Ned Kelly: Im Gedenken an einen Gehängten

Australischer Volksheld: Kopf ab, Kopf weg Fotos
REUTERS/Victorian Forensic Medicine

Berüchtigter Verbrecher - berühmter Volksheld: Hunderte Australier nahmen Abschied von Ned Kelly. Vor mehr als 130 Jahren endete sein Weg am Galgen von Melbourne. Seine Gebeine wurden erst kürzlich seiner Familie übergeben - wenn auch ohne Kopf.

Melbourne - Viele Australier sehen Edward "Ned" Kelly in einer Reihe mit Robin Hood und Jesse James - Nationalhelden, die zwar Gewalt anwendeten, aber doch nur, um eine bessere Welt zu schaffen. In Fall des irisch-katholischen Ned Kelly war es die Auflehnung gegen die englisch-protestantische Kolonial-Oberklasse Australiens, die ihn im 19. Jahrhundert bei vielen Landsleuten populär machte. Für andere ist er nicht mehr als ein kaltblütiger, sechsfacher Mörder und Straßenräuber.

In der Region Glenrowan im Bundesstaat Victoria gibt es aber keinen Zweifel, was Ned Kelly war - "Kellyland" wird die Gegend im Volksmund auch genannt. In der dortigen Stadt Wangaratta nahmen jetzt Hunderte an einem von der Familie organisierten Gedenkgottesdienst für den Gesetzlosen teil.

"Von allen Australiern ist Ned ohne Zweifel einer der berühmtesten, einige würden auch sagen berüchtigtsten Australier, und darin liegt die tiefe Spaltung der Gesellschaft", sagte der Priester John White bei der Feier in der Kirche St. Patrick's.

Die Familie hatte die Gebeine erst kürzlich übergeben bekommen: Jahrelang war man sich nicht sicher, wo Kellys Ruhestätte lag. 1880 war der Bandit für den Mord an drei Polizisten gehängt und in ein Massengrab geworfen worden - ohne Kopf, der separat aufbewahrt und ausgestellt wurde.

Sein letzter Wunsch: neben Mutter begraben werden

1929 wurde Kellys Körper in ein namenloses Grab umgebettet. Sein Kopf ging zuerst an eine anatomische Studienanstalt in Canberra, dann an den australischen National Trust, der sich, unter anderem, um die Erhaltung des historischen Erbes des Landes bemüht.

Seinen Körper konnte man mit Sicherheit vor etwa anderthalb Jahren zuordnen: Die DNA einer Leiche auf einem Gefängnisfriedhof wurde mit dem Genmaterial einer Großnichte verglichen.

Wo hingegen der Kopf ist, weiß man bis heute nicht. Der wurde nämlich 1978, während er an Kellys Hinrichtungsstelle in Melbourne ausgestellt war, gestohlen und ist immer noch verschollen.

Um den Körper kam es nach der Identifizierung auch noch zu einem Rechtsstreit. Der Besitzer des Grundstücks, auf dem das Skelett gefunden worden war, und Kellys Nachfahren erhoben Anspruch darauf. Der Grundbesitzer hätte den Körper gerne in einem Museum ausgestellt, aber im August 2012 beschloss die Regierung von Victoria, dass die Überreste an die Familie zu übergeben sind.

Am Sonntag wird die Odyssee zumindest teilweise beendet und Kellys angeblich letzter Wunsch erfüllt: Am Tag seiner Hinrichtung soll er noch um eine Beerdigung neben seiner Mutter gebeten haben. 132 Jahre später wird er nun genau dort begraben werden. Unweit des Ortes der Schießerei, die ihn an den Galgen brachte - in einem namenlosen Grab. Die Behörden wollen verhindern, dass die Ruhestätte zu einer Huldigungsstätte wird. Schließlich sei Kelly ein verurteilter Verbrecher, betonte die Polizei.

cvb/dpa

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