New York Fashion Week: Frauen haben hier den Hut auf

Von Wlada Kolosowa, New York

Schauen der Fashion Week: "Weiblichkeit ist eine Superwaffe" Fotos
DPA

Beanie, Russenmütze, ein Stirnband aus Strick: Die Besucher der New York Fashion Week frösteln, an der US-Ostküste herrschen eisige Temperaturen. Wie trotzt man der Kälte, ohne aus der Mode zu fallen?

"The show must go on", selbst wenn "Nemo" wütet. Der gleichnamige Wintersturm legte am Wochenende die Ostküste der USA lahm, viele Flüge fielen aus, das hatte auch Auswirkungen auf die New York Fashion Week. Models und Gäste verspäteten sich zu den Shows, Einladungen kamen nicht rechtzeitig an. Doch die Schauen fanden statt.

Ausnahme: Die Show von Marc Jacobs, dem einige Kollektionsstücke fehlten. Dramen gab es trotzdem genug: Ruinierte Frisuren! Verschmiertes Make-up! Zerstörte Wildlederschuhe! Einige kämpften sich trotz allem in Highheels durch den Schnee zu den Schauen, doch auch unter ihnen waren viele, die zumindest den Kopf warm haben wollten. So sorgte "Nemo" für ein Schaulaufen der Winterhüte, SPIEGEL ONLINE hat sich abseits der Laufstege umgesehen.

Das Stirnband

Heehyun , 20, Fotografiestudentin: "Dieses Stirnband habe ich in einer Boutique an der Lower Eastside in New York gekauft. Es ist super, weil er die Frisur nicht kaputt macht. Manchmal friere ich darin, aber das ist egal. Style geht vor Kälte!" Zur Großansicht
Anna Schori

Heehyun , 20, Fotografiestudentin: "Dieses Stirnband habe ich in einer Boutique an der Lower Eastside in New York gekauft. Es ist super, weil er die Frisur nicht kaputt macht. Manchmal friere ich darin, aber das ist egal. Style geht vor Kälte!"

Wie oft man das Stirnband auch totsagt: Es ist nicht unterzukriegen. In den zwanziger Jahren thronte es reich verziert auf den Bubiköpfen und Wasserwellen-Frisuren der Damen. 40 Jahre später tauchte es erneut auf, in den Mähnen der Hippies. Später wurde es im Fitnessstudio wiedergeboren - und von da aus auf die Straße getragen, als Teil des Aerobic-Schicks. Dann wurde es still um das Stirnband. Als modisches Statement benutzten es höchstens solariumgeröstete Männer, deren modische Vorbilder eher auf dem Fußballplatz zu finden sind. Vor etwa zwei Wintern tauchte das Stirnband in der gestrickten Variante auf Frauenköpfen auf, auf denen es den Hipsterdutt umrahmte. Vermutlich werden die beiden in ein paar Jahren gemeinsam in Vergessenheit geraten. Aber beim Stirnband kann man sich sicher sein: Es kommt zurück.

Die Russenmütze

Vanessa, 36, Personal Shopper: "Gott sei dank schneit es! Ich habe ewig auf die Gelegenheit gewartet, diese Russenmütze aus dem Schrank zu holen. Bei Hüten mag ich am meisten die Fascinators - also festlichen Kopfschmuck, der bei besonderen Anlässen getragen wird. Ich mache auch jedes Mal bei der Easter Parade in New York mit, bei der viele New Yorker mit riesengroßen extravaganten Hüten herumlaufen. Meine letzte Kreation war 120 cm hoch und genauso breit. Bei der Fashion Week würde das auf Dauer aber zu sehr auf den Nacken gehen." Zur Großansicht
Anna Schori

Vanessa, 36, Personal Shopper: "Gott sei dank schneit es! Ich habe ewig auf die Gelegenheit gewartet, diese Russenmütze aus dem Schrank zu holen. Bei Hüten mag ich am meisten die Fascinators - also festlichen Kopfschmuck, der bei besonderen Anlässen getragen wird. Ich mache auch jedes Mal bei der Easter Parade in New York mit, bei der viele New Yorker mit riesengroßen extravaganten Hüten herumlaufen. Meine letzte Kreation war 120 cm hoch und genauso breit. Bei der Fashion Week würde das auf Dauer aber zu sehr auf den Nacken gehen."

Früher war sie hauptsächlich Accessoire von Ostblock-Streitkräften, DDR-Parteifunktionären und Russen-Karikaturen. Jetzt ist die sogenannte Russenmütze eines der meistgejagdten Teile auf Großstadtflohmärkten. Überraschen dürfte das vor allem die Russen - in ihrem Land wird die Russenmütze meistens nur von Menschen ab 70 getragen - und die nordrhein-westfälische Polizei. 2011 protestierten die Beamten gegen die Russenmütze. "Mit der machen wir uns zum Affen. Wir sind doch nicht in Moskau", sagte damals der Vizelandesvorsitzende der Polizeigewerkschaft. In Moskau heißt die Mütze übrigens Uschanka, übersetzt: Die mit den Ohren. Denn was die vielen Flohmarktjäger nicht wissen: Die Pelzlappen, die oben zugebunden werden, kann man nach unten klappen. Erst dann wird die Russenmütze richtig warm.

Beanie

  Ramy, 44,    Designerin: "   Ich liebe Mützen! Ich habe mindestens 50 und trage sie unabhängig von der Jahreszeit. Der Beanie ist mein Liebling. Im Winter hält er die Ohren und den Nacken warm, im Sommer kann man darin super die Strubbelfrisur verstecken."  Zur Großansicht
Anna Schori

Ramy, 44, Designerin: " Ich liebe Mützen! Ich habe mindestens 50 und trage sie unabhängig von der Jahreszeit. Der Beanie ist mein Liebling. Im Winter hält er die Ohren und den Nacken warm, im Sommer kann man darin super die Strubbelfrisur verstecken."

Der Beanie ist für den Kopf, was die Jeans für das Bein ist. Er ist praktisch, gut kombinierbar und die Suche nach dem perfekten Stück dauert ein Leben lang. Vom Beanie versprechen sich viele die Grundlässigkeit der Skater und Reggae-Musiker. Es waren allerdings die Bauarbeiter, die ihn als Erste für sich entdeckt haben. Der enge Bund sollte ihre Haare aus den Augen halten; der warme Strick schützte ihre "bean" - in den zwanziger Jahren Slang für "Kopf". Der Ur-Beanie war früher so eng wie ein Kopfkondom. Inzwischen hat er hinten oft so viel modischen Stauraum, dass ein Bauarbeiter darin sein Pausenbrot verstecken könnte. Die Verzierungen aus Strasssteinen und Pailletten, mit denen der Beanie nun gelegentlich aufgehübscht wird, fänden sie vermutlich nicht ganz so praktisch.

Der Hut

Ashley Sears, Fotografin: "Männer in Hüten finde ich heiß: Cowboys und sogar Abraham Lincoln. Auch ich bin definitiv ein Hut-Mädchen. Ich habe unzählige Hüte zu Hause. Leider haben sie noch keinen würdigen Platz in meiner Wohnung, sondern werden alle unter dem Bett verstaut." Zur Großansicht
Anna Schori

Ashley Sears, Fotografin: "Männer in Hüten finde ich heiß: Cowboys und sogar Abraham Lincoln. Auch ich bin definitiv ein Hut-Mädchen. Ich habe unzählige Hüte zu Hause. Leider haben sie noch keinen würdigen Platz in meiner Wohnung, sondern werden alle unter dem Bett verstaut."

Noch vor 60 Jahren war man ohne Hut ein Exzentriker - heute ist man es mit einem. Was früher unverzichtbarer Teil der Herrengarderobe war, ist heute ein: Schau mich an! Der Hut ist heute eine Form, dem keine Funktion folgt, außer gut auszusehen. Am liebsten wie Alain Delon oder Madonna im Musikvideo zu "Take a Bow". Dabei hatte der Hut, den viele für ein Symbol der Lässigkeit halten, früher vor allen Dingen praktische Gründe: Es war schwieriger, die Haare täglich zu waschen und durch die Stadt mit unbeschädigter Frisur zu kommen. Außerdem brauchte man den Hut, um ihn abzunehmen - etwa vor hübschen Fräuleins. Heute gibt es überall Duschen, wetterfeste Stylingprodukte und öffentliche Verkehrsmittel für den Regenfall. Und Fräuleins nennt man nicht mehr so und fragt sie eher nach der Handynummer. Der Hut ist eine Hülse. Dass eine Kopfbedeckung vor allen Dingen nützlich sein sollte, wusste allerdings schon Friedrich der Große: Für ihn war die Krone "lediglich ein Hut, in den es hineinregnet".

Die Tiermütze

Daniela, 21, Mode-Bloggerin: "Diese Mütze war ein Spontankauf, weil ich gestern so gefroren habe. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es in New York so kalt wird. Zu Hause, in Kischinau in Moldau, habe ich 15 Mützen. Im Januar wird's dort auch mal minus 20 Grad. Dort macht der Winter ohne Kopfbedeckung echt keinen Spaß." Zur Großansicht
Anna Schori

Daniela, 21, Mode-Bloggerin: "Diese Mütze war ein Spontankauf, weil ich gestern so gefroren habe. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es in New York so kalt wird. Zu Hause, in Kischinau in Moldau, habe ich 15 Mützen. Im Januar wird's dort auch mal minus 20 Grad. Dort macht der Winter ohne Kopfbedeckung echt keinen Spaß."

Noch vor ein paar Jahren trug man sein tierisches Accessoire frei nach Paris Hilton in einem Täschchen oder führte es an der Leine. Nun trägt man das Tier auf dem Kopf. Und damit ist nicht die Zottelfrisur gemeint, die nach dem Aufwachen auf dem Kopf sitzt wie ein räudiger Straßenköter. Sondern die Tiermütze mit Ohren und Kulleraugen, die manchmal aussieht, als hätte sie den halben Kopf des Trägers gegessen. Der überproportionale Anteil von tierischen Hüten ist ein guter Indikator dafür, dass die Miete in einem Stadtteil bald steigen wird und Cafés aufmachen, die Cupcakes in 50 Geschmacksrichtungen servieren. Oder dafür, dass ein Kindergarten in der Nähe ist.

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1. Ich verstehe eindeutig nichts...
goldfuchs 11.02.2013
von Mode. Jedes Teil ist doch alles andere als schön und keiner würde das freiwillig anziehen, oder doch?
2. Mode und Kunst
matthias_b. 11.02.2013
Zitat von goldfuchsvon Mode. Jedes Teil ist doch alles andere als schön und keiner würde das freiwillig anziehen, oder doch?
Mit Mode verhält es sich wie mit moderner Kunst und für beides empfehle ich "Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht" von Ephraim Kishon.
3.
erika_mustermann 11.02.2013
So kalt scheint es nicht gewesen zu sein, denn die Mehrheit der vorgestellten Kopfbedeckungen schützen nicht vor Kälte. Der Hut sowieso nicht, die Beanie ist viel zu dünn für echte Minusgrade, die Russenmütze bedeckt in diesem Fall das Wichtigste, die Ohren, gar nicht, und das Stirnband ist eindeutig nur für modische Zwecke gemacht. Übrigens ist der Grund, warum Stirnbänder immer wieder in Mode kommen, dass sie im Normalfall sehr gut die Ohren vor Kälte schützen, oft besser als eine klassische Mütze. Auch die Beliebtheit von Russenmützen lässt sich damit erklären, dass sie im Gegensatz zu vielen mehr als Modeaccessoires gedachten Kopfbedeckungen tatsächlich warm halten können - natürlich nur, wenn sie richtig getragen werden. "Stil geht vor Kälte", diese Meinung kann sich spätestens im Skiurlaub böse rächen, und darum habe ich eigentlich kein Verständnis für stylische Mützen, die ihren eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen. Die andere Fotostrecke war relativ unspektakulär. Bei dem angeblich von Militäruniformen inspirierten Stück vermutete ich allerdings halbverhungerte Nordkoreanerinnen als Inspirationsquelle.
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