Hype um New Yorker Polizisten: Der barmherzige Larry DePrimo

Ja, ist denn schon Weihnachten? Erst feiert New York einen Tag ohne tödliche Gewaltverbrechen, jetzt erweicht der Einsatz eines Polizisten Hunderttausende Herzen: Larry DePrimo bescherte einem Obdachlosen warme Füße, ein Held war geboren.

New Yorker Polizist: Der Sockenheld vom Times Square Fotos
AP/ Jennifer Foster

New York - Die Lokalmedien vermuteten schon, Batman oder Superman oder sonst ein Held sei in der Stadt unterwegs. Wie anders sollte erklärbar sein, dass am Montag in ganz New York kein Gewaltverbrechen mit Todesfolge gemeldet worden war? Mitten in diesem Friedensjubel kommt nun die nächste Geschichte, für Hunderttausende so herzerweichend, dass sie ihre Freude in unzähligen Kommentaren ausdrücken.

Jennifer Foster aus Florence, Arizona, war am 14. November mit ihrem Mann auf dem Times Square unterwegs. Da sahen sie einen Mann sitzen, der fragte nach ein paar Cent, hatte keine Schuhe an. "Als ich gerade zu ihm gehen wollte, kam ein Polizist zu ihm und sagte: 'Ich habe diese Stiefel für Sie, Größe zwölf, Allwetterschuhe. Lassen Sie uns die anziehen.'"

So schrieb es Foster der New Yorker Polizeibehörde NYPD, sie schickte gleich noch ein Foto von der Aktion mit. Der Polizist habe dem Mann warme Socken und die Stiefel angezogen. "Ich war noch nie so beeindruckt in meinem Leben", schrieb Foster. Sie wisse den Namen des Beamten nicht, aber sein Beispiel erinnere alle daran, wozu Polizeiarbeit diene. Foster arbeitet selbst auf einer Polizeiwache.

"Ich war absolut geschockt"

Für das oft gescholtene NYPD muss Foster wie eine Art Engel erscheinen. Der Ruf der Polizisten ist geprägt von der Null-Toleranz-Politik: Die Behörden haben es zwar geschafft, die Kriminalitätsrate zu senken. Die Mittel sind jedoch zuweilen überhart. Das Ansehen hat sich zuletzt deutlich verschlechtert, seit Polizisten Mitte August einen Mann auf dem Times Square erschossen.

Da kommt ein Akt der Barmherzigkeit am selben Schauplatz gerade recht. Die Beamten waren über Fosters Schreiben und Foto dankbar und veröffentlichten beides auf der Facebook-Seite des NYPD. Das Posting löste einen Sturm der Begeisterung aus: Rund 500.000 Menschen haben seit Mittwochnacht auf "Gefällt mir" geklickt, es werden ständig mehr. In den Kommentaren bejubelten die Nutzer den "Helden", bedanken sich bei Gott für diesen Akt der Barmherzigkeit, gratulieren den Eltern für diesen wohlgeratenen Sohn.

Die Polizeibehörde wollte den Namen des Beamten erst noch für sich behalten, dann erzählte er doch seine Geschichte: "Ich trug zwei Paar warme Socken übereinander und Stiefel und fror trotzdem", sagte Larry DePrimo, 25, zu US-Zeitungen. Der Mann habe zu ihm gesagt, er habe noch nie Socken besessen. DePrimo ging in einen Laden und kaufte für 75 Dollar Stiefel und Socken, ging zurück und bescherte dem Mann warme Füße.

Der Beschenkte habe gelächelt, als habe er eben eine Million Dollar erhalten. Er selbst sei dann weitergegangen, habe nicht mehr weiter darüber nachgedacht - bis er später eine Nachricht von einem Freund bekommen hatte: das Foto im Internet, die Klicks, die Kommentare. "Ich war absolut schockiert", sagte DePrimo.

bim

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Na wenn das mal kein guter PR-Gag war .....
gboos 30.11.2012
.... heute wird ja alles irgendwie inszeniert und verschaukelt.
2. normal geht nicht, nur schwarz oder weiß
PeterPan95 30.11.2012
"In den Kommentaren bejubelten die Nutzer den "Helden", bedanken sich bei Gott für diesen Akt der Barmherzigkeit, gratulieren den Eltern für diesen wohlgeratenen Sohn." Womit dann auch geklärt wäre, ob Gott Eltern hat. Ist das nicht Blasphemie, einen Menschen als Gott zu sehen?
3. optional
dersmue 30.11.2012
Hype oder nicht, ich persönlich lese sowas ganz gerne. Wie in den üblichen englischsprachigen Netzwerken an so einer Stelle gerne geschrieben wird: Faith in humanity partly restored, Jedoch: "Die Behörden haben es zwar geschafft, die Kriminalitätsrate zu senken. Die Mittel sind jedoch zuweilen überhart. Das Ansehen hat sich zuletzt deutlich verschlechtert, seit Polizisten Mitte August einen Mann auf dem Times Square erschossen." Ich habe den Zusammenhang noch nicht ganz verstanden: Was hat die (schon seit Giuliani in Kraft getretene) Null-Toleranz-Politik, also die direkte Ahndung auch kleinster Delikte, damit zu tun, dass ein mit einer Stichwaffe ausgerüsteter, polizeibekannter Krimineller bei seinem Angriff auf Polizisten durch ebendiese durch den Einsatz von Schusswaffen ums Leben gekommen ist?
4. Arm
Stelzi 30.11.2012
Zitat von gboos.... heute wird ja alles irgendwie inszeniert und verschaukelt.
Ein so zynisches und paranoides Leben zu führen muss hart sein. Du tust mir leid.
5. Ich bleibe dabei .... PR-Gag
gboos 30.11.2012
NYPD steht oeffentlich extrem unter Druck .... Das Ansehen neigt sich in Bodennaehe und dann kommt rein zufaellig eine Polizistin vorbei und sieht einen Polizisten der einem Obdachlosen Schuhe kauft .... Von der Sache her ist es natuerlich schoen und herzlich, wenn da nicht ... naja
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