Frau über Bord "Die Kleidung unbedingt anbehalten"

Eine Britin überlebte in der Adria nach dem Sturz von einem Kreuzfahrtschiff - bis zur Rettung sollen zehn Stunden vergangen sein. Worauf kommt es in solchen Fällen an? Ein Seenotretter gibt Antworten.

Gerettete Britin mit Einsatzkräften
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Gerettete Britin mit Einsatzkräften

Ein Interview von Felix Keßler


Zur Person
  • DGzRS/ Die Seenotretter
    Christian Stipeldey, Jahrgang 1978, engagiert sich seit 1994 ehrenamtlich bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Seit 2010 ist er Pressesprecher der Gesellschaft mit Sitz in Bremen, die an Nord- und Ostsee 54 Stationen betreibt und dort jährlich zu mehr als 2.000 Rettungseinsätzen ausrückt.

SPIEGEL ONLINE: Nach einem Sturz von einem Kreuzfahrtschiff hat sich eine Britin in der Adria angeblich zehn Stunden über Wasser gehalten. Dann erst wurde sie durch die kroatische Marine gerettet. Wie lange kann ein Mensch im Wasser überleben?

Stipeldey: Entscheidend sind der Ernährungszustand und die allgemeine Fitness. Wichtig sind aber auch die psychische Verfassung, die Kleidung und die Wassertemperatur. Selbst daraus lässt sich aber keine maximale Überlebensdauer ableiten. Es gab schon Fälle, in denen Menschen 24 Stunden im Wasser überlebt haben.

SPIEGEL ONLINE: Die Adria soll zum Zeitpunkt des Vorfalls über 20 Grad warm gewesen sein. Welche Rolle spielt die Wassertemperatur?

Stipeldey: Eine ganz zentrale! Stundenlanges Überleben ist nur bei derart hohen Temperaturen möglich. In der winterlichen Nordsee, bei vielleicht vier Grad, bleiben einem Menschen nur wenige Minuten, bis der Körper zu stark unterkühlt und Ohnmacht eintritt.

Im Video: Seenotretter - Die Feuerwehr auf dem Wasser

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SPIEGEL ONLINE: Die Britin soll gegen die Kälte in der Nacht stundenlang gesungen haben. Gibt es Strategien, um die Überlebenschance im Wasser zu erhöhen?

Stipeldey: Zunächst sollte man seine Kräfte schonen. Ruhe bewahren, alle Bewegungen auf ein Minimum reduzieren. Die Kleidung sollte man unbedingt anbehalten. Auch wenn die Klamotten mit Wasser vollgesogen sehr schwer sein können, hält jede Kleidungsschicht ein bisschen Wärme am Körper. Der Versuchung, in Richtung eines Schiffes oder eines Stückes Land am Horizont zu schwimmen, sollte man widerstehen. Die Entfernungen werden aus dem Wasser leicht unterschätzt.

SPIEGEL ONLINE: Wie gehen deutsche Seenotretter bei der Suche vor?

Stipeldey: Unmittelbar nach dem Empfang des Notrufs beginnt die Küstenfunkstelle der lokalen Seenotretter mit der Koordination. Der Notruf wird dann von Land aus an alle Schiffe in der Nähe weitergeleitet. Die Seenotretter errechnen dann anhand der Wetter- und Strömungsverhältnisse ein Suchfeld. Das wird dann meist in parallele Suchstreifen eingeteilt, die von den Schiffen abgefahren werden. Helikopter unterstützen die Suche aus der Luft.

SPIEGEL ONLINE: Kann man im Wasser auch etwas tun, um von den Seenotrettern schneller gefunden zu werden?

Stipeldey: Langsames Auf- und Abbewegen der Arme und lautes Rufen können helfen, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Aber auch da gilt: Man sollte abwägen, wie viel Kraft das kostet und ob sich die Retter tatsächlich schon in Sicht- oder Hörweite befinden.



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comfortzone 20.08.2018
1. An der Sache ist etwas faul
ich glaube die Version nicht - und halte es für ausgeschlossen, dass jemand bei Seegang und ohne Schwimmweste 10 Stunden im Meer überlebt - warten wir ab, welche Wendung die Geschichte noch nimmt.
M. Vikings 20.08.2018
2. 10 Stunden im offenen Meer sind ziemlich gut.
Aber wie gesagt, entscheidend sind Wassertemperatur und Seegang. Das Wasser zwischen Klamotten und Körper wird durch die Körpertemparatur noch etwas angewärmt. Das Totenkopf Schwimmabzeichen gab es in drei Kategorien. Für 1 Std. schwimmen gab es das in Schwarz, für 1,5 Std. in Silber und für zwei Stunden in Gold. Da waren alle scharf drauf. Hatte man das an der Badehose, war man der King im örtlichen Freibad oder am Strand. Damit konnte man schön vor den Nixen angeben. Irgendwann in den 70ern wurde das nicht mal mehr im Freibad oder nur noch in Ausnahmefällen abgenommen. Der DLRG hat das gar nicht mehr gemacht, weil es einfach zu oft zu Unterkühlungen kam. Drei Stunden im Meer habe ich auch schon geschafft, aber natürlich nicht unter derartigen Bedingungen, kein Land in Sicht, kein Schiff in der Nähe. Respekt.
sändling 20.08.2018
3. @Comfortzone – warum soll an der Sache was faul sein?
Die Dame sieht auf den Fotos doch sehr fit aus, und mental stark scheint sie ja auch zu sein. Ich traue es ihr ohne Weiteres zu, zehn Stunden im warmen Wasser zu treiben. Abgesehen davon ist das ja nicht gerade rekordverdächtig viel. Die australische Schwimmerin Penny Palfrey brauchte fast 41 Stunden für ihren kleinen Schwimmausflug zwischen den Cayman Islands in der Karibik. Dabei legte sie 108 Kilometer zurück – natürlich ohne fremde Hilfe.
aliof 20.08.2018
4. Sehr gut nachvollziehbar
.. dieser spannende und informative Bericht. Allerdings wurde der Faktor Ernährungszustand als ein überlebenswichtiges Kriterium für einen längeren Aufenthalt im Wasser wohl nicht von allen Lesern komplett verstanden. Ohne jetzt unhöflich werden zu wollen, kann man dazu auch Unterhautfettgewebe sagen. Und da sind unsere Damen meist im Vorteil. Herzlichen Glückwunsch dieser britischen Lady, und den Helfern zu ihrem Erfolgserlebnis !!!
herm16 20.08.2018
5. wie oft
ist sowas schon vorgekommen? Und deshalb so ein Artikel
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