Niederlande Tierschützer retten verirrten Orca aus Wattenmeer

Ungewöhnlicher Fund im Wattenmeer: Tierschützer haben vor der niederländischen Küste ein Orca-Weibchen entdeckt und in Sicherheit gebracht. Warum sich das 3,50 Meter große Tier in das flache Gewässer verirrte, ist noch unklar.

Gestrandeter Orca im Delfinarium von Haderwijk: "Schwach und mager"
AFP

Gestrandeter Orca im Delfinarium von Haderwijk: "Schwach und mager"


Amsterdam - Tierschützer haben im niederländischen Wattenmeer ein junges Orca-Weibchen gerettet, das von seiner Mutter getrennt und völlig geschwächt in Richtung Küste getrieben wurde. Das 3,50 Meter lange "Mädchen" aus der Familie der Großen Schwertwale (Orcinus orca) wurde vor der Insel Ameland entdeckt und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit mit einem Schnellboot in das rund 80 Kilometer von Amsterdam entfernte Delfinarium Harderwijk gebracht.

"Sie hat sich gut erholt, und wir haben sie jetzt auf den Namen Morgan getauft", sagte am Donnerstag der Sprecher der Einrichtung. Für diesen schottisch-keltischen Mädchennamen habe man sich entschieden, weil die junge Wal-Dame wahrscheinlich aus den Gewässern nördlich von Schottland gekommen sei.

"Das Orca-Mädchen war ausgehungert, schwach und mager, hat aber inzwischen einige Pfund Fisch gefressen", sagte Delfinarium-Sprecher Bert van Plateringen. Die Retter hoffen, das Jungtier aufpäppeln und dann auf hoher See aussetzen zu können. "Delfintrainer sind die ganze Zeit bei ihr im Wasser, um zu verhindern, dass sie unruhig wird und sich vielleicht verletzt."

Nach Angaben von Meeresbiologen ist es sehr ungewöhnlich, dass Orcas - eine Walart aus der Gruppe der Delfine, die landläufig auch als "Killerwal" oder "Mörderwal" bezeichnet wird - im flachen Wattenmeer anzutreffen sind. Zuletzt wurde in niederländischen Küstengewässern 1947 ein lebender Orca gesichtet.

Orcas können bis zu acht Meter lang werden und rund neun Tonnen wiegen. Sie kommen vor allem in arktischen und antarktischen Meeresgebieten vor. Es wurden aber auch Orca-Familien vor Gibraltar gesichtet. Vereinzelt verirrten sich Orcas bis in die Ostsee.

Der Meeresbiologe Ron Kastelein äußerte die Vermutung, dass die Mutter des Orca-Mädchens von Haien oder anderen Orcas angefallen wurde. "Der Orca-Nachwuchs ist lange abhängig von der Mutter, möglicherweise wurde dieses Tier sogar noch gesäugt." Das junge Walweibchen dürfe nicht zu lange in der Gefangenschaft von Menschen bleiben, weil sonst die Auswilderung gefährdet sei. So habe der weltberühmte Orca Keiko, der im Film "Free Willy" zu sehen war, nach der jahrelangen Betreuung durch Menschen später in der Meereswildnis nicht lange überlebt.

han/dpa/AFP

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