Neuseeland Fallschirmspringer überlebt freien Fall aus 3600 Metern Höhe

Der Fallschirm klemmte, auch der Ersatzschirm ließ sich nicht öffnen - und das bei einem Sprung aus mehr als drei Kilometern Höhe: Skydiver Michael Holmes landete schließlich kaum verletzt in einem Busch. Seine Helmkamera hat den Sturz aufgenommen, den Film hat der Brite zu Geld gemacht.


Wellington - Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 193 Kilometern pro Stunde stürzte der britische Fallschirmspringer Michael Holmes aus 3600 Meter Höhe zur Erde. Schließlich landete er mit Tempo 130 in einem Brombeerstrauch nahe des neuseeländischen Sees von Taupo - und überlebte.

Er habe sich bei diesem Sprung Mitte Dezember nur einen Knöchel gebrochen und die Lunge verletzt, berichtete der wagemutige 25-jährige Fallschirmspringer. Elf Tage hätte er im Krankenhaus verbracht. Das unglaubliche Ereignis wurde erst jetzt bekannt, weil Holmes bislang nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist. Gestern Abend zeigte das neuseeländische Fernsehen Aufnahmen des Sturzes.

Mit seiner Helmkamera hatte Holmes seinen Fallschirmsprung aus einem Flugzeug selbst gefilmt: Die Aufnahmen zeigen, wie sich der Brite im Sturzflug um die eigene Achse dreht und verzweifelt versucht, den verhedderten Schirm zu öffnen. Kurz vor dem Aufprall auf die Erde habe er noch nach ergreifenden Worten für sein Mikrofon gesucht, doch dann sei ihm nur ein "Oh Sch..., ich bin tot - Bye!" herausgerutscht.

"Ich sollte eigentlich tot sein"

Ein Freund, der aus derselben Maschine abgesprungen war, nahm die atemberaubenden Sekunden ebenfalls auf. Als Jonathan King sicher auf dem Boden gelandet war, habe er sofort nach seinem Kumpel gesucht. "Ich habe erwartet, dass er tot ist oder zumindest fast", sagte King. "Ihn lebend zu finden war großartig."

"Ich sollte eigentlich tot sein, ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben", sagte Holmes gestern in einem Fernsehinterview. Er habe immer wieder auf den Höhenmesser gesehen und berechnet, wie viel Zeit noch bis zum Aufprall bliebe. "Egal, wo ich landen würde - in dem See oder auf dem Erdboden -, ich dachte, ich würde dabei sterben", so Holmes.

Er und sein Freund King konnten über den beinahe tödlichen Sprung aber schon wieder scherzen: Holmes sei glücklich gewesen, bei seiner unsanften Landung einen Baumstamm um ein paar Meter verfehlt zu haben. "Das ist kein schöner Platz", begründete King.

20.000 Dollar für die Aufnahmen der Helmkamera

Trotz des Unglücks scheint Fallschirmspringer Holmes seine Passion nicht an den Nagel hängen zu wollen. Mit seinen 25 Jahren hat er eigenen Angaben zufolge bereits mehr als 7000 Sprünge hinter sich und an Wettkämpfen teilgenommen - schon in zwei Monaten will der Skydiver-Veteran wieder springen.

Das alles klingt fast zu schön, um wahr zu sein - und ein wenig dubios. Medien fragten bei Holmes an, alle wollten das Bildmaterial, die Geschichte. Doch der Brite engagierte einen PR-Experten; dem Fernsehsender TV3 wurde die Story für 25.000 Dollar angeboten. Das sei sie aber nicht wert gewesen, sagte TV3-Nachrichtenchef Mark Jennings. Immerhin 20.000 Dollar soll Holmes vom Rundfunksender TVNZ für ein Interview in der Sendung "Close Up" bekommen haben. Produktionsleiter Paul Patrick dementierte das: Holmes sei nicht für das Interview bezahlt worden, sondern TVNZ habe ihm das "atemberaubende" Filmmaterial abgekauft. Den Preis wollte Patrick allerdings nicht verraten.

fba/dpa



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