Neujahrsansprache Papst fordert globale Solidarität in der Finanzkrise

Benedikt XVI. zeigte sich in seiner Neujahrsansprache besorgt um die Zukunft der Globalisierung: Angesichts der Wirtschaftskrise sei Hilfe für Arme das Wichtigste. Der Papst betete außerdem für ein Ende der Gewalt in Nahost.


Rom - Angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hat Papst Benedikt XVI. die Katholiken in aller Welt zu Zuversicht und mehr Solidarität aufgerufen. Die Ursachen der Krise müssten bekämpft, die Armen in der Welt an erste Stelle gesetzt werden, sagte der Papst bei seiner Neujahrsmesse vor tausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom. Mit Blick auf den Nahen Osten rief er zu einem Ende der Gewalt auf.

Benedikt XVI. spricht zu den Gläubigen auf dem Petersplatz: "Die Krise erfordert ein Eingreifen an der Wurzel"
AP

Benedikt XVI. spricht zu den Gläubigen auf dem Petersplatz: "Die Krise erfordert ein Eingreifen an der Wurzel"

"Zu Jahresbeginn ist es mein erstes Anliegen, die Regierenden ebenso wie die einfachen Bürger dazu aufzufordern, sich angesichts der Schwierigkeiten und Niederlagen nicht entmutigen zu lassen, sondern ihre Bemühungen zu erneuern", sagte Benedikt XVI. am Donnerstag mit Blick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise während seines ersten Angelus-Gebets im Jahr 2009. Die in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 aufgetretene "Wirtschaftskrise großen Ausmaßes" müsse nun genau untersucht werden, um dann ihre Ursachen zu bekämpfen. "Die Krise sollte als ernsthaftes Symptom angesehen werden, das ein Eingreifen an der Wurzel erfordert." Sie müsse als Test für die Zukunft der Globalisierung betrachtet werden.

Die Armen im Vordergrund

"Die Armen in den Vordergrund zu stellen bedeutet, entschieden eine weltweite Solidarität umzusetzen, in dem die Fähigkeiten des Marktes mit denen der Zivilgesellschaft harmonisiert werden", forderte der Papst am Weltfriedenstag der Katholiken. Zu dem Gebet hatten sich auf dem Petersplatz bei Regen Tausende Gläubige versammelt.

Auch bei der Jahresend-Messe im Petersdom am Mittwochabend hatte der Papst die Finanz- und Wirtschaftskrise thematisiert. Die Krise verlange nach stärkerer Mäßigung, sagte das 81-jährige Oberhaupt der Katholiken. Die gegenwärtige Zeit werde von Unsicherheit und Sorge um die Zukunft geprägt, sagte Benedikt. Dies sei aber kein Grund, ängstlich zu sein. Zudem rief er zu Solidarität auf, um den Menschen und Familien zu helfen, die in ernste Schwierigkeiten geraten seien. Im Anschluss an die Predigt erklang der traditionelle "Te Deum"-Gesang zum Dank und Lob des vergangenen Jahres.

In der Neujahrsmesse am Donnerstag äußerte Benedikt XVI. sich auch besorgt über die Kämpfe im Gazastreifen. Er hoffe insbesondere für den Nahen Osten, dass nicht "Gewalt, Hass und Mißtrauen" das Jahr 2009 bestimmen würden, sagte er. Die große Mehrheit der Israelis und Palästinenser wolle in Frieden leben. Er bete daher für "die Gabe des Friedens für das Heilige Land und die gesamte Menschheit".

Huber: "Nicht einschüchtern lassen"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, ermutigte die Christen zu gesellschaftlichem und politischem Engagement. "Wir sind Hoffnungsträger für eine gottoffene und menschenfreundliche Gesellschaft", sagte der Erzbischof am Mittwoch in seiner Silvesterpredigt im Freiburger Münster. Zollitsch zeigte sich angesichts der düsteren Wirtschaftsprognosen besorgt. "Ich hoffe, dass das entschlossene Handeln der Politik das Ausmaß des Schadens in Grenzen hält", sagte er. Vor allem müssten die Menschen auch untereinander solidarisch sein.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AP kritisierte er überzogene Renditeerwartungen der Finanzbranche: "Man kann fast von einer allgemeinen Stimmung sprechen, schnell das große Geld machen zu wollen."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Bischof Wolfgang Huber mahnte im AP-Interview mehr Verantwortungsbewusstsein in der Finanzwelt an. Es werde neben einer besseren Regulierung der Finanzmärkte künftig auch auf den Umgang der Verantwortlichen mit der ihnen anvertrauten Macht ankommen. Der höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche ermutigte die Menschen, sich "nicht von Schwarzmalerei und Schreckensszenarien einschüchtern zu lassen".

cpa/dpa/AFP/AP



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