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Norwegischer Massenmörder: Anwalt bezeichnet Breivik als geisteskrank

Er wähnt sich im Krieg und hält seine Tat für notwendig: Der norwegische Attentäter Anders Breivik ist nach Einschätzung seines Anwalts vermutlich geisteskrank. Zudem habe er sich vor dem Doppelanschlag mit Drogen aufgeputscht.

Hamburg - "Mit hoher Wahrscheinlichkeit psychisch gestört" - so sieht der Anwalt des norwegischen Attentäters Anders Breivik seinen Mandaten. Verteidiger Geir Lippestad sagte auf einer Pressekonferenz in Oslo, der ganze Fall deute darauf hin, dass sein Mandant geisteskrank sei. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, ob Breivik auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren würde.

Ein solcher Schritt könnte seinem Mandanten möglicherweise schwerfallen, erklärte Lippestad. Immerhin sehe sich Breivik selbst "als einzige Person, die die Wahrheit erkannt hat".

Breivik hatte den Doppelanschlag mit 76 Totengestanden, hält sich aber für unschuldig. Sollte das Gericht ihn für unzurechnungsfähig erklären, wäre die dauerhafte Einweisung in eine geschlossene und besonders gesicherte psychiatrische Einrichtung wahrscheinlich. Auf die Frage nach den Auswirkungen einer möglichen Unzurechnungsfähigkeit seines Mandaten sagte Lippestad: "Er kann nicht in einem Gefängnis bestraft werden."

Breivik glaube, er befindet sich in einem Krieg, so der Anwalt weiter. "Und wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen", beschrieb er die Sicht des Beschuldigten. Breivik denke, dass seine "Operation" nach Plan verlaufe, er wähne sich in einem "60 Jahre währenden Krieg". Sein Mandant sei sich weder der zahlreichen Opfer noch der Reaktion der Öffentlichkeit bewusst, so der Jurist.

Breivik habe vor der Tat Drogen genommen, die ihn stark und wach halten sollten, berichtete sein Anwalt. Um was für Substanzen es sich dabei handelte, ist nicht bekannt.

Die von der Justiz angekündigte rechtspsychiatrische Untersuchung des Attentäters dürfte nach Angaben des Anwalts sechs bis zwölf Monate dauern. Auch der Gerichtsprozess werde eine "ausgesprochen lange und komplizierte Angelegenheit", sagte er.

Die Anhörung vor dem Haftrichter fand am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie Lippestad nun sagte, fiel diese Entscheidung auch aus Sorge, Breivik könne Botschaften an mögliche andere Zellen senden. Der Attentäter hatte eine öffentliche Anhörung gefordert, um seine Ideologie erklären zu können.

Nach Angaben Lippestads sprach der 32-Jährige auch von weiteren Zellen in seiner Bewegung: zwei Zellen in Norwegen und noch etliche weitere im westlichen Ausland. Von zwei Zellen in seinem Heimatland hatte Breivik schon in der ersten Anhörung vor Gericht gesprochen.

"Andere Konzeption der Wirklichkeit"

Bereits vor der heutigen Pressekonferenz hatte Lippestad erklärt, sein Mandant nehme die Welt um ihn herum anders wahr, lebe in einer verschrobenen Realität. "Er hat eine völlig andere Konzeption der Wirklichkeit als wir anderen Norweger", sagte Lippestad. "Zum Beispiel glaubt er, dass in norwegischen Gefängnissen Folter existiert."

Laut seinem Anwalt hatte Breivik erwartet, auf dem Weg zum Gericht angegriffen und möglicherweise sogar getötet zu werden. Tatsächlich hatten einige Personen den Gefangenentransport attackiert, einen Anschlag gab es jedoch nicht. Breivik rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, das Gefängnis je wieder verlassen zu dürfen.

Breivik sitzt für die kommenden acht Wochen in Untersuchungshaft, die ersten vier Wochen verbringt er in Isolationshaft: Er darf keinen Besuch empfangen und mit niemanden sprechen außer mit seinem Anwalt.

hut/dpa/AP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 135 Beiträge
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1. wunderbar
janne2109 26.07.2011
und dann kommt er in eine Klinik oder wie?? Der ist zwar für unsere Denke geisteskrank, aber vom medizinischen Standpunkt ist er es nicht. Seine Schrift ist in einem überaus guten und gepflegten Englisch geschrieben, er kann auch von der Intelligenz her nicht dumm sein und hat eine sehr gute Schulbildung. Der ist einfach nur verblendet und wenn man in seiner Verblendung zu so einer Tat greift, muss er bestraft werden. Lebenslänglich!
2. Teuflische Dreistigkeit oder Cleverness?
dongiovanni25 26.07.2011
...tja, in demokratischen Rechtsstaaten haben auch Massenmörder ihre Rechte, und sind sie pathologisch krank, und dann auch noch mit Drogen zugedröhnt, wird die Gesellschaft und der Steuerzahler für sie aufkommen, um sie zu therapieren(?). Anklage, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, der Mörder sieht sich im Krieg... tja, habe mal gelesen, dass auch Krieger und Soldaten der Staaten oft unter Aufputschmittel und Drogen stehen würden, um Hemmschwellen abzubauen... so gesehen...kann es auch eine gute Taktik sein, die Gesellschaft wird diskutieren. So oder so.
3.
Arne11 26.07.2011
Zitat von sysopEr wähnt sich im Krieg und hält seine Tat für notwendig: Der norwegische Attentäter Anders Breivik ist nach Einschätzung seines Anwalts vermutlich geisteskrank. Zudem habe er sich vor dem Doppelanschlag mit Drogen aufgeputscht. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,776701,00.html
Er zitiert viel & gerne, über Winston Churchill & Stuart Mills bis zu Theo van Gogh. Wäre er nicht geisteskrank müsste er zumindest ansatzweise bemerken dass kein einziges dieser Zitate eine Rechtfertigung für ihn sein kann...
4. re
Chris110 26.07.2011
Zitat von janne2109und dann kommt er in eine Klinik oder wie?? Der ist zwar für unsere Denke geisteskrank, aber vom medizinischen Standpunkt ist er es nicht. Seine Schrift ist in einem überaus guten und gepflegten Englisch geschrieben, er kann auch von der Intelligenz her nicht dumm sein und hat eine sehr gute Schulbildung. Der ist einfach nur verblendet und wenn man in seiner Verblendung zu so einer Tat greift, muss er bestraft werden. Lebenslänglich!
na ja, sein Anwalt muss das behaupten. Das ist eine legitime Verteidigungsstrategie. Stimmen tut es aber nicht. Der ist im pathologischen Sinne wohl kaum geisteskrank. Aber das werden sowieso die Ärzte entscheiden. Diverse Diktatoren in der Geschichte gelten ja auch nicht als geisteskrank, im medizinischen Sinne.
5. Einsperren und niemehr raus lassen!
ErnstB. 26.07.2011
Dieser Kerl sollte so schnell wie möglich und auf Ewigkeit in einem dunklen Verlies eingesperrt werden. Man sollte ihm keine Möglichkeit geben seinen Wahn auch noch in der Öffentlichkeit auszuleben. Dann fallen seine Taten auf ihn selber zurück und die Ermordeten werden ihn verfolgen und das 24 Stunden am Tag. Unzurechnungsfähig? Der wusste genau was er tat. Keinen langen Prozess bitte!
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Anschläge in Norwegen: Ein Rosenmarsch gegen den Terror

Waffen in Norwegen
Zahlen
Die Zahl der Schusswaffen, die sich in Privatbesitz befinden, wird auf rund 1,4 Millionen geschätzt, bei einer Bevölkerung von etwa fünf Millionen Menschen. Die hohe Zahl ist vor allem auf die Jagd zurückzuführen: Nach Angaben der Behörden besaß vor drei Jahren ungefähr jeder zehnte Norweger eine Jagdlizenz. Ähnlich beliebt ist das Sportschießen.
Waffengesetze
Die Waffengesetze Norwegens sind vergleichsweise strikt. Privater Waffenbesitz ist möglich, allerdings unter strengen Auflagen. Dass auch sie nicht vor grausamen Verbrechen schützen, beweist der Massenmord durch Anders Breivik: Er hatte seine Schusswaffen offenbar auf legalem Weg erworben.
Allgemeine Vorschriften
In Norwegen dürfen laut dem Waffengesetz "vernünftige und verantwortungsbewusste" Personen ab 18 Jahren Schrotflinten und Gewehre besitzen. Handfeuerwaffen sind ab 21 erlaubt. Wer einen Waffenschein haben möchte, muss seine Gründe darlegen. Meistens werden hier die Jagd oder Sportschießen genannt. Es darf keine Vorstrafe vorliegen. Dies traf auf Anders Breivik zu.
Waffenbesitz für die Jagd
Die meisten Waffenscheine werden in Norwegen für die Jagd vergeben. Für die Jagdlizenz müssen Anwärter einen 30-stündigen Kurs absolvieren. Zudem müssen sie einen Multiple-Choice-Test bestehen. Der Jagdschein muss jährlich erneuert werden, allerdings nur durch die Entrichtung einer Gebühr. Breivik erwarb die halbautomatische Schnellfeuerwaffe "Ruger Mini 14", die die Standardmunition westlicher Streitkräfte verschießt, offenbar auf diesem Weg. "Ich habe den einwöchigen Jagdkurs absolviert", schreibt er im September 2010 in sein Tagebuch. "Die Polizei hat keinen Grund, meinen Antrag abzuweisen."
Waffenbesitz für das Sportschießen
Wer als Sportschütze einen Waffenschein erwerben will, muss einen mindestens neunstündigen Sicherheitskurs absolvieren, der zu zwei Dritteln aus praktischen Übungen mit der Waffe besteht. Der Kurs endet mit einem schriftlichen Test, der allerdings kürzer ist als im Fall des Jagdscheins. Nach dem bestandenen Test müssen die Anwärter über einen Zeitraum von sechs Monaten mindestens 15 Mal an einem Training im Schützenverein teilnehmen. Erst danach darf man einen Waffenschein beantragen. Auch seine Pistole, eine halbautomatische "Glock 17" scheint Breivik auf diesem vorgeschriebenen Weg erworben zu haben: "15-mal Training im November, Dezember und Januar wurden abgeschlossen und dokumentiert. Der Antrag für eine Glock 17 wurde Mitte Januar abgeschickt", schreibt Breivik in seinem Tagebuch.
Unterbringung von Waffen
Waffen und Munition müssen in einem verschlossenen Schrank gelagert werden. Der Polizei ist es erlaubt, die Unterbringung zu überprüfen.

Transport von Waffen
Das Mitführen von Waffen an öffentlichen Plätzen ist streng geregelt. Der Besitzer darf nur aus bestimmten Gründen Waffen transportieren, etwa wenn sie zur Reparatur müssen oder er auf dem Weg zur Jagd ist. Die Waffen dürfen nicht geladen und nicht nach außen hin sichtbar sein. Es ist verboten, sie am Körper zu tragen. Selbst Polizisten tragen in Norwegen im Normalfall keine Pistolen bei sich. Die Waffen müssen im Polizeiwagen in einer verschlossenen Box gelagert werden. Die Beamten dürfen sie erst herausholen, wenn sie die Erlaubnis eingeholt haben. Insofern war schon das Auftreten Breviks ungewöhnlich, als er auf der Insel ankam: Er soll zwei Waffen offen getragen haben.
"Abscheuliche Akte der Gewalt"

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Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
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Regierungschefin:
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