Nürnberger Eisbärenkindl "Flocke" wird getauft

Fast 24.000 Vorschläge sind eingegangen, nun wird entschieden: Das Nürnberger Eisbärenbaby soll einen offiziellen Namen bekommen. Das flauschige Tierkind gedeiht derweil weiterhin prächtig.


Nürnberg - Am Freitag ist es soweit, dann wird "Flocke" getauft. Doch von Aufregung keine Spur bei dem Eisbärenbaby. Es ist noch immer unbekümmert und sehr munter, wie Tiergarten-Chef Dag Encke versichert. Das Tier wiege mittlerweile 2800 Gramm. Die Körpertemperatur sei normal. "Die Mitarbeiter gehen davon aus, dass weiterhin keine Komplikationen auftreten werden", sagte Encke.

Scharfe Kritik am Umgang des Zoos mit den Medien kam derweil von der Tierrechtsorganisation PETA. Die Verantwortlichen hätten zurückhaltender informieren und den Eisbärenmüttern so ihre Ruhe sichern müssen, sagte Zookritiker Frank Albrecht. Weil das Gehege nicht abgesperrt wurde, hätten die Eisbärinnen so nervös reagiert.

Die Herausnahme des letzten verbliebenen Jungtieres sei dennoch überstürzt gewesen. "Man hätte das Jungtier bei der Mutter lassen und notfalls auch sterben lassen sollen", sagte Albrecht. Doch der Zoo sei unter politischem Druck eingeknickt. Er wandte sich grundsätzlich gegen die Eisbärenhaltung im Zoo.

Beide Tiere seien schwer verhaltensgestört. Sie liefen nervös auf und ab und verdrehten dabei immer wieder den Kopf. Auch für das von Hand aufgezogene Jungtier seien Psychosen zu erwarten. So sei der Berliner Eisbär Knut schon derart auf männliche Besucher geprägt, dass er zu einem normalen Sozialverhalten unter Eisbären gar nicht mehr fähig sei. "Alle Handaufzuchten werden Problembären", warnte Albrecht.

Tiergarten-Direktor Dag Encke wies die Kritik der Tierrechtler als zu pauschal zurück. Eisbärin Vilma, die ihre beiden Babys aufgefressen hatte, gehe es bereits wieder sehr gut. Nur Vera, die Mutter des nun per Flasche ernährten Weibchens, reagiere noch argwöhnisch, wenn Trubel vor ihrem Gehege entstehe. "Aber manchmal haben wir sowieso den Eindruck, dass unsere Tiere zu stressarm leben", sagte Encke: "Die brauchen hin und wieder einen Adrenalinstoß."

jdl/ddp



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