Naltschik Unruhen im Kaukasus - Polizei evakuiert Schule

Maschinengewehrsalven dröhnen durch die Stadt, die Polizeistation steht in Flammen. Rebellen haben Naltschik, die Hauptstadt der russischen Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien, angegriffen. Die Behörden evakuierten sofort eine nahe gelegene Schule.


Wladikawkas - Nach vorläufigen Angaben der Polizei sollen islamistische Rebellen versucht haben, mehrere Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis zu befreien. Bei den Gefechten sind nach Krankenhausangaben mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Vertreter des zentralen Krankenhauses der Hauptstadt Naltschik dem Radiosender "Moskauer Echo". In ersten Berichten war von bis zu zehn getöteten Rebellen sowie mehreren Opfern unter der Zivilbevölkerung die Rede.

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Polizei und Armee haben die Lage nach Angaben der Regierung von Kabardino-Balkarien inzwischen unter Kontrolle. Die Situation in der Hauptstadt habe sich "normalisiert", sagte deren stellvertretender Kommunikationsminister Nikolaj Ljapin laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Tschetschenische Rebellen bekannten sich mittlerweile zu dem Angriff. Die Kämpfer, die sich Streitkräfte der kaukasischen Front nennen, erklärten im Internet, gemeinsam mit lokalen muslimischen Extremisten hinter den Angriffen zu stehen.

Ljapin betonte, entgegen ersten Berichten sei in der Stadt keine Schule von Rebellen überfallen worden. Neben einem Schulgebäude hätten sich Extremisten und Polizisten Feuergefechte geliefert, teilte ein Behördensprecher mit.

Zuvor hatte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP berichtet, mehrere Kinder seien aus der Schule Nummer fünf in Naltschik gerannt. Ein neunjähriges Mädchen habe ihm gesagt, dass Bewaffnete in der Schule seien und dort geschossen worden sei. Behördenangaben zufolge waren es jedoch Sicherheitskräfte, die in die Schule eingedrungen seien und die Kinder aus dem Gebäude gebracht hätten.

Sicherheitskräfte in Naltschik: "Lage normalisiert"
AP

Sicherheitskräfte in Naltschik: "Lage normalisiert"

Die Behörden hatten zunächst mitgeteilt, die Polizeistation der Stadt stehe nach Schüssen und Explosionen in Brand. Nach Behördenangaben wurden auch ein Gefängnis, das örtliche Hauptquartier des Inlandsgeheimdienstes FSB und der Flughafen angegriffen.

Interfax meldete ebenfalls, an mehreren Orten der Stadt seien Gefechte im Gange. Das Zentrum von Naltschik wurde abgeriegelt; über Lautsprecher rief die Polizei die Bewohner auf, das Viertel zu verlassen.

Kabardino-Balkarien liegt westlich von Tschetschenien und grenzt an Nordossetien - dort hatten tschetschenische Extremisten vor mehr als einem Jahr eine Schule überfallen und besetzt. Bei der Befreiungsaktion starben 331 Menschen, die Hälfte davon Kinder.

In den vergangenen Monaten hat die Polizei verstärkt Angriffe auf Beamte in der russischen Teilrepublik registriert. Die Behörden hatten mehrmals radikale Islamisten für die Angriffe verantwortlich gemacht.



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