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Nach Erdbeben in Nepal: 130.000 Häuser zerstört - kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Mehr als 6200 Tote, 2,8 Millionen Obdachlose: Sechs Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal schwinden die Hoffnungen, weitere Überlebende zu finden. Jetzt beginnen offenbar Verteilungskämpfe um die wenigen Hilfsgüter.

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal ist die Zahl der Toten auf mehr als 6200 angestiegen. Allein in Nepal seien bislang 6204 Opfer gezählt worden, teilte das Büro für UN-Katastrophenhilfe (Ocha) in der Nacht zu Freitag mit. Mehr als hundert weitere Menschen starben im benachbarten Indien und China. Die Zahl der Verletzten in Nepal lag demnach bei knapp 14.000 Menschen.

Am Donnerstag waren ein 15-Jähriger und eine Frau lebend aus dem Schutt geborgen worden. Sechs Tage nach dem verheerenden Beben schwinden jetzt aber die Hoffnungen, weitere Überlebende aus den Trümmern zu retten. Die Such- und Rettungsaktionen gingen langsam zu Ende, so der Katastrophenschutz. Nun sei die Herausforderung, Verletzte zu versorgen, Tote zu bestatten, Vermisste zu identifizieren und Familien wieder zusammenzuführen.

Doch das Land ist mit den Folgen der Katastrophe überfordert, zu groß ist das Ausmaß der Zerstörung: Das Beben vor sechs Tagen hat 2,8 Millionen Menschen obdachlos gemacht, insgesamt wurden 130.000 Häuser vernichtet, mehr als drei Millionen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Wie Kriminelle Profit aus der Krise schlagen

Viele Überlebende in abgelegenen Orten müssen verzweifelt auf Unterstützung warten. Mancherorts sollen Verteilungskämpfe um die wenigen Hilfsgüter ausgebrochen sein. UN-Helfer konnten diese Berichte aber nicht verifizieren. "Die Unerreichbarkeit mancher Gebiete, das Fehlen von Hubschraubern zum Transport von Lebensmitteln, schlechte Kommunikation und Sicherheitsbedenken sind für die, die dringend Hilfe brauchen, die größten Herausforderungen", teilte das UN-Büro mit.

Mit Menschen, die von der Krise profitieren, wollen die Behörden kurzen Prozess machen: Wer die Preise der Grundnahrungsmittel erhöht, müsse mit einer Strafe von 2000 US-Dollar und zehn Jahren Gefängnis rechnen, warnte die Regierung nach Angaben von Ocha.

Auch hinter immer wieder auftauchenden Gerüchten bevorstehender neuer Beben stecken nach Einschätzung der Behörden kriminelle Elemente. Erst am Donnerstagabend stürzten in Kathmandu wieder viele Einwohner auf die Straßen. "Solche Gerüchte werden meist von Kleinkriminellen in Umlauf gebracht, die dann in die Häuser einbrechen, die die Leute verlassen haben", sagte Polizeisprecher Prajwal Maharjan. Vier Menschen wurden nach Polizeiangaben wegen solcher Einbrüche festgenommen.

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SPIEGEL ONLINE

hei/dpa/AFP

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1. Jeder liebt Nepal
rantzau 01.05.2015
ich auch. Aber es ist schon erstaunlich, was da an Solidarität passiert, wenn in Haiti so viel mehr starben. Nepal ist einem sympathischer? Soviele junge Leute fahren als Backpacker nach Nepal? Klar, mir gefallen die Leute da auch besser (Hindus, Buddhisten, eher ruhige Naturen), aber irgendwie ist es befremdlich.
2. Immer der gleiche Ablauf bei einer Naturkatastrophe
Beat Adler 01.05.2015
Immer der gleiche Ablauf bei einer Naturkatastrophe: - es braucht moeglichst sofortige medizinische Nothilfe - innert der ersten 12 Stunden sauberes Trinkwasser - innert der ersten 48 Stunden Nahrungsmittel Je nach Situation muss die medizinische Hilfe, das Versorgen mit sauberem Trinkwasser und die Versorgung mit Nahrungsmitteln, mindestens wochen-, machmal monatelang aufrecht erhalten werden. Wir, die Welt, fast alle Staaten dieser Welt, sind auf den naechsten Krieg vorbereitet und geben Riesensummen fuer die Verteidigung aus. Wo sind die Anstrengungen fuer einen weltweiten Bevoelkerungsschutz? Der gehoert auch zur Verteidigung. Warum gibt es keinen Ansatz die Nothilfe zu strukturieren, genau so wie es die Kampfeinheiten der vielen Armeen sind? Jede Region dieser Welt, wo Naturkatastrophen, Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstuerme, Vulkane, Ueberschwemmungen, etc. wahrscheinlich sind, ist bekannt. Wenn auf jeder Luftwaffenbase in der Naehe dieser Regionen nicht nur Kampfflugzeuge mit Munition eingelagert sind, sondern auch Transportmittel, Grossraumflugzeuge, Helikopter, etc. Trinkwasseraufbereitungsanlagen, transportable Notspitaeler, konzentrierte, haltbare Nahrungsmittel zusammen mit den entsprechend ausgebildeten Mannschaften, kann nach Eintreten der Naturkatastrophe innert Stunden mit dem richtigen Material geholfen werden. Die Hilfe kann aufrechterhalten werden. Mit weniger wie 5% der weltweiten Ruestungsausgaben liesse sich das verwirklichen. mfG Beat
3. Verteilungskämpfe?
stefan.silly 01.05.2015
Die sind doch schon lange gewonnen. Eindeutig zugunsten der Luxustouristen am Mount Everest, die dort ohne Not in größter Dummheit ihr Leben riskieren. Die wirklichen Opfer in der Bevölkerung schauen da in die Röhre. Sehr traurig.
4. Für Nepal ...
retterdernation 01.05.2015
ist diese Katastrophe auch ein Segen. Hunderttausende von Massentouristen müssen sich jetzt ein anderes Ziel suchen. Der Kulturschock den diese Kolonisatoren innerhalb weniger Jahre dort anrichteten ist erstmal gestoppt.
5. Preisfrage
opa klaus 01.05.2015
Wenn das bei uns passieren würde, wären die Verteilungskämpfe viel größer, denn Egoist sein ist in! Der Flughafen von Nepal ist normalerweise groß genug, also bitte keine Vorwürfe deshalb!
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Skala der Erschütterungsstärken von Erdbeben
Unterschied zur Richterskala
Die Skala der Erschütterungsstärken beziehen sich NICHT auf die RICHTERSKALA, SONDERN auf die zwölfstufige INTENSITÄTEN-SKALA. Die Richterskala ist ein Maß für die bei Erdbeben freigesetzte Energie. Die Intensitäten-Skala hingegen beschreibt die Einwirkung der seismischen Wellen auf Gegenstände - die Werte werden kleiner mit der Entfernung zum Bebenherd. Intensität 9 entspricht ungefähr einem Beben der Stärke 6,5 auf der Richterskala, das in der Nähe stattfindet. Das Japan-Beben hatte die Stärke 9, was Erschütterungen der Stärke 12 zufolge hatte.
I - Nicht gespürt
Keinerlei Wahrnehmungen durch Menschen.
II - Sehr selten gespürt
Nur von sehr wenigen Personen (< ein Prozent) in Ruhe und in sehr empfindlicher Position innerhalb von Gebäuden wahrgenommen.
III - Schwach
Von wenigen Personen in Gebäuden wahrgenommen als leichtes Schwingen oder Vibrieren.
IV - Weitgehend beobachtet
In Gebäuden von vielen, im Freien aber nur von sehr wenigen Personen wahrgenommen; einige wachen auf; leichtes Schwingen oder Vibrieren von Gebäuden, Möbel, etc., Rütteln von Fenstern und Türen, Knarren von Balken; hängende Objekte schwingen.
V - Stark
In Gebäuden von den meisten und im Freien von einigen wahrgenommen; einige rennen erschrocken ins Freie, viele Schlafende erwachen; starke Erschütterungen des ganzen Gebäudes, Raums und von Möbeln; hängende Objekte schwingen erheblich, labil aufgestellte können sich verschieben oder fallen um; Flüssigkeiten schwingen und können überschwappen, Türen und Fenster können auf- und zuschlagen; wenige Gebäude schlechter Bausubstanz können leichte Schäden aufweisen.
VI - Geringe Schäden
Viele Leute rennen verängstigt ins Freie. Einige Objekte fallen um, Möbel können rutschen. Viele Häuser erleiden geringe Schäden wie Haarrisse oder Abfallen kleiner Putzflächen.
VII - Schäden
Die meisten Leute rennen verängstigt ins Freie. Möbel können verrückt und viele Gegenstände aus Regalen geworfen werden. Viele gut gebaute gewöhnliche Bauten erleiden mäßige Schäden wie kleine Risse in Wänden, Abfallen von Putz, Abbrechen von Schornsteinteilen. Bei älteren Gebäuden können größere Risse in Wänden auftreten; nichttragende Wände können einstürzen.
VIII - Starke Schäden
Viele Leute haben Schwierigkeiten stehenzubleiben. Viele Häuser weisen große Risse in den Wänden auf. Einige gut gebaute, normale Bauten zeigen ernsthafte Versagensschäden von Wänden. Schwache ältere Gebäude können einstürzen.
IX - Zerstörend
Allgemeine Panik. Viele schwache Konstruktionen stürzen ein. Sogar gut gebaute, normale Bauten zeigen sehr schwere Schäden, z.B. schwerwiegendes Versagen von Wänden und teilweise auch strukturelles Versagen.
X - Stark zerstörend
Viele normale Bauwerke stürzen ein.
XI - Verwüstend
Die meisten gut gebauten, normalen Bauwerke stürzen ein, sogar einige mit guter, erdbebensicherer Bauweise werden zerstört.
XII - Totale Zerstörung
Alle Gebäude schlechter bis mittelguter Bausubstanz und die meisten mit guter Bausubstanz (holz-, stahl- oder stahlbetonverstärkt) werden zerstört. Maximale Schäden und Landschaftsveränderungen.


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