Notsignal vor Korfu Schiff mit Hunderten Migranten in Seenot

Erneut hat ein Schiff vor der Küste Korfus ein Notsignal abgesetzt - diesmal mit Hunderten Flüchtlingen an Bord. Unter den Passagieren sollen auch bewaffnete Schleuser sein. Die Küstenwache versucht, sich ein Bild von der Lage zu machen.


Athen/Hamburg - Ein Frachter mit vermutlich mehr als 600 Migranten an Bord ist westlich der griechischen Insel Korfu in Seenot geraten. Das gaben das Verteidigungsministerium in Athen und die griechische Küstenwache bekannt. Per Hubschrauber versuche man, sich ein Bild von der Lage zu machen, sagte ein Offizier der Küstenwache. Auch Schnellbote und eine Fregatte der griechischen Marine seien unterwegs.

Es seien vermutlich bewaffnete Personen an Bord, berichtete der staatliche Sender Nerit, ohne weitere Details zu nennen. Es hieß lediglich, die Lage an Bord stehe im Zusammenhang mit "illegalen Einwanderern". Die Küstenwache geht nach eigenen Angaben davon aus, dass es sich bei den Bewaffneten um Schleuser handelt.

Internationale Schleuserbanden versuchen immer wieder, Migranten über das Mittelmeer nach Europa zu bringen. Tausende flüchtlinge sind dabei in den vergangenen Monaten ums Leben gekommen. Ende November waren rund 600 Migranten aus dem Nahen Osten nach einer Havarie eines Frachters auf Kreta sicher gelandet.

Im aktuellen Fall wurde das Notsignal nach Informationen von SPIEGEL ONLINE nicht vom Kapitän des Schiffes abgesetzt. Jemand an Bord wählte offenbar den Notruf und informierte die Behörden. Das Schiff habe einen mechanischen Schaden und treibe ab. Nach ersten Einschätzungen bestehe aber keine Gefahr, dass der Frachter untergehen könnte, berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Kreise der Küstenwache.

Laut Hafenverwaltung der Insel Korfu sendete das Schiff um 12.34 Uhr ein SOS-Signal. Der Frachter fährt unter der Flagge der Republik Moldau und trägt den Namen "Blue Sky M". Momentan soll das Schiff etwa drei Seemeilen vor Korfu liegen. Nach Angaben des Tracking-Portals "Marinetraffic.com" ist die "Blue Sky M" auf dem Weg vom türkischen Hafen Korfez nach Rijeka in Kroatien. Das Schiff hat eine Länge von 82 Metern.

Wenige Kilometer von der aktuellen Position der "Blue Sky M" entfernt war es erst am Wochenende zum Brand auf der Autofähre "Norman Atlantic" gekommen. Deshalb sind derzeit noch mehrere Rettungskräfte in dem Gebiet im Einsatz.

rls/jbe/dpa/Reuters - Mitarbeit: Giorgos Christides

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