Massenhochzeit in Nigeria: Staatlich arrangierte Ehe

In Nigeria sind 250 Frauen auf einmal verheiratet worden, viele von ihnen Witwen und Geschiedene. Die Mitgift kam vom Staat: Geld, Nähmaschinen, Handys. Die Regierung organisierte auch die heiratswilligen Männer. Sollten die sich irgendwann scheiden lassen wollen, muss die Politik zustimmen.

Frauen bei der ersten Massenhochzeit im Mai in Kano: Neue Partner für Geschiedene Zur Großansicht
AFP

Frauen bei der ersten Massenhochzeit im Mai in Kano: Neue Partner für Geschiedene

Hamburg - Sie bekamen Bettzeug, Nähmaschinen, Lebensmittel und umgerechnet etwa 100 Euro geschenkt: In der nigerianischen Stadt Kano hat die Regierung bei einer Zeremonie 250 Frauen verheiratet. Es war die zweite organisierte Massenhochzeit, mit der die hohe Scheidungsrate im Norden des Landes bekämpft werden soll.

Bereits im Mai hatten auf diese Weise 100 Frauen in Kano einen neuen Mann gefunden. Die meisten von ihnen sind Witwen und Geschiedene, die in der islamischen Gesellschaft häufig nur schwer neue Partner finden und finanzielle Not leiden. Doch auch junge, noch unverheiratete Frauen nahmen teil.

Durchgeführt wurden die Hochzeiten von der Religionspolizei Hisbah. Mit Radiodurchsagen suchte sie nach heiratswilligen Männern, berichtete die BBC nach der ersten Massenhochzeit. Insgesamt sollen auf diese Weise tausend neue Ehen geschlossen werden.

Die Zeremonie fand in der zentralen Moschee von Kano statt. Durch die Ehe soll den Frauen und ihren Kindern ein gesichertes Umfeld ermöglicht werden - daher auch die finanzielle und materielle Unterstützung. Laut der Nachrichtenseite "AllAfrica.com" bekamen die Frauen auch Sim-Karten überreicht, die ein Mobilfunkanbieter zur Verfügung gestellt hatte. Den Frauen soll es laut der Nachrichtenagentur Apa ermöglicht werden, eigene kleine Unternehmen zu gründen.

Die potentiellen Gatten werden auf ihre Eignung überprüft und müssen sich unter anderem einem HIV-Test unterziehen. Die Romantik bleibt notgedrungen auf der Strecke: Die Männer würden vor der Hochzeit einen Fragebogen ausfüllen, sagte ein Hisbah-Mitglied dem Sender al-Dschasira, sie würden zum Beispiel angeben, ob sie eine dünne oder dicke Frau wollten.

Viele Frauen sehen die Männer kurz vor der Trauung zum ersten Mal. Die Hisbah organisiert die Heiratsvermittlung. In ihren Büros konnten sich Frauen und Männer treffen und aussuchen, wen sie heiraten wollen. Alle Frauen heirateten freiwillig, teilten Frauenrechtlerinnen laut der Nachtrichtenagentur AFP im Mai mit.

Übereinstimmenden Berichten zufolge heiratete nun auch ein 80-Jähriger, dessen erste Frau gestorben war. Der Staat hat seine Unterstützung allerdings an eine Bedingung geknüpft: Die Männer dürfen sich ohne Erlaubnis der Regierung nicht wieder von den Frauen scheiden lassen.

Kano ist die zweitgrößte Stadt Nigerias, der gleichnamige Bundesstaat ist größtenteils muslimisch. In den vergangenen Monaten gab es wiederholt tödliche Anschläge, die der islamistischen Sekte Boko Haram zugerechnet werden.

hut

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Nigeria
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite

Bevölkerung: 158,423 Mio. Einwohner

Fläche: 923.768 km²

Hauptstadt: Abuja

Staats- und Regierungschef: Goodluck Jonathan

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Afrika-Reiseseite