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Terrortrio: NSU-Opfer erhalten 900.000 Euro Entschädigung

Sie verloren Angehörige durch den Neonazi-Terror und wurden von der Polizei als Verdächtige behandelt. Wie nun bekannt wurde, sind NSU-Opfer vom Staat entschädigt worden. Weitere Zahlungen seien unwahrscheinlich, heißt es in einem Zeitungsbericht.

Berlin - Die Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) sind von der Bundesregierung mit 900.000 Euro entschädigt worden. Das teilte das Bundesjustizministerium mit. Die Entschädigungszahlungen stammen aus einem Fonds für die Opfer extremistischer Übergriffe, der nach Bekanntwerden der rechtsextremen Mordserie um eine Million Euro aufgestockt worden war.

Angehörige und überlebende Opfer sollten als rasches politisches Signal unbürokratisch eine Pauschale zwischen 5000 und 10.000 Euro erhalten. Darüber hinaus wurden laut Ministeriumsangaben nach einer Einzelfallprüfung zusätzliche Härtefall-Leistungen gewährt, die in der Summe von 900.000 Euro enthalten sind.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) hatte zuvor unter Berufung auf einen Bericht des Bundesamtes für Justiz eine Summe von rund 830.000 Euro genannt - diese Zahl stammt jedoch von August und ist inzwischen überholt.

Zur genauen Verteilung der Gelder wollte sich das Justizministerium aus Rücksicht auf die Betroffenen nicht äußern. Schließlich sei der Tod eines nahen Angehörigen ohnehin nicht mit Geld aufzuwiegen, erklärte eine Sprecherin.

Die NOZ berichtete unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesjustizministeriums vom März 2012, dass Ehepartner und Kinder der ermordeten neun Kleinunternehmer eine Pauschale von je 10.000 Euro erhalten, Geschwister 5000 Euro. Die Familien bekommen zudem die Beerdigungskosten erstattet. An die Betroffenen der beiden Bombenanschläge in Köln seien insgesamt 140.000 Euro überwiesen worden.

Weitere Entschädigungen sind dem Bericht zufolge eher unwahrscheinlich, da das Bundesamt für Justiz über die vorliegenden Anträge für Härteleistungen im Wesentlichen entschieden habe.

Der NSU wird für die Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und einer Polizistin verantwortlich gemacht. Das rechtsextreme Trio flog vor etwa einem Jahr auf, als Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sich nach einem missglückten Bankraub das Leben nahmen und Beate Zschäpe die konspirative Wohnung in Zwickau in Brand setzte.

hut/dapd/AFP

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