Nürnberger PCB-Skandal Sind noch mehr Schulen belastet?

Drei Wochen nach der Entdeckung erhöhter PCB-Werte im Blut von Schülern einer Nürnberger Schule steht fest: Der Nürnberger Skandal ist kein Einzelfall.


Die betroffene Georg-Ledebour-Schule in Nürnberg: Wegen des Verdachts krebserregender Stoffe in den Klassenzimmern hat die Stadt die sofortige Schließung und den Abriss beschlossen
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Die betroffene Georg-Ledebour-Schule in Nürnberg: Wegen des Verdachts krebserregender Stoffe in den Klassenzimmern hat die Stadt die sofortige Schließung und den Abriss beschlossen

Nürnberg - Mehr als die Hälfte der 377 untersuchten Schüler weist erhöhte PCB-Werte im Blut auf. Nach Einschätzung von Experten konnte damit offenbar ein Zusammenhang zwischen hoher PCB-Belastung in der Raumluft und den Blutwerten der dort unterrichteten Schüler hergestellt werden.

Wegen der aufwendigen Labor-Untersuchungen wurde das Ausmaß des Skandals zunächst nicht eindeutig klar. Nun wollen die Betroffenen nicht nur gegen die Stadt, sondern wahrscheinlich auch gegen das Bundesland Bayern klagen. Nach Auskunft des Bundesumweltamtes schädigt PCB das Nervensystem, das Immunsystem und die Leber. Zudem beeinflussten sie das Hormonsystem und damit den gesamten Stoffwechsel.

Sind die Nürnberger Werte korrekt?

Ob die Vorfälle an der Nürnberger Georg-Ledebour-Schule tatsächlich einen Zusammenhang zwischen PCB-Raumluftbelastung und Blutwerten herstellen, wird von einigen Experten allerdings bezweifelt. Der Umweltmediziner Hans Drexler aus Erlangen, der im Auftrag des bayerischen Gesundheitsministers Eberhard Sinner (CSU) eine Studie zur PCB-Belastung der Georg-Ledebour-Schule erstellt, betont, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die bisherigen Messungen eines Nürnberger Labors nicht korrekt seien. Möglicherweise gebe es keine erhöhten Werte. Klarheit könne nur eine erneute Untersuchung bringen.

Fälle in anderen Bundesländern

Auch in anderen Bundesländern machen Eltern Front gegen belastete Klassenräume. In Nordrhein-Westfalen gehören mehr als hundert Elterngruppen der Initiative "Schulen ohne Gift" an. Die Schulleitungen stünden in Nordrhein-Westfalen jedoch meist auf Seiten des jeweiligen Trägers, da sie um den guten Ruf der Schule fürchteten, so der Vorwurf der Elternvertreter. Zudem würden Eltern und Lehrer gezielt eingeschüchtert. Bundesweit seien rund ein Drittel aller 45.000 Schulen mit PCB belastet. Ein großer Teil der Gebäude sei jedoch noch nicht einmal getestet.

Aussicht auf Erfolg habe derzeit die Klage eines 15-jährigen Schülers gegen die Stadt Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen. Der über die Raumluft seines Klassenzimmers mit PCB verseuchte Junge fordere Schmerzensgeld und Schadenersatz für einen Gehirntumor. Nun müsse die Stadt beweisen, dass die PCB-Belastung nicht gesundheitsgefährdend gewesen sei.



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