Neue Anschuldigungen Bischof Mixa weist Finanz-Vorwürfe zurück

Hat der Augsburger Bischof Mixa Gelder einer Waisenhausstiftung nicht zweckmäßig verwendet? Anschuldigungen in diese Richtung wies das Bistum nun zurück - und räumte gleichzeitig "finanztechnisch unklare Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen" ein.

Bischof Mixa: "Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester"
ddp

Bischof Mixa: "Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester"


Augsburg - Erst wehrte sich der Augsburger Bischof Mixa gegen Anschuldigungen, vor Jahrzehnten eine Frau mit einem Stock geschlagen zu haben. Nun wies Mixa Vorwürfe zurück, Gelder der Waisenhausstiftung Schrobenhausen wiederholt nicht zweckmäßig verwendet zu haben. Das Bistum räumte in einer Erklärung am Montag zwar ein, dass es mehrfach zu "finanztechnisch unklaren Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen" gekommen sei. Es sei dabei aber nicht um private Anschaffungen des damaligen Pfarrers Mixa gegangen, sondern um antiquarische Möbel und Ausstattungsgegenstände für die Kirche und den historischen Pfarrhof.

Mixa steht in erster Linie wegen Misshandlungsvorwürfen ehemaliger Schrobenhausener Heimkinder unter Druck. Zur Aufklärung der Vorwürfe hat die Waisenhausstiftung den Rechtsanwalt Sebastian Knott als Sonderermittler eingesetzt. Knott ermittelt nach eigenen Angaben unabhängig von den Vorwürfen körperlicher Gewalt auch zu möglichen finanziellen Unregelmäßigkeiten in den achtziger und neunziger Jahren, bei denen es um die satzungsgemäße Verwendung von Geld gehe.

Die "Augsburger Allgemeine" hatte in diesem Zusammenhang berichtet, als Stadtpfarrer und Kuratoriumsvorsitzender (1975-1996) habe Mixa Antiquitäten im Wert von 70.000 Mark nicht satzungsgemäß angeschafft. Manche der Gegenstände hätten ihren Platz im Pfarrhaus gehabt.

"Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester"

In der Erklärung des Bistums Augsburg hieß es dazu am Montag, als Mixa 1996 Bischof von Eichstätt wurde, habe er einige der Gegenstände auf Wunsch der Stiftung persönlich übernommen und vollständig bezahlt. Die "unrichtigen Zuordnungen" seien bereinigt worden.

"Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester. Dabei kann es schon sein, dass ich mich nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert habe", sagte Mixa den Angaben zufolge. "Das habe ich immer anderen überlassen, die mehr davon verstanden. Das war wahrscheinlich ein Fehler, den ich einräume und im Nachhinein auch bedauere." Mixa betonte, bei den Möbeln, Ausstattungsgegenständen und liturgischen Gegenständen habe es sich nicht um private Dinge gehandelt, sondern um Dinge, die in der Pfarrei eingesetzt wurden.

Im Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Misshandlungsvorwürfen hatte Mixa ehemaligen Heimkindern zuletzt wiederholt das persönliche Gespräch angeboten. Die Vorwürfe hat er stets energisch bestritten. Mehrere frühere Heimkinder hatten ihm in eidesstattlichen Erklärungen vorgeworfen, er habe als Stadtpfarrer einst Heimkinder geprügelt.

jjc/dpa

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Güllu, 01.04.2010
1.
Entschuldigen und was dann? Ratzinger wußte als Präfekt der Glaubenskommission über alle Fälle, die ihm gemeldet werden mussten, bestens Bescheid. Und es passierte nichts. Nicht umsonst droht ihm eine Klage in den USA. Das könnte zur Folge haben, dass er die USA nicht mehr betreten kann. Es könnte eine Festnahme drohen.
Markus Heid, 01.04.2010
2.
Zitat von GülluEntschuldigen und was dann? Ratzinger wußte als Präfekt der Glaubenskommission über alle Fälle, die ihm gemeldet werden mussten, bestens Bescheid. Und es passierte nichts. Nicht umsonst droht ihm eine Klage in den USA. Das könnte zur Folge haben, dass er die USA nicht mehr betreten kann. Es könnte eine Festnahme drohen.
Jupp, und die Anwälte des Vatikans haben sich schon eine Verteidigungsstrategie zurechtgelegt: Der Papst genießt als Staatsoberhaupt (eines diktatorischen Theokratie) natürlich Immunität. Und US-Bischöfe sind in Wahrheit keine Angestellte der katholischen Kirche. Was mich aber mehr verwundert, ist, dass der Papst überhaupt Anwälte notwendig hat. Der hat doch angeblich so einen guten Draht nach oben und Anwälte werden doch generell eher mit dem Ewigen Widersacher in Verbindung gebracht.
kyon 01.04.2010
3. Nanoeffekt
Zitat von sysopIm Zuge der Missbrauchs-Debatte gerät auch Papst Benedikt XVI. verstärkt in die Kritik. Sein Umgang mit den Vorwürfen ist dabei heftig umstritten. Sollte der Papst nach den schweren Vorwürfen zurücktreten oder sich zumindest öffentlich entschuldigen?
Zu abgehoben, zu entrueckt! Sich fuer unfehlbar haltende Leute halten Vorwuerfe aus der normal-menschlichen Zeit wahrscheinlich fuer eine Zumutung,die an ihnen abperlen wie bei einem Nanoeffekt! Also keine Chance!
Fassungsloser 01.04.2010
4. Jaja
Der Papst sollte barfuß nach Hamburg reisen und sich dort in den Staub werfen... Nächste Frage: Sollten Journalisten lernen, zwischen Religion und Politik unterscheiden zu lernen?
Klo, 01.04.2010
5. Unahltbar
Zitat von sysopIm Zuge der Missbrauchs-Debatte gerät auch Papst Benedikt XVI. verstärkt in die Kritik. Sein Umgang mit den Vorwürfen ist dabei heftig umstritten. Sollte der Papst nach den schweren Vorwürfen zurücktreten oder sich zumindest öffentlich entschuldigen?
Wenn er noch einen Funken Ehre besitzt, dann entschuldigt er sich für alle Taten im Namen der Kirche und tritt dann von seinem Amt zurück, um sich in eine Einsiedelei in den Abruzzen zurückzuziehen. Alles andere ist nicht zielführend. Als Papst ist er nicht mehr haltbar.
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