Österreich Amstetten entzieht Hitler Ehrenbürgerwürde

73 Jahre lang war Adolf Hitler ihr Ehrenbürger. Jetzt hat die österreichische Gemeinde Amstetten dem toten Diktator den Status offiziell aberkannt - rechtzeitig zur 900-Jahr-Feier der Kleinstadt. 


Wien - Auch 66 Jahre nach seinem Tod ist Adolf Hitler noch immer Ehrenbürger einiger deutscher und österreichischer Städte. Eine von ihnen war bis zu diesem Dienstag die Stadt Amstetten in Niederösterreich. Der Gemeinderat der Kleinstadt habe dem toten Diktator nun den Ehrenbürger-Status aberkannt, berichtete der ORF auf seiner Internetseite.

In Amstetten war bereits vor Jahren über das Thema diskutiert worden. "Es gab die Meinung, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod automatisch erlischt", sagte Bürgermeister Herbert Katzengruber. Die Gemeinde hatte dem Diktator 1938 die Ehrenbürgerschaft verliehen, nachdem er ein Jahr zuvor den Ort besucht hatte.

Erst nach einem neuen Hinweis des grünen Gemeinderates Raphael Lueger wurde nun im Zuge der Vorbereitungen auf die 900-Jahr-Feier der Kleinstadt ein Schlussstrich gezogen.

In Waidhofen an der Ybbs, gut 20 Kilometer südlich von Amstetten, sieht man dagegen keine Möglichkeit zu handeln. Aus dem Gemeindeamt erhielt die Nachrichtenagentur APA am Dienstag die Auskunft, bei einer Ehrenbürgerschaft handle es sich um ein "höchstpersönliches Recht", das mit dem Tod erlösche. Ein Widerruf sei daher rechtlich gar nicht möglich.

Die Kleinstadt Amstetten war im Jahr 2008 durch die Aufdeckung eines Inzestfalls ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit gelangt. Der Familienvater Josef F. hatte seine Tochter jahrelang in einem Kellerverlies gefangengehalten, sie mehrfach vergewaltigt und mit ihr mehrere Kinder gezeugt.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Amstetten liege in Oberösterreich. Tatsächlich liegt die Stadt in Niederösterreich. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

seh/dpa



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