Nordeuropa: Sturm verursacht schwere Schäden - mehrere Tote

Schwere Unwetter sind in der vergangenen Nacht über mehrere europäische Länder hinweggezogen. Bis zu neun Menschen sind ums Leben gekommen, vor der Südostküste Irlands werden noch sieben Fischer vermisst. Eine Sturmflut hat inzwischen Hamburg erreicht.

Hamburg - In stürmischer See kamen vermutlich sieben Menschen ums Leben. Vor der Küste Irlands werden fünf Fischer vermisst. Die Männer kamen beim Untergang des Fischerboots "Pere Charles" wahrscheinlich ums Leben. Nach zwei weiteren vermissten Fischern, die an Bord eines anderen Bootes waren, das vor der irischen Küste sank, wird noch gesucht. In Großbritannien wurde ein Autofahrer von einem Baum erschlagen. Auf der Autobahn von Brüssel nach Lüttich verunglückte ein Autofahrer wegen starker Sturmböen mit seinem Fahrzeug tödlich.

Vor der britischen Küste hat ein in Seenot geratener Frachter Zusammenstöße mit zwei Gasförderplattformen dank glücklicher Umstände vermeiden können. In einem dramatischen Kampf gegen die Zeit konnte die Küstenwache 30 Arbeiter von einer Plattform in der Nordsee evakuieren. Das 4500-Tonnen-Schiff trieb in der Nacht in Richtung offene See. Er befand sich gut 120 Kilometer vor der englischen Küste. Das Schiff soll später von einem Schlepper auf den Haken genommen und in einen britischen Hafen geschleppt werden.

In Nordostpolen waren nach dem nächtlichen Sturm rund 2500 Haushalte ohne Strom. Umstürzende Bäume hatten zahlreiche Stromleitungen unterbrochen. An der Kanalküste in Frankreich kam der Schiffsverkehr zum Erliegen, weil der englische Hafen Dover geschlossen wurde. In Großbritannien richteten Wind und Regen erhebliche Schäden an. In Wales waren 80.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten.

In Deutschland überschreiten die Pegelstände in den Küstenbereichen nach Angaben des Bundesamtes für Schifffahrt und Hydrographie inzwischen das mittlere Hochwasser um zwei- bis zweieinhalb Meter. Als auf der B 194 nördlich von Basepohl in Mecklenburg-Vorpommern ein Baum auf ein Auto fiel, wurde mindestens ein Mensch verletzt, hieß es bei der Neubrandenburger Polizei. An der Ostseeküste stellten die Fähren nach Hiddensee, Rügen und in Rostock den Verkehr ein.

Die Sturmflut hat inzwischen Hamburg erreicht. Die Polizei hat am Morgen die Speicherstadt und den nördlichen Teil des Elbufers gesperrt. Nach Angaben des Amtes für Katastrophenschutz soll der Pegelstand inzwischen bis auf 5,10 Meter angestiegen sein und liegt damit 3,10 Meter über dem mittleren Hochwasser. Die Polizei sei mit 40 Mann im Einsatz und bringe Fahrzeuge aus der Gefahrenzone in Sicherheit. Der Fischmarkt im Hamburger Hafen werde voraussichtlich überflutet, mit größeren Schäden werde aber nicht gerechnet, hieß es.

Im Binnenland mussten Polizei und Feuerwehr in den vergangenen Stunden zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. Hauptprobleme waren umgestürzte Bäume, leichte Unfälle und umherfliegende Bauteile. In Thüringen wurde die A 71 zwischen Ilmenau-West und Zella-Mehlis gesperrt, nachdem der Sturm mehrere Lastwagen umgestürzt hatte. In Baden-Württemberg fiel im Bereich Offenburg für einige Stunden der Strom aus.

Im Oberharz riss der Orkan viele Bäume um. Im heftigen Sturm waren zwei Polizisten nur knapp dem Tod entronnen. Auf einer Bundesstraße nahe Wernigerode (Sachsen-Anhalt) hob ein Anhänger eines Lastwagens wegen des tobenden Sturms plötzlich ab und fiel auf einen Streifenwagen. Sekunden zuvor hatten die Beamten ihr Fahrzeug verlassen, um einen anderen Unfall aufzunehmen.

ler/dpa

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