Vorher-nachher-Vergleich Nepal heute - und vor einem Jahr

Ein gewaltiges Erdbeben erschütterte vor einem Jahr die Himalaya-Region, in Nepal stürzten Hunderttausende Häuser ein. Diese Bilder zeigen, was sich seitdem getan hat.


In Teilen Nepals sieht es so aus, als habe das Erdbeben erst vor wenigen Wochen das Land erschüttert. Mancherorts liegen auch ein Jahr nach der Katastrophe Trümmer herum.

Bei dem Beben am 25. April 2015 und an den folgenden Tagen starben etwa 9000 Menschen, rund 22.000 wurden verletzt. Nach Regierungsangaben stürzten rund 600.000 Häuser ein, das Rote Kreuz spricht sogar von 800.000 zerstörten Gebäuden.

Niranjan Shrestha, Fotograf von der Nachrichtenagentur AP, hat sich an acht Orten auf Spurensuche begeben. Seine Vorher-nachher-Bilder zeigen, was sich in den vergangenen zwölf Monaten in Nepal getan hat. Schieben Sie den Regler nach rechts oder links!

Tempelkomplex Swayambhunath in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu: Die linke Aufnahme stammt vom 30. April 2015, die rechte vom 2. März 2016. Auf dem Gelände, das zu den sieben von der Unesco im Kathmandu-Tal als Weltkulturerbe ausgewiesenen Stätten zählt, wurden die Trümmer inzwischen beseitigt. Der offizielle Wiederaufbau hat bislang jedoch nicht begonnen.


Ein Grund für die Verzögerung ist Nepals Wiederaufbaubehörde (NRA), die den ganzen Prozess koordinieren soll. Weil die notorisch zerstrittenen Politiker des Landes sich im vergangenen Jahr vor allem mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung beschäftigten, nahm die Behörde erst im Dezember ihre Arbeit auf.

Eine der ältesten Tempelanlagen Nepals, ebenfalls in Kathmandu gelegen: Links am 26. April 2015 fotografiert, rechts am 2. März 2016. Der Schuttberg ist zwar schon deutlich kleiner geworden, aber noch nicht komplett verschwunden.

Durbar-Platz in Kathmandu: Das Foto links entstand am 25. April 2015, dem Tag des Bebens. Viele der meist aus Holz erbauten Pagoden und Tempel wurden zerstört. Das rechte Bild wurde am 2. März 2016 aufgenommen.

Buddha-Statue in Kathmandu: Am 2. Mai 2015 (Foto links) war der Platz noch mit Trümmern bedeckt, am 29. Februar 2016 (Foto rechts) war die Statue wieder zugänglich. In den Gassen der Hauptstadt sind weiterhin viele provisorische Stützpfeiler zu sehen.

Straße in Bhaktapur , nahe Kathmandu: Links am 27. April 2015 fotografiert, rechts am 1. März 2016. Erste Hilfsgüter wie Zeltplanen und Reissäcke haben die Menschen in den Tagen und Wochen nach dem Erdbeben irgendwann erreicht. Es ist der Übergang von der Soforthilfe zum Wiederaufbau, der nicht klappt. Und das, obwohl Nepal bei einer Geberkonferenz 3,9 Milliarden Euro einsammelte.

Durbar-Platz in Bhaktapur: Die linke Aufnahme stammt vom 30. April 2015, die rechte vom 1. März 2016. Das Beben verwüstete laut Unesco mehr als die Hälfte der Tempel in der Stadt.

Straße in Bhaktapur : Der Vergleich zeigt den Unterschied zwischen dem 26. April 2015 (links) und dem 29. Februar 2016 (rechts). Knapp ein Jahr nach dem Beben haben nach Angaben des Roten Kreuzes noch immer vier Millionen Nepalesen kein festes Dach über dem Kopf. Sie schlafen demnach entweder unter Plastikplanen oder leben in provisorischen Unterkünften.

Khokana, Dorf im Distrikt Lalitpur : Links ist die Straße am 30. April 2015 zu sehen, rechts am 4. März 2016. Insbesondere in den Dörfern fehlen den meisten Menschen die Mittel, ihre zerstörten Häuser wieder zu errichten. Sie sind auf das Geld der Regierung angewiesen.

Im Kathmandu-Tal, wo die Menschen im Schnitt mehr Geld besitzen als auf dem Land, begannen die Bewohner auf eigene Faust, ihre Häuser wieder zu errichten. An die überall propagierte Vorgabe "Build back better", also besser und erdbebensicherer wieder aufzubauen, hält sich dabei kaum jemand.

Max Santner, Nepal-Direktor des Roten Kreuzes, hat die Hoffnung nicht aufgegeben. "Nepal wird letztendlich seinen Weg aus der Katastrophe finden", glaubt er. "Aber es wird länger dauern, als wir das gerne hätten, oder als unsere Spender sich das wünschen."

wit/dpa



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