New York Fashion Week: Farbenfreude auf dem Catwalk

Von Wlada Kolosowa, New York

New York: Backstage auf der Fashion Week Fotos
Anna Schori

Es wird bunt auf dem Catwalk: Vor fünf Jahren war noch jede dritte Show auf der New York Fashion Week ausschließlich mit weißen Models besetzt. Doch das ändert sich. Vor allem asiatische Models werden immer häufiger gebucht - denn Mode boomt in China.

Xiao Wen Ju klatscht. Der Make-up-Artist, der ihren Lidstrich aufträgt, hat ihr gerade auf Chinesisch zum Neujahr gratuliert - und jedes Wort richtig ausgesprochen. Die beiden haben sich bei einem Shooting kennengelernt und treffen sich oft auch ohne Schminkutensilien, zum Chinesischunterricht. Während der Fashion Week in New York müssen sie sich kaum verabreden. Man sieht sich oft genug - wie gerade hinter den Kulissen der Show von Diesel Black Gold. Und außerdem ist der Terminplan von Xiao Wen Ju randvoll: Zwei, drei Shows läuft sie täglich, unter anderem für Modeschwergewichte wie Oscar de la Renta und Philip Lim.

Vor wenigen Jahren hätte sie möglicherweise weniger zu tun gehabt. "Jezebel", ein Onlinemagazin für Frauen, das selten ein Blatt vor den Mund nimmt, stellt seit 2008 den Runway Diversity Report" vor: Einen Bericht darüber, wie viele Outfits bei der New York Fashion Week von Models vorgestellt wurden, deren Hautfarbe nicht weiß ist. Im ersten Jahr waren es nur 13 Prozent. Und laut der Modefachpublikation "Women's Wear Daily" war 2007 jede dritte Show in New York ausschließlich weiß besetzt.

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New York Fashion Week: Das Beste der Schauen
Seitdem hat sich einiges getan: Laut "Jezebel" hatte die letze Fashion Week im Juli 2012 die größte Vielfalt auf den Laufstegen. Über 20 Prozent der Outfits wurden von nichtweißen Models vorgestellt, davon acht Prozent von schwarzen Models und acht Prozent von Models mit asiatischen Wurzeln.

Asiatische Models auf dem Vormarsch

"Menschen sind auf unterschiedliche Weise schön, und Designer erkennen das langsam", sagt Xiao Wen Ju. "Natürlich auch, weil China gerade viel Geld für Mode ausgibt." Xiao Wen Ju schmückte schon das Cover der chinesischen "Vogue" und wurde als erstes asiatisches Model zum Gesicht einer Kampagne von Marc Jacobs. Entdeckt wurde sie in ihrer Heimatstadt Xi'an, als New York noch eine ferne Traumstadt aus ihrem Lieblingsfilm "Frühstück bei Tiffany" schien.

Xiao Wen Ju wurde Dritte bei einem Modelwettbewerb und zog nach Peking. Dann entdeckte der Branchenriese IMG ihr Foto im Internet und nahm sie unter Vertrag. Das war 2010 - das Jahr, das Jose Covarrubias von der New Yorker Agentur Wilhelmina Models als den Anfangspunkt der "asiatischen Explosion" bezeichnet.

"Inzwischen hat sich der Boom wieder gelegt", sagt Covarrubias. Asiatische Models seien kein Trend mehr, sondern Normalität. "Der asiatische Markt wird immer wichtiger - und die Modebranche hat das erkannt." Auch auf dem Markt für schwarze Models bewege sich viel, sagt Covarrubias, wenn auch langsamer. "Vor zehn Jahren gab es meistens nur ein schwarzes Model pro Show. Jetzt sind es oft zwei oder drei."

Wenn die Laufstege bloß so vielfältig wären wie die U-Bahn in New York

Elishia Atkins ist das zu wenig. Sie bekommt gerade noch einen letzten Puderstrich verpasst, bevor es auf den Laufsteg geht. Sie habe manchmal das Gefühl, sie würde allein für die Quote gebucht. "Als hätte sich jemand überlegt: Oh, da fehlt noch ein schwarzes Mädchen." Sie würde sich freuen, wenn New Yorker Laufstege so vielfältig aussehen würden wie die U-Bahn der Stadt. Auch über amerikanische Shows wie "Project Runway" ärgert sie sich oft - sie kann sich mit den Teilnehmern kaum identifizieren. "Jeder sollte eine Chance bekommen, wenn er das Potential hat."

Zumindest sind die Zeiten vorbei, in denen schwarze Models noch ihr eigenes Make-up mitbringen mussten - oder gar zwei unterschiedliche Produkte zusammen mischten, weil es nichts passendes für ihren Hautton gab. "Wir müssen inzwischen für alles gerüstet sein", sagt Hannah Muray, die seit zehn Jahren als Make-up-Artist arbeitet. "Ethnische Models werden für alle Jobs gebucht und nicht nur für exotische Looks. Die Modebranche hat erkannt, dass wir alle unterschiedlich aussehen. Wir leben in einer immer kleineren Welt."

Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Auf der Seite models.com führt zwar das puerto-ricanische Model Joan Smalls das Model-Ranking an. Außer ihr ist in den Top 50 das chinesische Model Liu Wen. Auch Modelagenten und Casting-Direktoren sprechen davon, dass immer mehr Vielfalt in die Modelwelt kommt. Sobald man aber verspricht, ihre Namen nicht zu nennen, erzählen sie auch, dass die lukrative Katalogarbeit in Europa und Amerika immer noch an weiße Models vergeben wird. Einige wenige einzigartige Gesichter gelangen ins Scheinwerferlicht der Modemedien. Für die mittleren Preissegmente werden immer noch die "klassischen" Mädchen gebucht: dünn, groß, weiß.

"Ich bin kein asiatisches Model. Ich bin ein Model."

Soo Joo hat es geschafft, mit ihrer Einzigartigkeit erfolgreich zu sein. Ihre Familie zog von Korea in die USA, als sie zehn war. Über eine Modelkarriere hat sie sich nie Gedanken gemacht: "Als ich zehn war, waren die Modemagazine voller slawischer Models. Es gab kaum jemanden, der aussah wie ich."

Sie kam nicht auf die Idee, dass der Catwalk für sie als Berufsweg in Frage kommt und studierte Architektur in Berkeley. Vor drei Jahren wurde sie in einem Vintage-Laden in San Francisco entdeckt. Der richtige Schub kam aber erst, als sie ihre Haare in ein helles Blond bleichte. "Ich wollte nicht eine der asiatischen Mädchen sein, die dafür gebucht werden, dass sie asiatisch aussehen. Ich wollte hervorstechen."

Die Typveränderung brachte ihr unter anderem Catwalk-Jobs bei Vivienne Westwood und den Haute-Couture-Schauen von Chanel. "Ich freue mich, dass viele meiner asiatischen Kollegen erfolgreich sind", sagt sie. "Aber es würde mich viel mehr freuen, wenn man uns nicht wegen unserer Ethnizität bucht, sondern wegen unserer Persönlichkeit. Ich bin kein asiatisches Model. Ich bin ein Model. Ich bin ich."

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
sunsunsun 13.02.2013
Seriously, was für eine veraltete und unpassende Ausdrucksweise. "Es wird bunt auf dem Catwalk" - das war's schon vorher. Müssen Sie das Thema "endlich werden diversere Models gebucht" so dämlich verarbeiten?? Das ist 'ne Überschrift, die hätte sich nicht mal mehr unser Provinzblatt erlauben dürfen. Ehrlich. 2013!
2. wiedermal typisch SPON
viola.t 13.02.2013
SPON tut so, als wäre das etwas neues. Dabei laufen bei der Fashion Week in Berlin schon länger Models aus allen möglichen Ländern (z.B. bei Michalsky). Aber die Berliner Fashion Week findet ja bei SPON keine Beachtung. Die Vorgänge im eigenen Land sind ja nicht berichtenswert.
3. Das Ende der weißen Frau
gernot999 13.02.2013
Gott sei Dank!
4. Sind die Journalisten
Tomaire 13.02.2013
denn jetzt alle derartige Generalisten, dass man die auch zu Sachen schicken kann, mit denen sie nix am Hut haben, damit sie dann dort über Sachen schreiben, die mit der Sache nix zu tun haben?
5. ich mags bunt
felisconcolor 14.02.2013
Zitat von sysopEs wird bunt auf dem Catwalk: Vor fünf Jahren war noch jede dritte Show auf der New York Fashion Week ausschließlich mit weißen Models besetzt. Doch das ändert sich. Vor allem asiatische Models werden immer häufiger gebucht - denn Mode boomt in China. New York Fashion Week: Asiatische Models auf dem Vormarsch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/new-york-fashion-week-asiatische-models-auf-dem-vormarsch-a-883115.html)
und hoffentlich gehören die dürren Hungerhaken auch bald der Vergangenheit an. Die sind doch gruselig. Mal ehrlich das Bild mit den setcards war doch wohl eher eine Auflistung aus dem New Yorker Frauengefängnis. Was war da Model dran?
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