New Yorker Fashion Week: Auf alle Felle Pelz

Aus New York berichtet Wlada Kolosowa

Pelze werden von schönen Tieren getragen - und von hässlichen Menschen. Das galt früher, als sich Models noch für Peta auszogen. Auf der New Yorker Fashion Week zeigen sie nun wieder üppige Felle. Ein Trend, der sich auch auf der Straße wiederfindet.

New Yorker Fashion Week: Die Rückkehr der Felle Fotos
Christopher Lane / Getty Images

Um ihren Pelz zu tragen, hat Anna Wintour früher noch ein dickes Fell gebraucht. Die Chefredakteurin der US-"Vogue", die sich offen zu ihrer Liebe für Fleisch und Pelz bekennt, wurde schon mit Kunstblut und Tofu-Torten beworfen. Einmal bekam sie sogar einen toten Waschbären zum Abendessen serviert.

Dieses Jahr sitzt Wintour bei der New York Fashion Week unbehelligt in den ersten Reihen, selbstverständlich mit Pelzkragen, der im Winter genauso zu ihrem Outfit gehört wie ihr Markenzeichen, der Bob-Haarschnitt. Auf New Yorker Laufstegen rufen Pelze in diesen Tagen genauso viel Aufregung hervor wie ein spitzer, herausstehender Model-Hüftknochen: gar keine.

Dabei sind die Pelze nicht unbeliebt. Die Umsätze der Pelzindustrie steigen jedes Jahr: Nach Angaben des Fur Information Council of America betrugen sie 2010 in den USA 1,3 Milliarden Dollar - 40 Millionen mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland wurden 2010 nach Angaben des Deutschen Pelz-Instituts mit Pelz 1,049 Milliarden Euro umgesetzt, 44 Millionen Euro mehr als 2009.

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New York Fashion Week: Gut behütet auf dem Laufsteg
2011 haben mehr als 500 Designer Pelz in ihren Kollektionen gezeigt. "Es war ein Pelzjahr. Das neue Jahr setzt den Trend fort", sagt Avril Graham von der US-Ausgabe der Zeitschrift "Harper's Bazaar". Marc Jacobs setzte seinen Models riesige Pelzhüte auf, Alexander Wang verpasst seinen Entwürfen einen Fuchskragen, Jason Wu schmückt die Ärmel seiner Entwürfe mit Pelz. "In diesem Jahr hat kaum ein Designer auf Pelz-Details verzichtet."

Lieber Pelz als nackt

Dan Mathews, Vizepräsident der Tierschutzorganisation Peta, sieht darin nicht unbedingt eine allgemeine Entwicklung: "Was auf den Catwalks zu sehen ist, schafft es nicht unbedingt auf die Straße." Die Pelze für ihre Laufstegkollektion bekämen Designer meist gratis von der Pelzindustrie - für eine Verarbeitung in größeren Mengen seien sie zu teuer. Mit Sponsorengeldern und kostenlosen Proben wollen die Pelzunternehmen auf den Schauen den Anschein erwecken, ihr Produkt sei für die nächste Saison relevant.

Die schlechte Nachricht für Mathews: Auch auf die Straßen hat es der Pelz inzwischen geschafft - als Weste, Kragenfutter oder als Verzierung. Vorbei sind die Zeiten, in denen galt: Pelze werden von schönen Tieren getragen - und von hässlichen Menschen. In den späten Neunzigern ließen sich Supermodels wie Cindy Crawford, Naomi Campbell, Claudia Schiffer und Elle Macpherson nackt für eine Peta-Kampagne ablichten, um zu zeigen, dass sie lieber gar keine Klamotten tragen als Pelz. Außer Macpherson hat sich kaum eine der Damen daran gehalten.

Modelaunen sind wechselhaft wie der Zeitgeist. In den späten neunziger Jahren sollte Luxus unsichtbar sein. Man zeigte sich betont abgewetzt im Grunge-Look oder minimalistisch wie bei Jil Sander oder Helmut Lang. Inzwischen gilt es, seine Individualität mit allen Mitteln zu betonen - notfalls auch mit Pelz.

Auch Kunstpelz reicht für ein modisches Statement

Die gute Nachricht für Peta-Vizepräsident Mathews: Echt muss der Pelz dabei nicht immer sein. Es geht nicht mehr darum, seine Einkommensklasse sichtbar zur Schau zu tragen und sich deshalb mit möglichst vielen, möglichst teuren Tieren zu schmücken. Die Optik muss gefallen. Der Pelz muss weder teuer, noch selten sein und nicht einmal echt aussehen - Hauptsache gut. Für ein modisches Statement reicht auch ein Kunstpelz. Oder einer aus zweiter Hand.

"Ich würde niemals ein Kleidungsstück kaufen, für das ein Tier sterben musste", sagt Shannon Fitzgerald und schlägt das Revers ihres Pelzmantels enger um sich. Sie hat ihn in einem Vintage-Laden gekauft. Fitzgerald, die seit 21 Jahren Vegetarierin ist, hat nicht das Gefühl, ihren Prinzipien untreu geworden zu sein. Dan Mathews würde ihr widersprechen: Kunst- oder Vintage-Pelze seien zwar gute Alternativen. Wenn sie nicht als solche zu erkennen sind, senden sie aber die Botschaft: Pelz ist okay. Die Käufer unterstützten die Pelzindustrie zwar nicht mit ihrem Geldbeutel - aber mit einer unfreiwilligen Werbekampagne.

Susanne Kolb-Wachtel vom Deutschen Pelz-Institut sieht den Grund für Verkaufserfolge weniger in freiwilligen oder unfreiwilligen Werbekampagnen. "Die Verkäufe sind eher davon abhängig, ob es einen Winter gab. Ein paar Zentimeter Schnee reichen vollkommen aus." Man könne die Umsätze fast am Thermometer ablesen.

Es gibt nicht viel, worin sich Moderedakteurin, Tierschutzaktivist und die Pelz-Institut einig sind. In einem Punkt gibt es allerdings keine Differenzen: In der Zukunft würden immer weniger üppige Pelzmäntel produziert, das stehe fest. "Stattdessen setzen Designer auf Pelzverzierungen, auf einen unerwarteter Dreh - wie zum Beispiel Pelzhandtasche oder eine Pelzclutch", sagt Avril Graham von "Harper's Bazaar".

Dan Mathews von Peta gibt denn auch die neue Kampfrichtung vor: "Wir haben den Pelzmantel besiegt. Jetzt knöpfen wir uns den Pelzkragen vor."

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Geschmacksterrorismus
fernossi 15.02.2012
Zitat von sysop... Dan Mathews von Peta gibt denn auch die neue Kampfrichtung vor: "Wir haben den Pelzmantel besiegt. Jetzt knöpfen wir uns den Pelzkragen vor." New Yorker Fashion Week: Auf alle Felle Pelz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,815164,00.html)
Und wann knoepft sich endlich mal einer diese Peta-Heinis vor?
2. Da gibts nur eine Chance
hermes69 15.02.2012
Solche Menschen meiden, öffentlich ins Abseits stellen und Ihnen deutlich machen was die Menschen von so etwas halten. Ekelhaft & beschämend
3. .....
Jan B. 15.02.2012
Zitat von fernossiUnd wann knoepft sich endlich mal einer diese Peta-Heinis vor?
Also wirklich..wann schützt endlich jemand die Rechte des Menschen, auch bedrohte Tiere für ihr Fell zu erlegen, damit er selbst sich mit ihnen schmücken kann. Panda-Jacken und Taschen aus Krokodilshaut für alle! Wussten Sie eigentlich, wie in einigen Südostasiatischen Ländern das Material für solche Handtaschen gewonnen wird? Den Tieren wird teilweise bei lebendigem Leib die Haut abgezogen. Riesenschlangen werden lebendig an Haken aufgehangen und mit Wasser gefüllt, damit ihre Haut schön straff bleibt. Und um gegen diese Art von Tierquälerei vorzugehen, muss es mehr Organisationen wie Peta geben.
4. Bitte?
erna_p 15.02.2012
Zitat von fernossiUnd wann knoepft sich endlich mal einer diese Peta-Heinis vor?
Das ist ein Scherz, oder? Schauen Sie sich mal den Film "Earthlings" an... dann wissen Sie, warum Vereine wie Peta unglaublich wchtig sind! Oder ist es in Ihrem Interesse, wenn Tieren bei lebendigem Leibe das Fell abgezogen wird? Einige überleben das und werden dann zum verrecken auf einen Haufen geworfen. Pelz zu tragen ist widerlich und unterstützt solche barbarischen Machenschaften
5. Gestaltungsfreiheiten
fernossi 15.02.2012
Zitat von erna_pOder ist es in Ihrem Interesse, wenn Tieren bei lebendigem Leibe das Fell abgezogen wird? Einige überleben das und werden dann zum verrecken auf einen Haufen geworfen. Pelz zu tragen ist widerlich und unterstützt solche barbarischen Machenschaften
Ist es opportun, wenn die Tiere nicht gequaelt wurden? Sozusagen mit Biolabel? Ansonsten muesste man auch Lederschuhe ablehnen und rigoroser Vegetarier werden.
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