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Nepal: Heftiges Erdbeben erschüttert Himalaya-Region

REUTERS

Nepal ist schon wieder von einem heftigen Beben erschüttert worden. Die Erdstöße brachten Häuser zum Einsturz. Es gibt erste Meldungen über Tote und Verletzte.

Nepal kommt nicht zur Ruhe: Gut zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben hat ein weiteres gewaltiges Beben den Himalaya-Staat erschüttert und Panik ausgelöst. Nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam hatte das Beben die Stärke 7,2 und lag nur zehn Kilometer unter der Erdoberfläche. Zunächst war von einer Stärke von 7,4 die Rede gewesen. Die US-Behörde Geological Survey gab eine Stärke von 7,3 und eine Tiefe von 18,5 Kilometern an.

Das Epizentrum lag demnach nur einige Dutzend Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu und westlich der Stadt Namche Bazar an der Grenze zu China, in der Nähe des Mount Everest. In Kathmandu dauerten die Erdstöße fast eine Minute lang, viele Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Überall heulten die Sirenen. Der internationale Flughafen wurde geschlossen.

Das gewaltige Nachbeben brachte weitere Häuser zum Einsturz - etwa in Chautara, der Hauptstadt der Region Sindhupalchock. Leichen würden aus einem Gebäude gebracht, das in sich zusammengefallen sei, sagte Paul Dillon, Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Den Angaben zufolge wurden bislang vier Tote geborgen. Rettungsteams seien dabei, weitere Trümmer zu durchsuchen.

Beben in Nepal: Karte der US-Behörde Geological Survey Zur Großansicht
DPA/ USGS

Beben in Nepal: Karte der US-Behörde Geological Survey

"Wir bekommen nach und nach Informationen aus abgelegenen Gebieten", sagte ein Polizeisprecher in Kathmandu. Er gab die Zahl der Toten mit drei an und sprach von mehr als 300 Verletzten. Mehr als 20 Verletzte seien allein ins Kathmandu Hospital gebracht worden.

Weitere Opfer werden befürchtet. Am Neuen Markt in Nepals Hauptstadt sei ein fünfstöckiges Haus in sich zusammengestürzt, sagte der Polizeisprecher. "Wir fürchten, dass es Tote gibt, denn unter dem Gebäude stand ein Taxi. Wir versuchen, es zu finden."

Das norwegische Rote Kreuz sprach ebenfalls von "einigen Toten" und "vielen Verletzten" in Chautara. Man behandle erste Patienten in Sanitätszelten. In der Stadt sind seit dem ersten Beben viele internationale Hilfskräfte stationiert.

Video: Die schwierige Mission der Helfer

Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,8 vor 17 Tagen hatte westlich von Kathmandu gelegen. Bei der Katastrophe waren allein in Nepal mehr als 8000 Menschen gestorben. Mindestens hundert Menschen starben im benachbarten China und Indien.

Bei dem Beben am 25. April wurden fast eine halbe Million Häuser in Nepal zerstört oder schwer beschädigt. Millionen Nepalesen leben derzeit in Zelten und sind auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen. Ihr Land liegt an der Stelle, wo sich die Indische in die Eurasische Platte schiebt. Deswegen kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben.

Das Epizentrum des heftigen Nachbebens lag auch nahe der vom ersten Beben stark betroffenen Region Sindhupalchock. In der gebirgigen Region an der Grenze zu Tibet war bei dem Beben vor zwei Wochen kaum ein Haus stehengeblieben. Die Menschen in den oft isoliert gelegenen Dörfern hausen seitdem in aus Plastikplanen konstruierten Zelten. Dies könnte bei den jetzigen Erdstößen von Vorteil gewesen sein, weil weniger Menschen in ihren Häusern überrascht wurden. Allerdings wurden aus dem Gebiet drei große Erdrutsche gemeldet. Mindestens zwölf Menschen seien dabei verletzt worden, teilte ein Behördensprecher mit.

Die meisten Dorfbewohner hatten sich entschlossen, mit dem Wiederaufbau der Häuser auf das Ende des in Kürze beginnenden Monsuns zu warten. Sie hatten das damit begründet, dass sie einerseits warten wollten, bis sich das aufgewühlte Erdreich während der Regenzeit wieder setzte. Andererseits hatten sie - wie sich nun herausgestellt hat zu Recht - Angst vor schweren Nachbeben.

Sorgen auch in Indien

Laut der der Koordinierungsstelle für Humanitäre Fragen der Vereinten Nationen (Ocha) in Nepal kam es am Dienstag innerhalb von dreißig Minuten zu insgesamt vier Erdstößen. Die Erschütterungen des heftigsten Bebens waren selbst noch in der mehr als tausend Kilometer entfernten indischen Hauptstadt Neu-Delhi zu spüren.

Die Erde schwankte, in Wohn- und Geschäftsgebäuden vibrierten die Fußböden. Wie schon vor zweieinhalb Wochen wurden Hochhäuser und Geschäfte vorübergehend evakuiert. In den indischen Bundesstaaten Bihar und Uttar Pradesh kamen offiziellen Angaben zufolge zwei Menschen bei dem Beben ums Leben. Auch in China starb mindestens eine Frau infolge der Erdstöße. Sie sei von herabstürzenden Steinen erschlagen worden, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur China News Service.

Unter den Hunderttausenden Nepalesen, die in Indien arbeiten, herrscht unterdessen große Sorge: Während viele Männer in ihr Heimatland gereist sind, um dort nach dem Rechten zu sehen und den Überlebenden zu helfen, sind ihre Frauen überwiegend in Neu-Delhi geblieben. Sie wissen nicht, wie sie in Erfahrung bringen sollten, ob es ihren Angehörigen gutgeht.

"In meinem Dorf ist die Stromversorgung schon beim ersten Beben vor zwei Wochen zusammengebrochen. Handys können deshalb nicht geladen werden", sagte Totoo Madhu Tamang, die ursprünglich aus dem Dorf Bothan stammt. Ihr Mann war vergangenen Mittwoch in die Region Sindhupalchock aufgebrochen, um ihren Angehörigen Geld und Hilfslieferungen zu bringen.

wit/puz/dpa/Reuters/AP

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Fläche: 147.181 km²

Bevölkerung: 27,21 Mio.

Hauptstadt: Kathmandu

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Khadga Prasad Sharma Oli (zurückgetreten Juli 2016)

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