42-fach geblitzter Österreicher "Das Schild hab ich wohl übersehen"

Heimo Wallner ist innerhalb weniger Wochen 42 Mal an derselben Stelle geblitzt worden. Wie kam es dazu? Und wie viel muss er zahlen?

Blitzer in Hamburg
DPA

Blitzer in Hamburg

Ein Interview von Felix Keßler


Heimo Wallner ist 45 Jahre alt und arbeitet seit rund 15 Jahren als Bäcker. Anfang des Jahres trat er einen neuen Job bei einer Bäckerei in Klagenfurt an, rund 50 Kilometer von seinem Wohnort Friesach in Südösterreich entfernt. Der Rückweg vom neuen Arbeitsplatz nach Hause führt Wallner durch eine Tempo-30-Zone, in der ein Blitzer steht. Dort war der achtfache Vater zu schnell unterwegs - und das nicht nur einmal.

Heimo Wallner mit seiner Frau
Heimo Wallner

Heimo Wallner mit seiner Frau

SPIEGEL ONLINE: Wie schafft man es, 42 Mal an derselben Stelle geblitzt zu werden?

Heimo Wallner: Wenn es doch bloß ein echter Blitzer gewesen wäre! Dann hätte ich meinen Fehler nach dem ersten Mal im März erkannt und wäre fortan natürlich langsamer gefahren. Weil es aber ein neues Gerät mit Infrarotmessung war, habe ich das Auslösen nicht gesehen. Ich bin also 42 Mal mit etwas zu hoher Geschwindigkeit durch eine 30er-Zone gefahren.

SPIEGEL ONLINE: Gab es denn keine Markierungen?

Wallner: Doch, die gab es. Ich kannte mich in der Gegend allerdings nicht aus, hatte gerade meinen neuen Job angefangen. Außerdem bin ich die Strecke immer nur auf dem Heimweg in den frühen Morgenstunden gefahren. Meist zwischen 3 und 6 Uhr. Das Schild habe ich da wohl übersehen.

Im Video: Blitzer-Jäger - Radarkontrollen auf dem Prüfstand

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SPIEGEL ONLINE: Sie haben also 42 einfache Bußgeldschreiben bekommen? Oder kamen die irgendwann gesammelt?

Wallner: Insgesamt waren es sogar noch mehr Schreiben. Denn bevor ein Bußgeldbescheid kommt, erhält man in Österreich zunächst ein Schreiben mit einer "Lenkererhebung"; für jeden Vorfall eines. Die muss man ausfüllen und bestätigen, dass man selbst gefahren ist. Das erste kam ungefähr sechs Wochen, nachdem ich das erste Mal zu schnell gefahren war. Erst danach kamen die Bußgeldbescheide, wiederum einzeln. Insgesamt sind mehr als 80 Briefe bei mir eingetrudelt.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es jetzt eigentlich 42 verschiedene Blitzerfotos von Ihnen?

Wallner: Nein, Fotos vom Fahrer sind in Österreich nicht üblich. Meist wird nur das Heck des Fahrzeugs fotografiert.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel Geld mussten Sie zahlen?

Wallner: Etwas mehr als 3000 Euro waren es letztendlich. Wir wollten eigentlich mit der Familie in den Urlaub fliegen und hatten uns schon Angebote eingeholt. Es sollte nach Griechenland gehen. Zum Glück war aber noch nichts gebucht. Jetzt wird es wohl ein Urlaub in Österreich.

SPIEGEL ONLINE: Offenbar wollen Radiohörer Spenden für Sie sammeln, damit Sie mit der Familie doch noch verreisen können.

Wallner: Das habe ich auch gehört. Einen Aufruf dazu gab es von mir aber nie! Ich habe meinen Fehler ja eingesehen und die Strafe bezahlt. Als Raser sehe ich mich nicht, denn ich bin ja nicht mit Absicht zu schnell gefahren. Aber natürlich habe ich einen Fehler gemacht. Wir fahren mit der Familie dann einfach nächstes Jahr nach Griechenland.



insgesamt 42 Beiträge
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Nania 22.08.2018
1.
Vorne weg: ich halte Blitzer durchaus für sinnvoll. Ursprünglich komme ich aus einer Region mit vielen "Straßendörfern", in denen, wenn dort kein Blitzer steht, unheimlich viel gerast wird. Aber Blitzer sind in erster Linie dazu da, den Verkehr zu verlangsamen, bestimmte Stellen zu entschärfen und natürlich, im Falle das geblitzt wird, denjenigen, der geblitzt wird, freundlich, aber nachdrücklich, daran zu erinnern, dass hier doch langsamer gefahren werden soll. So sehr ich auch Anhänger der Fraktion bin, dass, wer zu schnell fährt, selbst Schuld ist, sehe ich persönlich in einem Blitzer, der nur und ausschließlich infrarot blitzt, keinen Lerneffekt für die Fahrerinnen und Fahrer, oder maximal einen, der erst Wochen später erfolgt. Blitzt es sofort, weiß ich als Autofahrer in dieser Sekunde, dass ich zu schnell war und passe meine Fahrweise dementsprechend an. Auch deshalb stehen an den erwähnten Straßendörfern die Blitzer meist am Ortseingang. Selbst wenn man geblitzt wird, bremst man doch in der Regel danach ab - außer man ist ein unbelehrbarer Raser (so erscheint mir der Mensch in diesem Artikel aber nicht zu sein) - und durchquert die entsprechende Passage bis zur nächsten Geschwindigkeitsbegrenzung (oder Aufhebung derselbigen) in langsamerem Tempo. Ich finde es persönlich außerdem ziemlich happig, dass es so lange gedauert hat, bis die Bescheide zugestellt worden sind. Denn vermutlich wäre weniger Geld fällig gewesen UND für mehr Verkehrssicherheit gesorgt worden, wenn die Bescheide zügig zugestellt werden würden. Und nicht mit wochenlanger Verspätung.
Zahlenfresser 22.08.2018
2. Willkommen im Club
Da kann ich mitreden: Bin eine Strecke auf der A5 nach Karlsruhe schon 1000e Mal gefahren. Kein Tempolimit dort. Bis plötzlich auf einen Tag auf den anderen dort bei Baden-Baden 2 km lang Tempo 80 ist. Weil die Verkehrsbehörde "glaubte", eine Autofahrerin sei nur deswegen nach rechts abgekommen wegen dem neuen "Flüsterasphalt". Habe nur nichts davon mitbekommen. Tage später fahre ich an einem Sonntag früh morgens halb 8 eine Strecke von 100 km, 3-spurig, hell, trocken, immer nur geradeaus. Weit und breit kein Auto vor mir oder hinter mir. Langweilig öde, fahre ich gleichbleibend Tempo 150 vor mich hin. Na ja, bis auf 2 Polizisten in einem Zivilfahrzeug in einer seitlichen Bucht mit manuellem fön-artigem Meßgerät: 70 zu schnell, 3 Monate Fahrverbot, paar hundert Euro Strafe. PS. Nach wenigen Wochen wurde festgestellt, dass der Flüsterasphalt doch nicht schuld war, Tempo-80 wurde wieder abgebaut.
hansriedl 22.08.2018
3. 42 Mal an derselben Stelle geblitzt zu werden?
Offenbar war immer so Dunkel das der gute Mann die Hinweisschilder auch 42 mal übersehen hat. Auch die Strafbescheide plus Mahnungen die anscheinend ungeöffnet in der Schublade versenkt wurden. Nun steckt auch die Justiz in der Klemme. Führerschein Entzug ist zugleich Jobverlust, und das mit acht Kinder. Diese modernen Blitzgeräte erkennt man an den Säulen am Strassenrand. Trotzt seinen Verfehlungen wünsche ich ihm, das die Spenden für einen Urlaub mit der Familie reichen. Vielleicht auch für eine neue Brille.
scsimodo 22.08.2018
4. Seltsame Logik!
"Als Raser sehe ich mich nicht, denn ich bin ja nicht mit Absicht zu schnell gefahren!" Ach nur die, die das mit Absicht machen sind Raser? Interessant! Absicht zählt doch nicht, zu schnell ist zu schnell! Da sind auch 8 Kinder oder eine "weite" Pendelstrecke (50km, selten so gelacht!!!) kein Argument! Er ist einsichtig und zahlt, ist m.E. für österreichische Verhältnisse eh ein Schnäppchen...
chalchiuhtlicue 22.08.2018
5. Geschieht ihm recht
Zusätzlich müsste sein Führerschein noch für 6 Monate eingezogen werden, denn 42 mal nicht zu erkennen, dass man durch eine Tempo 30-Zone fährt, lässt Zweifel an der Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges aufkommen.
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