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Nepal: Verlorenes Weltkulturerbe, verlorene Pilgerorte

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Trümmer auf dem Durbar-Platz: Historische Bauten zerstört Zur Großansicht
REUTERS

Trümmer auf dem Durbar-Platz: Historische Bauten zerstört

Sieben Weltkulturdenkmäler gibt es im Tal von Kathmandu - sie zeugen vom kulturellen, historischen und religiösen Reichtum der Region. Für die Menschen dort haben sie große spirituelle Bedeutung. Einige sind jetzt beschädigt oder zerstört.

Das Tal von Kathmandu lag der Legende nach einst unter einem See, in seiner Mitte soll es eine Insel gegeben haben, auf der eine blaue Lotusblume wuchs. Der Bodhisattva Manjushri, der Schutzgott der Gelehrten, habe mit seinem Schwert eine Schneise in die Berge geschlagen, das Wasser sei abgeflossen, fruchtbares Ackerland sei entstanden. Und schließlich seien die drei Königsstädte gewachsen: Patan, Bhaktapur und Kathmandu.

Um das dicht besiedelte Tal von Kathmandu am Fuße des Himalayas ranken zahllose solcher Mythen. Viele klingen bizarr, weltentrückt, andere sind poetisch und grausam zugleich; stets aber erzählen die Überlieferungen vom kulturellen, historischen und religiösen Reichtum der Region.

Sieben Weltkulturdenkmäler der Unesco befinden sich im Tal von Kathmandu, innerhalb eines Radius von nur 20 Kilometern, dazu Dutzende Tempel, Schreine und Paläste. Viele dieser Bauten hat das Jahrhundertbeben, das am Samstag nordwestlich von Kathmandu losbrach, nun beschädigt oder zerstört - eine kulturgeschichtliche Katastrophe.

Durbar-Platz in Kathmandu vor und nach dem Erdbeben Zur Großansicht
Fotos: Getty Images und DPA/ Montgage: SPON

Durbar-Platz in Kathmandu vor und nach dem Erdbeben

Der berühmte Durbar-Platz im Herzen Kathmandus, ein Unesco-Weltkulturerbe, liegt teils in Schutt und Asche. Viele der mehr als 50 Pagoden, Tempel und Paläste sind zerstört oder stark beschädigt.

Für die Stadt ist das gleichermaßen ein kultureller wie spiritueller Verlust. Wichtige Hindugötter haben auf dem Durbar-Platz ihren Tempel, Tausende Gläubige pilgern täglich hierher und legen ihre Opfergaben nieder.

Einige der kunstvollen Bauten sind viele Jahrhunderte alt und spiegeln laut Unesco uralte Traditionen des Vielvölkerstaates Nepal wider. Einmalig ist die Vermischung von Buddhismus und Hinduismus, die sich auch in der Architektur der Tempel findet. Viele dieser Kulturschätze sind nun bedroht.

Zerstörte Tempelanlage auf dem Durbar-Platz Zur Großansicht
Getty Images

Zerstörte Tempelanlage auf dem Durbar-Platz

Welche Gebäude noch stehen und welche eingestürzt sind, ist im Detail noch nicht bekannt. Beschädigt sein soll unter anderem der Hanuman-Dhoka-Palast, eine weitläufige Anlage, in der sich unter anderem ein Tempel für die Schutzgöttin der Monarchen befindet, die einst die Königreiche Patan, Bhaktapur und Kathmandu beherrschten.

Ein anderer Palast auf dem Durbar-Platz beherbergt die angeblich letzte lebende Inkarnation einer hinduistischen Gottheit: die sogenannte Kumari. Alle paar Jahre ernennen Hohepriester ein Mädchen im Kleinkindalter zur Kumari, dieses wird dann bis zur ersten Menstruation als lebende Göttin verehrt. In Kathmandu zeigt sich die Kumari gelegentlich Pilgern und Touristen von einem Balkon im Palast aus. Einheimische fragen sich nun, ob die Göttin das Erdbeben überlebt hat.

Dharahara-Turm vor und nach dem Erdbeben Zur Großansicht
Fotos: Corbis und DPA/ Montage: Spiegel Online

Dharahara-Turm vor und nach dem Erdbeben

Im Osten der Stadt ist der neunstöckige Dharahara-Turm eingestürzt. Von dem einst 62 Meter hohen Bauwerk mit seinen 213 Treppenstufen, in dessen Spitze sich eine Statue der Gottheit Shiva befand, ist nur noch ein Stumpf übrig. In den Trümmern wurden der Tageszeitung "Times of India" zufolge bis zu 50 Menschen verschüttet.

Die Anlage, die dem Unesco-Kulturerbe der Stadt Kathmandu zugeordnet wird, wurde nicht zum ersten Mal zerstört. Ursprünglich war sie schon 1834 errichtet worden, bereits bei einem Erdbeben im Jahr 1934 stürzte sie in sich zusammen. Zwei Jahre später wurde der Turm wieder aufgebaut.

Der Autor hat das Kathmandu-Tal im Oktober 2013 besucht.

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insgesamt 11 Beiträge
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    Seite 1    
1. ....
jasenoster 25.04.2015
Einfach nur traurig....
2.
oberjohannes@yahoo.de 25.04.2015
Wie so oft,es trifft immer die Armen
3. Positiv ist...
hooverphonic 25.04.2015
...es waren keine Kriege, die das verursacht haben, sondern Naturgewalten. Kriege lassen sich verhindern oder wenigstens eindämmen; Naturgewalten nicht - die Natur hat schon immer gemacht, was sie will.
4. Traurig
Ruhrgirl 25.04.2015
Als ich vor 10 Jahren dort war, stand dort ein Schild, dass die BRD geholfen hatte, den Tempel aufzubauen und Helmut Kohl zur Einweihung dort war. So etwas wird jetzt sicher auch wieder passieren. Meiner Meinung nach ist es jetzt erst einmal wichtig, den Menschen zu helfen.
5. Wieder aufbauen
frank2013 25.04.2015
Neben dem schrecklichen Verlust von Menschen sollte aber das Weltkulturerbe wieder aufgebaut werden, davon lebt Nepal. Die Welt sollte hier großzügig sein, damit alles schnellstens wieder aufgebaut wird.
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