Nach Erdbeben Nepal droht ein Kampf um Lebensmittel

Im Wettstreit um Nahrung und Wasser wächst die Aggressivität: In Nepal ist die Lage nach dem Erdbeben angespannt. Die Regierung muss mittlerweile an ausländische Helfer appellieren, nicht mehr ins Land zu reisen - der Flughafen ist überlastet.

AP

Wegen der schlechten Versorgungslage nach dem Erdbeben in Nepal drohen Verteilungskämpfe unter den Überlebenden. Es gebe bereits vereinzelte Streitereien um Trinkwasser, berichtete das Uno-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha). "Ungleiche Verteilung erhöht das Risiko von Auseinandersetzungen unter den Betroffenen."

Unicef spricht von einem drohenden Trinkwasser-Notstand. In Bhaktapur nahe der Hauptstadt Kathmandu hätten derzeit nur 20 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, berichtete das Uno-Kinderhilfswerk in Köln unter Berufung auf Erkundungsteams in schwer verwüsteten Orten. Außerdem würden dringend Latrinen benötigt. "Verschmutztes Trinkwasser und die teilweise katastrophalen hygienischen Bedingungen können schnell zur Ausbreitung von Krankheiten führen", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. "Vor allem für die jüngsten und durch Mangelernährung bereits geschwächten Kinder ist das lebensgefährlich."

Im Wettstreit um Nahrungsmittel wächst in Nepal auch die Kritik an der Regierung wegen der schlechten Versorgungslage. Regierungschef Sushil Koirala warb um Verständnis: Die Regierung werde aus ihren Fehlern lernen, sagte er. In Kathmandu protestierten Hunderte Menschen vor dem Parlament und forderten eine bessere Verteilung der Hilfsgüter und mehr Busverbindungen in entlegene Regionen.

Mann nach 82 Stunden gerettet

Unterdessen hoffen die Helfer weiter, einzelne Überlebende zu retten. Bergungskräfte ziehen jedoch vor allem Tote aus den Trümmern - inzwischen sind es allein in Nepal mehr als 5000. Helfer fürchten, dass die Zahl deutlich steigt, wenn weiter abgelegene Regionen erreicht werden. Den Rettern läuft die Zeit davon: Im Mai erreicht der Monsun Nepal, schon jetzt erschweren Regenfälle immer wieder die Arbeiten.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Wie die Zeitung "Nepali Times" berichtete, wurde ein Mann nach fast 82 Stunden unter Trümmern in Kathmandus Stadtteil Gongabu gerettet.

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Erdbeben in Nepal: Die Überlebenden von Paslang
Aus Deutschland trafen Hilfsgüter ein. "Der erste Transportflieger, finanziert aus dem Auswärtigen Amt, ist jetzt endlich nach vielen, vielen Problemen in Kathmandu gelandet, mit 60 Tonnen Hilfsgütern, darunter eine Wasseraufbereitungsanlage", sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Humanitäre Hilfe, Christoph Strässer (SPD), dem Fernsehsender Phoenix.

Mittlerweile sind Hilfsteams aus mehr als 15 Nationen in Nepal - koordiniert von den Vereinten Nationen und der nepalesischen Regierung. Am meisten würden derzeit Suchtrupps gebraucht, aber auch Zelte für Krankenhäuser, Leichensäcke und Generatoren, schreibt Ocha. Die Rettungsorganisation I.S.A.R. Germany etwa hat ein Team mit sieben Suchhunden in die Katastrophenregion geschickt.

Die nepalesische Regierung hat inzwischen darum gebeten, dass keine weiteren ausländischen Rettungs- und Hilfsteams mehr anreisen sollen. Uno-Einsatzkoordinator Jamie McGoldrick sagte, nach Ansicht der Regierung seien inzwischen genug ausländische Experten vor Ort. "Sie glauben, über genügend eigene Kapazitäten zu verfügen, um die dringenden Anforderungen bei der Suche und der Rettung von Opfern zu bewältigen", sagte McGoldrick. Wer auf dem Weg sei, dürfe kommen, die anderen sollten besser fernbleiben.

Der Flughafen von Kathmandu, der nur über eine Start- und Landebahn verfügt, kann die zahlreichen Hilfsflüge kaum bewältigen. Zudem sitzen viele der ausländischen Hilfsteams, die es bis Kathmandu schafften, nach Angaben von McGoldrick immer noch in der nepalesischen Hauptstadt fest, weil Straßen in abgelegenere Gebiete zerstört sind. Viele Dörfer sind von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten.

wit/dpa/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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humptata 29.04.2015
1. Liebe Journalisten, tut mir jetzt leid, aber:
Jeder Fernsehsender hat mindestens einen eigenen Korrespondenten vor Ort, dazu Kameramänner und was heutzutage sonst noch so dazugehört. Keine Ahnung, wie das bei den Zeitungen aussieht, ich fürchte aber, nicht viel besser. Dort sollte man ansetzen!
franz.schmied.902 29.04.2015
2. Lieber für Nepal spenden...
.. als den "listenreichen" Griechen immer mehr Geld in den unersättlichen Rachen werfen.
diefreiheitdermeinung 29.04.2015
3. Medienvertreter und unerwartete Helfer
treten sich wie inzwischen üblich gegenseitig auf die Füsse, sind nicht oder lassen sich nicht koordinieren (Begründung: "die lokale Regierung und Bevölkerung sind unfähig"), nehmen wichtige Resourcen (Fahrzeuge, Benzin, Hubschrauber, Wasser, Hotelzimmer, Essen in 1A Qualität bitte) in Beschlag und stellen dann zu Allem Ünerfluss fest, dass sie entweder garnicht gebraucht werden, dass ihre Ausrüstung in Indien liegen geblieben ist, dass die Nahrungsmittel am Flughafen verrotten weil der Weitertransport fehlt, dass die Gerätschaft die sie dabei haben Strom braucht den es nicht gibt. Und Koordination durch eine UN Organisation ? Gottseibeiuns. Ja hätte man doch nur daran gedacht, dass man Generatoren, den Diesel dazu, ein paar Pumpen, mehr als nur ein Dutzend Hubschrauber, Hunderttausende Zelte etc. braucht. Man wird diese Dinge und die Helfer dazu wahrscheinlich mit Fallschirmen abwerfen müssen um den Ortschaften ausserhalb der Hauptstadt zu helfen. Und wer kann das: wahrscheinlich nur das Militär der umliegenden Länder China, Indien, Pakistan. Die deutsche Luftwaffe ganz bestimmt nicht.
patras 29.04.2015
4.
Zitat von diefreiheitdermeinungtreten sich wie inzwischen üblich gegenseitig auf die Füsse, sind nicht oder lassen sich nicht koordinieren (Begründung: "die lokale Regierung und Bevölkerung sind unfähig"), nehmen wichtige Resourcen (Fahrzeuge, Benzin, Hubschrauber, Wasser, Hotelzimmer, Essen in 1A Qualität bitte) in Beschlag und stellen dann zu Allem Ünerfluss fest, dass sie entweder garnicht gebraucht werden, dass ihre Ausrüstung in Indien liegen geblieben ist, dass die Nahrungsmittel am Flughafen verrotten weil der Weitertransport fehlt, dass die Gerätschaft die sie dabei haben Strom braucht den es nicht gibt. Und Koordination durch eine UN Organisation ? Gottseibeiuns. Ja hätte man doch nur daran gedacht, dass man Generatoren, den Diesel dazu, ein paar Pumpen, mehr als nur ein Dutzend Hubschrauber, Hunderttausende Zelte etc. braucht. Man wird diese Dinge und die Helfer dazu wahrscheinlich mit Fallschirmen abwerfen müssen um den Ortschaften ausserhalb der Hauptstadt zu helfen. Und wer kann das: wahrscheinlich nur das Militär der umliegenden Länder China, Indien, Pakistan. Die deutsche Luftwaffe ganz bestimmt nicht.
Ich kann Ihnen da aus vollem Herzen zustimmen. Die Berichterstattung von den Reportern vor Ort lässt einen den Kopf schütteln. Ich denke, hier ist das Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen zu spüren, Improvisation kann hier manchmal effektiver sein, als ein von außen angelegter Plan, der aber nichts, aber auch gar nichts mit den wirklichen Verhältnissen dort zu tun hat. Und das Ausmaß der Katastrophe wird nicht berücksichtigt. ca ein Viertel der Bevölkerung ist innerhalb weniger Sekunden obdachlos geworden mit allen Konsequenzen. Das wären auf Deutschland gerechnet ca 20 Millionen. Bei einer solchen Dimension wäre man auch in Europa wohl mit der Koordination überfordert, obwohl es hier eine funktionierende Infrastruktur gibt und das Land von seinen geographischen Bedingungen sicher nicht mit Nepal zu vergleichen ist. Ich durfte dieses Land mehrmals bereisen, die Stromversorgung, der Flughafen, das Straßennetz, all das war schon vor dem Beben in einem nicht mit europäischen Standards zu vergleichenden Zustand. Und dann kommen aus allen Ländern mit allem guten Willen Helfer angeflogen und können nicht weiter. Die meisten Dörfer sind nur zu Fuß zu erreichen, es gab und gibt dahin keine Straßen. Und Strom, den gab es vorher schon nur stundenweise. Die Medienvertreter sollten einmal die europäische Brille abnehmen und vielleicht endlich mal anpacken, Das Elend liegt vor ihnen, nicht reden, einfach da tun, wo man die Notwendigkeit sieht.
andreasreiter 29.04.2015
5. Suchteams machen immer weniger Sinn
Viele der ausländischen Rettungtems kommen mit ihren Suchhunden um Verschüttete zu finden. Deren Überlebenchance ist aber nach 5 Tagen dramatisch gefallen udn führt höchstens noch zu vereinzelten "Wundern". Von daher macht es jetzt mehr Sinn alle Energie auf die Bergung der tausenden Verletzten zu lenken, die gerade in den vielen zerstörten Dörfen hilflos ausharren. 'Undn die unverletzten Überlebenden brauchen dort Essen und Zelte. Dies wird schon jetzt schwerpunktmäßig, koordiniert und sehr effizient mit Helikoptern der nepalischen und indischen Armee sowie von privaten Firmen durchgeführt. Die nepalische Regierung hat deswegen recht, nicht noch zusätzliche Hilfeteams in Land zu holen, die ja alle betreut werden müssen, was wiederum Ressourcen bindet.
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