Österreich Proteste gegen Wiener Opernball

15.000 Menschen haben vor der Staatsoper gegen den Ball und die Mitte-rechts-Regierung demonstriert. Trotz vieler Absagen internationaler Persönlichkeiten war die Staatsoper aber auch in diesem Jahr ausverkauft. Ein als Hitler verkleideter Demonstrant versuchte, sich unter die Ballbesucher zu mischen.


Wien - Österreichs feine Gesellschaft hat trotz aller außenpolitischen Schwierigkeiten des Landes und trotz der Proteste von 15.000 Demonstranten in der Nacht zum Freitag den Wiener Opernball zelebriert. Zum traditionellen Höhepunkt des Faschings eröffneten 320 "Jungdamen" und "Jungherren" im angeblich schönsten Ballsaal der Welt das Tanzvergnügen. Nachdem die Polizei das Gebäude der Staatsoper in der Innenstadt großräumig abgesperrt hatte, verlief die Demonstration gegen diesen Staatsball und gegen die neue rechtskonservative Regierung ohne größere Zwischenfälle.

Sorgte für Aufsehen: Ein als Hitler verkleideter Demonstrant
AP

Sorgte für Aufsehen: Ein als Hitler verkleideter Demonstrant

Obwohl der portugiesische Staatspräsident Jorge Sampaio wegen der politischen Isolierung Österreichs durch seine 14 EU-Partner seinen Besuch abgesagt hatte, blieb das Motto "Portugal" bei diesem Staatsball erhalten. Der Saal war mit vielen tausend Orchideen aus Madeira geschmückt, 400 Liter portugiesischer Wein labte die Tänzer. Nach der traditionellen Eröffnung mit den Worten "Alles Walzer und viel Vergnügen!", stürmten die 5000 Ballbesucher die Tanzflächen.

Die Gästeliste wurde von Bundespräsident Thomas Klestil und der gesamten umstrittenen neuen Regierung angeführt. Gesichtet wurden der Schlagersänger Hansi Hinterseer, der Musikproduzent Jack White, der Filmregisseur Franz Antel, der Schauspieler Fritz Muliar und der "Schüttkünstler" Hermann Nitsch. Zahlreiche Mitglieder der Familie Piëch führten in der VW-Porsche-Loge die Schar der Unternehmer an. Die Wiener Society-Größe Richard "Mörtel" Lugner, hatte gegen Honorar die "Peep"-Moderatorin Nadja "Naddel" ab del Farrag mitgebracht.

Viele Demonstranten hatten sich als Prinzessinnen, Taucher, Monster, Mars-Männchen, Clowns oder Teufel verkleidet. Einem als Hitler verkleideten Schauspieler gelang es, trotz der Absperrungen in einer weißen Limousine vor der Staatsoper vorzufahren. Er wurde aber von der Polizei festgenommen.



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