New York Marathon: Fischer im Ziel

Mit seiner Teilnahme am New Yorker Marathon hat sich Bundesaußenminister Joschka Fischer am Sonntag einen Traum erfüllt. Der Grüne Spitzenpolitiker kam nach drei Stunden und 55 Minuten ins Ziel - der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider war ein wenig schneller.

New York - Kurz nach 11.00 Uhr (Ortszeit) fiel für Bundesaußenminister Joschka Fischer der Startschuss: Zusammen mit 30.000 Läufern - unter ihnen auch der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider - ging er am Sonntag auf die Marathon-Strecke quer durch New York. Drei Stunden und 55 Minuten später war es geschafft - Fischer aber gar nicht so sehr.

Jogger Fischer
AP

Jogger Fischer

Fröhlich versicherte er: "Das war bestimmt nicht mein letzter Marathon." Die Zeit lag zwar eine knappe Viertelstunde über der bei seinem ersten 42-Kilometerlauf im vergangenen Jahr in Hamburg. Doch der New Yorker Kurs mit seinen Steigungen und Kurven ist schwieriger, und der kräftige Wind blies nicht immer nur von hinten. Am Abend winkte eine besondere Belohnung: Der amerikanische UN-Botschafter Richard Holbrooke und dessen Ehefrau empfingen Fischer am Ziel im Central Park, um ihn und seine Ehefrau Nicola - sie war unter den Zuschauern - zum Essen einzuladen.

Dass Fischer mit seiner Startnummer 9990 in New York gegen den zwei Jahre jüngeren Haider antreten sollte, war Zufall und ihm sichtlich unangenehm. "Das interessiert mich nicht", sagte er dem ZDF am Vorabend. Es gehe ihm allein um den sportlichen Lorbeer, ließ er schon am Freitag im Uno-Hauptquartier in New York durchblicken.

Als der Außenminister am Sonntagmorgen doch starten konnte, feuerten Millionen Zuschauer bei kühlen Temperaturen und starkem Wind die Athleten aus 100 Ländern an. Nach dem traditionellen Marathon- Frühstück mit Knusperflocken und Joghurt gab es das Warm-Up unter Anleitung der knackigen "Knicks Dancers" - Cheer-Leader der Basketball-Mannschaft New York Knicks - und schließlich die amerikanische Nationalhymne.

Dann ging es los: Runde 42 Kilometer durch fünf Stadtteile der Sieben-Millionen-Stadt, über Brücken, Schlaglöcher und Kanaldeckel. Vergeblich hatte sich der Minister in privater Mission bis zuletzt dem Medienrummel zu entziehen versucht. Eigentlich zu einer politischen US-Visite in New York, signalisierte er nach tagelangem Versteckspiel nur 36 Stunden vor dem Start: "Ich fühle mich fit" zum Laufen. Weder einen Joschka noch einen Joseph Fischer gab es auf der offiziellen Teilnehmer-Liste - als Martin Fischer wurde er schließlich als 8932. der etwa 30.000 Teilnehmer in der Ergebnisliste im Internet aufgeführt.

Anders als "Privatmann" Fischer versteht Haider mit der Startnummer 5777 seinen Auftritt in New York als Werbung für sein Land - und für sich selbst. Seine jüngsten Polit-Erfolge an der heimatlichen Front allerdings trafen in New York einen empfindlichen Nerv. Die "New York Post" sagte voraus, dass die an ihren langen Locken und schwarzen Hüten erkennbaren, konservativen chassidischen Juden mit ihren Groß-Familien am Sonntag "en masse" den Parcours säumen würden, um "es dem Neo-Nazi Haider zu zeigen". Jedoch gab es keine größeren Proteste an der Strecke.

Haider kam nach drei Stunden und 36 Minuten ins Ziel, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf den Generalsekretär der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Peter Westenthaler, meldete. In der offiziellen Ergebnisliste war er jedoch weder unter seinem Namen noch unter seiner Startnummer zu finden. Haider hatte den Alaska-Marathon 1998 in 3:29 Stunden geschafft.

Wenigstens 70 Millionen Menschen sollten das Superereignis auf dem TV-Bildschirm verfolgen. "Dieser Marathon ist vielschichtiger als irgendein anderer auf der Welt", sagt Marathon-Direktor Allan Steinfeld. Ein Drittel der Läufer kommt aus dem Ausland, ein weiteres Drittel aus den 50 Staaten der USA und nur jeder Dritte aus New York City.

Gisela Oswald

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