Nachrichtenüberblick Das war der Orkan "Kyrill"

Der Monstersturm "Kyrill" ist mit gewaltiger Kraft über Deutschland gezogen. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Tag in Meldungen.


+++ Stärkster Orkan seit 1999 +++

[00.47] Der Deutsche Wetterdienst erklärte, "Kyrill" sei der stärkste Orkan seit "Lothar" an Weihnachten 1999 gewesen. Die stärksten Böen wurden auf dem Brocken (198 km/h) sowie auf der Wasserkuppe und dem Fichtelberg (je 172 km/h) gemessen. Nach Mitternacht gaben die Meteorologen vorsichtig Entwarnung. Die erwarteten schweren Überschwemmungen an der Nordseeküste sind ausgeblieben. In der Mitte und im Süden der Republik hielt der Deutsche Wetterdienst die Orkanwarnung allerdings noch teilweise aufrecht.

+++ Stromausfall in Polen +++

[00.21]Der Orkan "Kyrill" hat in mehreren polnischen Städten die Stromversorgung unterbrochen. Betroffen waren unter anderem Breslau, Legnica und Walbrzych in Niederschlesien, berichtet der polnische Rundfunk. Im ganzen Land musste die Feuerwehr hunderte Male ausrücken, um Wasser aus Kellern zu pumpen und entwurzelte Bäume von Straßen und Bahngleisen zu räumen. Zahlreiche Dächer wurden durch die Orkanböen abgedeckt. Der Zugverkehr nach Deutschland war eingestellt.

+++ Schäden in Österreich +++

[00.06] "Kyrill" hat erste Schäden in Österreich angerichtet. In Krems an der Donau wurde eine Frau unverletzt aus ihrem völlig zerstörten Haus gerettet. Das herabstürzende Dach zerstörte mehrere Autos, berichtete der österreichische Rundfunk. In Ober- und Niederösterreich sowie in Vorarlberg wurden wegen umgestürzer Bäume Straßen gesperrt. Die Österreichischen Bundesbahnen haben eine Geschwindigkeitsbeschränkung für alle Züge ausgegeben. Die Experten nehmen an, dass der Sturm Österreich in abgeschwächter Form mit Geschwindigkeiten bis 140 Stundenkilometer erreicht.

+++ Lkw-Fahrer sollen Rastplätze aufsuchen +++

[23.48] Das Landespolizeiamt Schleswig-Holstein hat Lkw-Fahrer aufgerufen, sofort Park- und Rastplätze aufzusuchen und dort während des vorüberziehenden Sturms abzuwarten. Auch die von den Autobahnen entfernter liegenden Autohöfe sollen genutzt werden, da die meisten Rastanlagen nur noch wenig Parkplätze zur Verfügung hätten, hieß es in einer Erklärung.

+++ Glasfassade des Bahnhofs Berlin droht einzustürzen +++

[23.35] Die Glasfassade des erst vor acht Monaten eröffneten Bahnhofs nahe dem Bundeskanzleramt ist nach ersten Erkenntnissen vom Einsturz bedroht. Der gesamte Hauptbahnhof wurde komplett evakuiert. Zunächst war ein zwei Tonnen schwerer Stahlträger aus 40 Metern Höhe abgestürzt. Der Träger stürze auf eine Treppe und zerstörte diese vollständig. Ein weiterer Stahlträger löste sich später ebenfalls.

+++ Mehrere Todesopfer in Tschechien +++

[23.01] "Kyrill" hat in Tschechien mindestens drei Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefordert. Im nordböhmischen Kreis Ceska Lipa wurde ein 37-jähriger Feuerwehrmann bei Aufräumarbeiten von einem Baum erschlagen. In der Nähe von Prag tötete ein umstürzender Baum zwei Autofahrer. Die tschechische Fluglinie CSA sagte 15 Flüge ab. In Prag ließ die Polizei aus Sicherheitsgründen die obersten Stockwerke eines Plattenbaus räumen. Landesweit deckten starke Böen Dächer ab, Dauerregen ließ Flüsse anschwellen. In vielen Orten fiel der Strom aus, es herrscht ein Verkehrschaos. In Südböhmen blockieren umgestürzte Bäume Bahngleise.

+++ Bauteil vom Berliner Hauptbahnhof abgestürzt +++

[22.46] Der Orkan hat am Berliner Hauptbahnhof einen tonnenschwerer Träger heruntergerissen. Wie die Feuerwehr mitteilte, droht auch ein zweiter, ebenfalls mehrere Tonnen schwerer Stahlträger abzustürzen. Zahlreiche Einsatzwagen und -kräfte seien unterwegs zum Unglücksort am Washingtonplatz. Es ist noch nicht bekannt, ob Menschen verletzt wurden.

+++ Drei Tote in den Niederlanden +++

[22.20] Auch in den Niederlanden richtete der Orkan am Abend schwere Schäden an, drei Menschen starben durch umstürzende Bäume. In Amsterdam wurden Bewohner aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Viele Züge fuhren nicht, Flüge mussten ausfallen. In Utrecht stürzte ein Baukran in ein Universitätsgebäude und verletzte sechs Personen. Im Hafen von Rotterdam beschädigte ein losgerissenes Schiff eine Ölpipeline, 1600 Kubikmeter Öl traten aus.

+++ Orkanböen zerstören Zaun eines Bärengeheges +++

[22.17] "Kyrill" hat die Umzäunung eines Bärengeheges in Isselburg-Anholt in Nordrhein-Westfalen beschädigt. Der Eigentümer passe mit einem Betäubungsgewehr auf, dass die Tiere nicht aus dem Gehege entwischen, sagte ein Polizist. Wegen des Sturms sei es für die Feuerwehr zu gefährlich, den Zaun zu reparieren.

+++ Bahn öffnet Züge für gestrandete Reisende +++

[22.15] Die Bahn hat an zahlreichen Bahnhöfen die dort haltenden Züge geöffnet. Weil die Hotels in Bahnhofsnähe in vielen Städten ausgebucht seien, könnten sich die Fahrgäste in der Nacht dort aufhalten, sagte Bahnsprecher Gunnar Meyer. Bahnmitarbeiter versorgen die Fahrgäste mit Tee und Decken. Viele Bahnbeschäftigte arbeiteten auch nach ihrem Schichtende weiter.

+++ Neun Tote in Großbritannien +++

[22.01] Auch in Großbritannien hat der Orkan "Kyrill" eine Spur der Verwüstung hinter sich hergezogen. Laut BBC starben neun Menschen. Bei starkem Regen wurden Windgeschwindigkeiten von 159 km/h gemessen, vor allem Südengland sei betroffen. Vor der Küste Cornwalls wurde die 26-köpfige Besatzung eines Frachtschiffes mit einem Helikopter gerettet, nachdem sie in Rettungsboten ihr Leck geschlagenes Schiff verlassen mussten. In Schottland fiel unterdessen der erste Schnee des Jahres und führte zu Problemen im Straßen- und Bahnverkehr.

+++ Höhepunkt an Schleswig-Holsteins Westküste überstanden +++

[21.36] Im hohen Norden der Republik schwächt sich Orkan "Kyrill" langsam ab. An der Westküste Schleswig-Holsteins ist der Höhepunkt überschritten. Als Spitzengeschwindigkeit registrierte der Deutsche Wetterdienst 148 km/h in Strucklahnungshörn auf der Halbinsel Nordstrand. Nach 21 Uhr sanken die Böen in List auf Sylt auf unter 100 km/h. Der stärkste Wind hatte dort mit 119 Kilometern pro Stunde geblasen. Extreme Geschwindigkeiten gibt es noch am Leuchtturm Kiel (130 km/h) und in Westermakelsdorf auf Fehmarn (122 km/h).

+++ Siebtes Todesopfer in Deutschland +++

[21.31] Das Orkantief "Kyrill" hat allein in Deutschland sieben Menschen das Leben gekostet. Im niedersächsischen Hildesheim wurde ein Auto von einem umstürzenden Baum getroffen, wie die Polizei mitteilte. Dabei starb ein Mann.

+++ In Bayern fällt der Unterricht aus +++

[21.29] Als Folge des Orkans fällt am Freitag im gesamten Freistaat der Unterricht komplett aus. Das bayerische Kultusministerium traf die Entscheidung am Abend wegen der nicht absehbaren Schäden. Möglicherweise könnten Schülerbeförderung und Unterricht beeinträchtigt sein.

+++ Feuerwehrmann von Baum erschlagen +++

[21.23] Ein Feuerwehrmann starb heute Abend bei einem Sturmeinsatz in Tönisvorst bei Krefeld. Der 39-Jährige wurde nach ersten Erkenntnissen der Polizei von einem entwurzelten Baum erschlagen, als er gemeinsam mit anderen Einsatzkräften versuchte, einen anderen umgestürzten Baum von einer Straße zu räumen.

+++ Große Sorge auf Sylt +++

[21.21] Auf Sylt tobt der Orkan noch mit voller Wucht im Süden der Insel. Trotz Niedrigwassers ist der komplette Strand von Hörnum überspült, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Hasnain Kazim. Verwaltung und Anwohner machen sich große Sorgen, welche Schäden morgen bei Tagesanbruch zum Vorschein kommen.

+++ Stromausfall an der Küste +++

[21.10] In Finkhaushallig bei Husum an der nordfriesischen Küste sei der Strom kurzzeitig ausgefallen, berichtet Anwohnerin Renate Petersen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Gefahr droht dort bisher nicht. Freiwillige Helfer kontrollieren dort die Deiche regelmäßig. Aber: "Es heult und stürmt, dass das Dach knackt".

+++ 500 Feuerwehreinsätze in Berlin +++

[20.54] In Berlin wird der große Sturm erst um Mitternacht erwartet, doch schon jetzt musste die Feuerwehr zu 500 Einsätzen ausrücken. Durch starke Regenfälle gab es 210 Wasserschäden. Bei Windgeschwindigkeiten von 110 km/h entwurzelte Orkantief "Kyrill" rund 170 Bäume. Vor allem im Süden Berlins mussten wegen Überschwemmungen Straßen gesperrt und Busse umgeleitet werden.

+++ Teile Nordwestdeutschlands haben das Schlimmste hinter sich +++

[20.37] Nordrhein-Westfalen und das westliche Niedersachsen haben die schlimmsten Auswirkungen des Sturms offenbar überstanden. "Für diese Gebiete kann man mittlerweile Entwarnung geben, obwohl auch hier gelegentlich noch Sturmböen auftreten können", sagte Burkhard Kirsch vom Deutschen Wetterdienst.

+++ Züge sollen in NRW sollen ab 4 Uhr wieder fahren +++

[20.35] Die Deutsche Bahn rechnet damit, dass der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen am Freitagmorgen wieder aufgenommen wird. Die Züge sollen in der Nacht bei Bedarf repariert und leer in die "Garage" gefahren werden, sagte Bahnsprecher Karl-Josef Bales. Gegen 4 Uhr soll der reguläre Zugbetrieb starten. Auf beschädigten Strecken sei mit Verspätungen zu rechnen. Dort, wo Oberleitungen provisorisch repariert seien, müssten die Züge langsam fahren. "Aber ich denke, lieber ein wenig zu spät kommen, als gar nicht", sagte Bales.

+++ Zehntausende ohne Strom +++

[20.27] Der Stromausfall in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt hält an, teilte das Energieunternehmen envia mit. Rund 52.000 Kunden im Versorgungsgebiet seien um 19 Uhr ohne Strom gewesen. Besonders betroffen sei Sachsen- Anhalt. Es werde mit Hochdruck an der Reparatur der beschädigten Anlagen und Leitungen gearbeitet. Allerdings erschwerten anhaltende Orkanböen und Regenfluten die Arbeiten. Der Stromausfall wurde den Angaben zufolge von Ästen und Bäumen verursacht, die auf Freileitungen gestürzt waren.

+++ Bahnreisende sollen ins Hotel +++

[20.15] Vor den Schaltern der Bahn im Hamburger Hauptbahnhof stehen Kunden Schlange, um ihre Tickets auf den folgenden Tag umschreiben zu lassen, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Ole Reißmann. Mitarbeiter der Bahn raten Fernreisenden, sich Hotelzimmer zu suchen. Seit fünf Uhr ist eine Frau mit Reiseziel Hannover auf dem Bahnhof, jetzt steht sie wie viele andere bei der Touristeninformation an und will ins Hotel gehen.

+++ Autofahrerin vom Baum erschlagen +++

[20.10] Durch das Sturmtief "Kyrill" ist in Lippstadt eine 23 Jahre alte Autofahrerin ums Leben gekommen. Laut Polizei war die Frau auf einer Straße unterwegs, als vor ihrem Wagen ein Baum umstürzte und die Fahrbahn blockierte. Als die Lippstädterin ihren Pkw wenden wollte, sei das Auto von einem weiteren umstürzenden Baum getroffen worden. Die junge Frau wurde im Wagen eingeklemmt und musste durch die Feuerwehr geborgen werden. Sie starb kurze Zeit später im Rettungswagen an der Unfallstelle.

+++ Wandergruppe eingeschlossen +++

[20.00] Im Landkreis Wernigerode im Harz sitzt eine Wandergruppe in einer Skihütte fest. Die zehn Schüler und drei Erwachsenen können erst am Freitag befreit werden.

+++ Bahnchef Mehdorn: "Das hatten wir noch nie" +++

[19.59] Für die Bahn hat es nach Angaben von Konzernchef Hartmut Mehdorn einen solchen Sturm noch nicht gegeben. "Das hatten wir noch nie in Deutschland", sagte Mehdorn in Berlin. An einen solchen Sturm könnten sich auch ältere Bahnmitarbeiter nicht erinnern. Wegen des Orkans habe sich bei der Bahn aber noch kein Unfall ereignet. Derzeit stecke allerdings ein Zug mit 180 Fahrgästen bei Osnabrück fest. Rettungsmannschaften mit schwerem Räumgerät seien an Ort und Stelle.

+++ Mann in Sachsen-Anhalt von umstürzender Wand getötet +++

[19.57] In Groß Rodensleben in Sachsen-Anhalt ist am Abend ein Mann im Sturm gestorben. Er wurde in einer Gaststätte unter einer umstürzenden Wand begraben, teilte die Polizei Halberstadt mit. Drei weitere Männer wurden schwer verletzt.

+++ "Kyrill" legt auch in der Schweiz an Stärke zu +++

[19.49] "Kyrill" ist auch in der Schweiz stärker geworden und hat Windspitzen von über 140 Stundenkilometern erreicht. In der Nacht soll der Orkan noch weiter aufdrehen. Die Fluggesellschaft Swiss musste Dutzende Flüge annullieren. Einem Sprecher zufolge sind 5800 Fluggäste betroffen. Vorerst erreichte "Kyrill" nur in erhöhten Lagen Orkanstärke. In der Nacht werden auch in den Niederungen bis zu 120 km/h erwartet, über dem Jura und in den Alpen Spitzen von 160 Kilometern pro Stunde.

+++ Bahn stellt wegen "Kyrill" bundesweit Zugverkehr ein +++

[19.30] Die Deutsche Bahn stellt wegen des Orkans "Kyrill" bundesweit den gesamten Zugverkehr ein. Alle Züge werden derzeit in die Bahnhöfe gefahren, sagte ein Sprecher. Wie viele Reisende davon betroffen sind, ist noch unklar.



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