig Regen durchs Dach eines Gastronomiezeltes.

+++ Warnung vor E-Mail zum Orkan "Kyrill" +++

[14.46] Ein neuer Internet-Trojaner treibt sein Unwesen - ein Programm, das seinem Urheber Zugang zu fremden Rechnern beschaffen soll. Der Schädling mit dem Namen Troj/DwnLdr-FYD tarnt sich unter anderem als aktuelle Nachricht zum Orkan "Kyrill", teilt das auf Internetsicherheit spezialisierte Unternehmen Sophos in Mainz mit. Verbreitet wird der Trojaner in E-Mail-Anhängen. Die Mail-Versender behaupten, der Anhang enthalte Informationen zu Todesopfern des Sturms. Der Anhang sollte auf keinen Fall geöffnet, sondern zusammen mit der Mail umgehend gelöscht werden.

+++ Sturmschaden im Zoo: Wolf büxt aus +++

[14.39] Ein Wolf aus dem Zoo in Osnabrück hat den Orkan für einen nächtlichen Ausflug genutzt. Wie die Osnabrücker Polizei mitteilte, wurde der Außenzaun des Wolfgeheges vom Sturm erheblich beschädigt. Eine Polizeistreife entdeckte das Tier am Morgen einen Kilometer vom Zoo entfernt an einer Straße. Es gelang, den Wolf auf einen Parkplatz zu scheuchen. Die Tierärztin des Zoos betäubte den Wolf dort schließlich. Weniger Glück mit dem Sturm hatte nach Polizeiangaben eine im Osnabrücker Zoo beheimatete Eule. Sie wurde von einem umstürzenden Baumstamm getötet. Wegen der Sturmschäden blieb der Zoo heute geschlossen.

+++ Zerstörung rund um Musical-Palast in Köln +++

[14.34] In Köln hat "Kyrill" ein Musical-Zelt am Hauptbahnhof schwer beschädigt. Zwar konnte die Feuerwehr gestern verhindern, dass sich die Verankerung löste. Heute habe sich den Helfern aber "ein Bild der Verwüstung" geboten, berichteten die Veranstalter. Seitenteile des Zeltes wurden abgerissen, das Portal war fast vollständig zerstört.

+++ Orkan brachte auch Temperaturrekord +++

[14.28] Der Sturm hat in der vergangenen Nacht nicht nur Windspitzen mit sich gebracht, sondern auch Temperaturrekorde. In Wien war es nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia europaweit mit 20 Grad am wärmsten. Für die österreichische Hauptstadt sei das auch die höchste je gemessene Temperatur in einer Januarnacht gewesen, sagte Meteorologe Manfred Spatzierer. In Deutschland wurde der nächtliche Spitzenwert in Sankt Bartholomä am Königssee (Bayern) gemessen: 17,8 Grad.

+++ Zwischen Berlin und Leipzig noch keine Zugverbindung +++

[14.18] Während sich der Fernverkehr in Deutschland allmählich normalisiert, ist die Strecke zwischen Berlin und Leipzig nach wie vor unterbrochen. Dort sind nach Angaben der Bahn auf einem langen Abschnitt die Oberleitungen zerstört. Der Schaden sei nicht so schnell zu beheben. Ansonsten seien die meisten Verbindungen im Nah- und Fernverkehr wieder frei. Auch die S-Bahnen in den Ballungszentren fahren mittlerweile weitgehend nach Plan, berichtete eine Bahnsprecherin in Berlin.

+++ Orkan macht Künstler Strich durch die Steuerrechnung +++

[14.10] "Kyrill" hat auch Kunstwerke nicht verschont - und so einem Bildhauer in Kleve einen Strich durch die Begleichung einer Steuerforderung gemacht. Um seine auf einen sechsstelligen Betrag geschätzte Schuld zu begleichen, hatte der Künstler Wido Buller dem Finanzamt "an Zahlungs statt" die Skulptur "Lebensbogen" in den Garten gestellt. Die Beamten hatten das zunächst als "sympathisch" eingestuft. Nun aber verrückte der starke Wind das Werk; es wurde dadurch in den Augen des Grundstückbesitzers zum " Sicherheitsrisiko". Buller wurde heute aufgefordert, die Skulptur zu entfernen.

+++ Öffentliche Gebäude beschädigt +++

[13.50] Die Sturmböen von "Kyrill" hat auch zahlreiche öffentliche Gebäude beschädigt. So wurden im Römisch-Germanischen Museum Köln drei große Fenster von einer abgerissenen Brunnenabdeckung zerschlagen; die Holzbohlen und Scherben fielen auf das Prunkstück des Museums, das römische Dionysos-Mosaik aus dem 3. Jahrhundert nach Christus. In der Lutherstadt Wittenberg lösten sich Gesteinsbrocken von der zum Unesco-Welterbe gehörenden Schlosskirche. In der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin hat der Sturm gestern Abend das Dach des Archivs abgedeckt. Dachdecker versuchen zurzeit, die Sammlungen mit einer provisorischen Abdeckung vor dem Regen zu schützen. Außerdem riss der Sturm vom Dach der Lübecker Marienkirche, dem höchsten Backsteingewölbe der Welt, zehn Quadratmeter Kupferabdeckung los und klappte diese wie den Deckel einer Konservendose hoch.

+++ Junge auf Schulgelände schwer verletzt +++

[13.44] Ein achtjähriger Junge ist heute Vormittag im baden-württembergischen Königsbach-Stein bei einem sturmbedingten Unfall auf einem Schulgelände schwer verletzt worden. Nach Polizeiangaben stürzte von einem Turnhallendach eine Dachluke herab, die sich durch eine Windböe gelöst hatte. Die Dachluke traf den Jungen, der sich auf dem Schulhof befand, am Kopf. Er musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden.

+ ++ Berliner Hauptbahnhof wieder offen +++

[14.41] 14 Stunden war der Hauptbahnhof in Berlin wegen Orkanschäden gesperrt, jetzt ist er wieder geöffnet. Seit 13.15 Uhr fahren erste S-Bahnen den Bahnhof wieder an, wie ein Sprecher der Berliner S-Bahn mitteilte. Wann sich der Fernverkehr wieder normalisiert, war noch unklar. Um 13.30 Uhr wurde der Bahnhof auch für Reisende wieder geöffnet.

+++ Warnung vor Waldspaziergängen +++

[13.30] Der Orkan "Kyrill" hat in den niedersächsischen Wäldern tausende Bäume entwurzelt. Das Landwirtschaftministerium warnte vor Waldspaziergängen in den nächsten Tagen. In den Wäldern fielen noch viele vom Sturm abgebrochene Äste zu Boden, so ein Ministeriumssprecher. Auch vom Sturm gelockerte Bäume könnten in den kommenden Tagen noch umstürzen.

+++ Normaler Unterrichtsbetrieb in Thüringen +++

[13.22] Der Unterricht an Thüringens Schulen hat fast überall wieder reibungslos begonnen. Unterrichtsausfälle habe es neben Erfurt vor allem in ländlichen Gebieten gegeben, wo umgefallene Bäume den Bus- und Bahnverkehr behindert hätten, so ein Sprecher des Kultusministeriums. Besonders betroffen seien Schulen im Ilm-Kreis, in den Kreisen Unstrut-Hainich, Schmalkalden-Meiningen und im Wartburg- Kreis. Vor allem Berufsschüler mit weiteren Anfahrtswegen hätten oft Schwierigkeiten gehabt, rechtzeitig zu den Einrichtungen zu gelangen.

+++ Mopedfahrer vermisst +++

[13.19] Seit "Kyrill" tobte, wird im Bördekreis bei Magdeburg ein Mopedfahrer vermisst. Laut Polizei fehlt von dem 40-jährigen Mann aus Osterweddingen, der seit der Nacht vermisst wird, jede Spur. Sein Moped wurde in einem Straßengraben nahe des Ortes gefunden. Die Polizei sucht mit Hunden und mit Hilfe eines Hubschraubers nach dem Mann.

+++ Reisende haben keinen Anspruch auf Entschädigung +++

[12.32] Reisende, die wegen "Kyrill" auf Bahnhöfen oder Flughäfen festsaßen, haben keinen Anspruch auf Entschädigung. Bei einem Orkan handele es sich um höhere Gewalt, sagte Sabine Fischer von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Eine Entschädigung gebe es nur, wenn die Fluggesellschaft oder die Bahn ein Verschulden treffe, erläutert die Reiserechtsexpertin.

+++ Hessisches Dorf noch immer ohne Strom +++

[12.05] Orkan "Kyrill" ist längst weg - und der Strom immer noch: Am Freitag ist Willersdorf im Landkreis Waldeck-Frankenbergnoch in den Mittagsstunden ohne Strom. Nach Angaben des Energieversorgers E.on Mitte werde in dem 627-Seelen-Dorf fieberhaft an der Behebung der Schäden gearbeitet. "Wie in vielen Teilen Deutschlands haben auch hier entwurzelte Bäume und abgerissene Äste die Stromleitungen gekappt. Wir sind mit zusätzlichen Mannschaften draußen, um die Versorgung so schnell wie möglich wieder herzustellen", sagte ein Unternehmenssprecher.

+++ Berliner Hauptbahnhof öffnet am Nachmittag +++

[11.49] Der beschädigte Berliner Hauptbahnhof soll am Mittag wieder geöffnet werden, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Freitagvormittag bei einem Termin vor Ort. Die Bahn sei gut vorbereitet gewesen auf den Sturm, nur ein einziger Zug habe auf freier Strecke anhalten müssen, hieß es weiter. Zugleich räumte Mehdorn ein, dass der Absturz eines zwei Tonnen schweren Stahlträgers in dem Bahnhof die Bahn überraschend getroffen habe: "Das ist natürlich das Letzte, womit wir gerechnet haben." Nun müssten Architekten und Statiker die Ursache untersuchen.

+++ Probleme im Flugverkehr +++

[11.45] Starker Wind und Regen beeinträchtigen auch heute noch den Flugverkehr in Deutschland. Allerdings fielen kaum noch Flüge aus; die Einschränkungen seien deutlich geringer als während des gestrigen Sturms, hieß es bei Flughäfen, Fluggesellschaften und Flugsicherung. "Der Flugplan normalisiert sich allmählich wieder", sagte etwa Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Es gebe allerdings weiterhin noch vereinzelte Verspätungen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main reduzierte die Deutsche Flugsicherung die Zahl der Starts und Landungen.

+++ Die stärkste Windböe erreichte Tempo 202 +++

[11.30] Die stärkste "Kyrill"-Sturmböe Deutschlands ist gestern Abend über den Wendelstein gefegt - mit einer Geschwindigkeit von 202 Kilometern pro Stunde. Das berichtet Meteorologe Olaf Pels Leusden vom Deutschen Wetterdienstberichtet. Die zweitschnellste Böe in Deutschland habe es auf dem Brocken gegeben: 198 Kilometer pro Stunde Windgeschwindigkeit. Am stärksten betroffen von Orkanböen waren laut Leusden die Gebirge, der Küstenbereich, der Osten Deutschlands, die Kölner Bucht und der Südosten Bayerns.

+++ Hallig Hooge übersteht Sturm ohne Schäden +++

[11.15] Die Bewohner von Hallig Hooge hatten sich auf das Schlimmste vorbereitet, aber der Orkan hat sie verschont. Heute ist dort bereits der Alltag zurückgekehrt, alle Kinder gehen wieder zur Schule.

+++ Versicherer können Sturmschäden noch nicht beziffern +++

[10.53] Die deutschen Versicherer haben noch keinen Überblick über die Schäden, die Orkantief "Kyrill" angerichtet hat. "Das abzuschätzen ist noch sehr schwierig", sagte ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die meisten Schäden an Autos und Häusern seien aber versichert, da ab Windstärke 8 die Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherung einspringen müsse.

+++ Kein Ende der Hilfseinsätze in Sicht +++

[10.00] Der Einsatzschwerpunkt des Technischen Hilfswerks (THW) liegt derzeit in Nordrhein-Westfalen. THW-Pressesprecher Nicolas Hefner zufolge sind besonders zwei Orte betroffen: Bei Olpe liegen auf einer Länge von 20 Kilometern abgeknickte Bäume auf einer Bundesstraße; im Bereich Wesel wird eine Notstromversorgung für landwirtschaftliche Betriebe eingerichtet, damit das Vieh gefüttert und gemolken werden kann. Über 1.000 Einsatzkräfte sind laut Hefner noch im Einsatz, ein Ende ist nicht in Sicht: Aufräumarbeiten würden auf jeden Fall bis ins Wochenende gehen.

+++ Bahnverkehr in NRW rollt langsam an +++

[07.39] Nach dem Unwetterchaos auf den Straßen und den Schienen in Nordrhein-Westfalen hat sich die Lage ein wenig entspannt. Heute morgen rollte der Bahnverkehr langsam an, am Düsseldorfer Flughafen kehrte der Alltag wieder einkehrte. "Bei uns ist alles in Ordnung", sagte der Verkehrsassistent am Airport. "Ein Problem bekommen aber die Fluggäste, die mit der Bahn anreisen." Die ganze Nacht über fuhren weder Fernverkehrszüge, noch S- und Regionalbahnen.



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