Katastrophe im Himalaya Hunderte Tote bei schwerem Erdbeben in Nepal

Vom Unesco-Weltkulturerbe im Tal von Kathmandu soll nichts mehr stehen, es gibt Hunderte Tote und Verletzte: In Nepal ist die Situation nach dem Erdbeben katastrophal. Die Regierung hat den Ausnahmezustand verhängt.

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Bei einem schweren Erdbeben in Nepal sind mehrere Hundert Menschen ums Leben gekommen. Die offiziellen Angaben schwanken, die Behörden können sich nur schwer ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe machen. Die Polizei berichtet derzeit von 876 Toten, ein Sprecher des nepalesischen Innenministeriums sprach zuletzt von mehr als 750 Todesopfern.

Und es gilt als wahrscheinlich, dass diese Zahl noch einmal steigt. "Wir fürchten, dass noch viele Menschen unter alten Häusern und Gebäuden begraben sind", sagte Ministeriumssprecherin Laxmi Dhakal. In den betroffenen Gebieten wurde der Notstand ausgerufen. Kathmandu habe außerdem die internationale Gemeinschaft um humanitäre Hilfe gebeten, so Dhakal.

Die meisten Opfer gab es den Angaben zufolge in der 700.000 Einwohner großen Hauptstadt Kathmandu. Hunderte Menschen seien zudem verletzt worden, sagte Dhakal. Das ganze Land sei getroffen, so ein nepalesischer Diplomat in der Botschaft im indischen Neu-Delhi.

Laut einem Bericht des TV-Senders Somoy starben auch in Bangladesch zwei Menschen, rund hundert seien verletzt worden. Indische Behörden sprachen von 34 Toten auf indischer Seite und Dutzenden Verletzten.

Hunderte Menschen werden in Nepal derzeit in Kliniken behandelt. Die Erschütterungen der Stärke 7,9 brachten in der Hauptstadt Kathmandu mehrere Gebäude zum Einsturz, darunter auch jahrhundertealte Tempel. Viele Straßen rissen auf und sind nicht befahrbar.

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Nepal: Das schlimmste Erdbeben seit 80 Jahren
Durch das Erdbeben wurden wohl auch große Teile des Weltkulturerbes im Tal von Kathmandu zerstört. Dort befinden sich innerhalb weniger Kilometer sieben Weltkulturdenkmäler. Vier der sieben Unesco-Stätten sind kunstvoll gebaute Tempel. Die drei anderen sind Paläste, die einst von Königsfamilien bewohnt wurden - auf dem Durbar-Platz in Kathmandu, dem Durbar-Platz in Bhaktapur und Durbar-Platz in Patan. Auf dem Durbar-Platz in Kathmandu steht einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge fast nichts mehr.

Durbar-Platz in Kathmandu: Die Gebäude sollen zerstört worden sein
DPA

Durbar-Platz in Kathmandu: Die Gebäude sollen zerstört worden sein

Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, in der Innenstadt sei eine Touristenattraktion, ein historischer Turm aus dem 19. Jahrhundert, kollabiert. Es soll sich dabei um den Dharahara-Turm handeln. Die Polizei habe die Gegend abgesperrt und mindestens eine Leiche aus den Trümmern geborgen. Berichten zufolge sollen bis zu 50 Menschen in den Trümmern des Turms eingeschlossen sein.

Das Ausmaß der Katastrophe ist immer noch nicht absehbar, da viele Gebiete abgelegen liegen oder von der Kommunikation abgeschnitten wurden. Hubschrauber kreisen über der Region, um sich ein Bild der Situation zu machen. "Wir sind total abgeschnitten von vielen Teilen des Landes", sagte Ram Narayan Pandey von der Behörde für Krisenmanagement.

Erdbeben löst Lawine am Mount Everest aus

Das Beben erreichte nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam die Stärke 7,8, nach Angaben der Kollegen der US-Erdbebenwarte USGS sogar 7,9. Es kam zu mehreren Nachbeben. Es soll sich um das schlimmste Erdbeben in Nepal seit 80 Jahren handeln.

Das Epizentrum lag USGS zufolge etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu in nur wenigen Kilometer Tiefe. Erschütterungen waren auch in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, Tibet, Pakistan und Bangladesch zu spüren gewesen.

Laut SPIEGEL-ONLINE-Korrespondentin Ulrike Putz wurden mehrere Hochhäuser und Luxushotels in Neu-Delhi evakuiert. Die U-Bahn stellte vorübergehend den Betrieb ein.

Indiens Luftwaffe schicke ein Flugzeug mit Nahrungsmitteln, Wasser, Rettungsausrüstung, Spürhunden, Ärzten und Krankenpflegern, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Auch in Deutschland bereiten sich erste Helfer für einen Einsatz im Himalaya vor. "Wir stehen in den Startlöchern", sagte Richard van Hazebrouck, Pressesprecher des Technischen Hilfswerks in Bonn.

Die Erschütterungen lösten auch in der Mount-Everest-Region Lawinen aus. Nepalesischen Angaben zufolge verunglückten acht Bergsteiger tödlich, mindestens 30 Menschen wurden verletzt. Derzeit ist Hauptsaison für Bergsteiger, die auf die höchsten Berge der Welt klettern. Mittlerweile wurde Nepals einziger internationaler Flughafen geschlossen. Alle Flüge würden nach Neu-Delhi umgeleitet.

Google hat unterdessen einen Dienst zum Auffinden vermisster Personen eingerichtet.

gam/dpa/Reuters/AFP/AP

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insgesamt 35 Beiträge
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Inuk 25.04.2015
1. Schweres Erdbeben
Als 1995 in Kobe, Japan, ein Erdbeben mit einer Stärke von 7,3 war, mussten wir Konventionalstrafe zahlen, weil Lieferungen von Computerteilen aus Japan über Monate ausfielen und wir unsere Aufträge nicht zeitgerecht erfüllen konnten. Es macht eben doch Unterschiede, wo sich Spannungen der Erdplatten entladen. Obwohl die Gegend in Nepal dünn besiedelt ist, gab es trotzdem zwei Todesfälle und mehrere Verletzte, aber keine Lieferausfälle, die dem Industriestandort Deutschland schaden könnten.
Butenkieler 25.04.2015
2. Erdbeben mit nur 2 Toten,
trotz einer Stärke von über 7, erstaunt nun doch. Entweder ist die Gegend zu menschenleer oder die Bewohner haben aus der Vergangenheit gelernt und erdbebensicherer gebaut. Aber nun deswegen auch internationale Hilfe zu hoffen, vermag ich nicht zu glauben.
kabian 25.04.2015
3. Glück im Unglück?
Das Gebiet, wo das Erdbeben direkt stattfand ist zwar dünn besiedelt aber Kathmandu ist nicht weit weg. Das Kathmandu ist ein verlandeter See mit viel Sand im Untergrund entsprechend schlimm sind die Auswirkungen. Dazu gibt es noch zahlreiche Erdbeben auch östlich von der Hauptstadt. Die Gebäude sind zumeist aus Backsteinen, die schnell kollabieren und auf den Dächern befinden sich oft Wassertanks mit mehreren Hundert Litern Inhalt. Beste Voraussetzungen für eine Katastrophe. Glück ist, das das Erdbeben nicht unmittelbar unter Kathmandu stattfand und nicht die erwartete Stärke von 9-10 erreicht hat wie oft prognostiziert.
cleoti 25.04.2015
4. war bis
Bhubaneswar, Orissa zu spüren -> mehr als 1000 Km Luftlinie..... Unser Beileid allen Betroffenen !
Topf Gun 25.04.2015
5. Das
Zitat von InukAls 1995 in Kobe, Japan, ein Erdbeben mit einer Stärke von 7,3 war, mussten wir Konventionalstrafe zahlen, weil Lieferungen von Computerteilen aus Japan über Monate ausfielen und wir unsere Aufträge nicht zeitgerecht erfüllen konnten. Es macht eben doch Unterschiede, wo sich Spannungen der Erdplatten entladen. Obwohl die Gegend in Nepal dünn besiedelt ist, gab es trotzdem zwei Todesfälle und mehrere Verletzte, aber keine Lieferausfälle, die dem Industriestandort Deutschland schaden könnten.
Das ist jetzt Ihre größte Sorge ? Lieferausfälle ? Schon mal was von "Menschenverachtung" gehört ?
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