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Mobbing-Video: 68-Jährige bekommt Hunderttausende Dollar Spenden

Sie versucht wegzuhören, aber sie schafft es nicht: Ein Video zeigt, wie Kinder in einem Bus eine 68-Jährige beschimpfen. Die Aufnahmen haben für Empörung über die Schüler und Mitleid mit der Frau gesorgt - eine Spendenaktion hat schon mehr als 200.000 Dollar eingebracht.

New York - Karen Klein wurde gemobbt, und deswegen ist sie nun berühmt. Die Frau aus dem US-Bundesstaat New York arbeitet als "Bus Monitor", eine Art Begleiter für Schulbusse. Auf ihren Fahrten musste sich Klein immer wieder wüste Beschimpfungen von Schülern der Athena Middle School in Rochester anhören. Die Kinder hänselten Klein wegen ihres Körpergewichts und weil sie schwitzt. Die Beleidigungen trafen Klein so sehr, dass sie weinte.

Der Fall wäre wohl nie publik geworden, hätte nicht jemand die Hänseleien gefilmt und auf Facebook gepostet. Schließlich fand das zehnminütige Video seinen Weg zu YouTube. Dort ist es schon mehr als 1,6 Millionen Mal angeklickt worden. Der Benutzer schreibt, er habe mit dem Mobbing nichts zu tun. Er habe das Video auf Facebook gesehen und dann bei YouTube hochgeladen, um der Welt zu zeigen, wie schlimm diese Kinder seien. Sein Aufruf: "Helft Karen, in Urlaub und in Rente zu gehen!"

Der Fall hat eine heftige öffentliche Reaktion ausgelöst. Auf der Seite indiegogo.com wurde für Klein eine Spendenaktion gestartet. Am Donnerstagabend, nach etwa 24 Stunden, waren laut der Anzeige auf der Website schon mehr als 215.000 Dollar an Spenden eingegangen. Die Beleidigungen hätten vor einer Weile angefangen, sagte Klein. Aber sie seien zuvor nie so bösartig gewesen wie die, die im Video zu sehen seien. Auf die Frage, weshalb sie sich nicht gewehrt habe, sagte sie: "Ich mag keine Konfrontationen."

Der Schulbezirk hat sich inzwischen auch zu dem Vorfall geäußert. Die Polizei ermittle, führe Gespräche mit allen Beteiligten. "Wir tolerieren keine Belästigung von Mitarbeitern oder Schülern", hieß es in einer Mitteilung. Klein arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Busfahrerin und Busbegleiterin für den Schulbezirk. Sie will nach eigener Aussage weiterarbeiten - aber auf einer anderen Strecke und nach einer Entschuldigung durch die Schüler.

Die 68-Jährige ist in den Medien nun ein gefragter Gast. Sie hatte am Donnerstag bereits Auftritte in Shows der Sender ABC, CBS und Fox - weitere TV-Interviews sind geplant. Klein zeigte sich über die große Anteilnahme gerührt: "Es ist so unglaublich. Ich habe die nettesten Briefe und E-Mails bekommen."

ulz/Reuters/dpa

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