Österreichs Sex-Affäre: FPÖ-Politiker bestreitet Vorwürfe

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In der Sex-Affäre um den Abgeordneten der Haider-Partei Patrick Ortlieb, 33, hat sich der ehemalige Ski-Rennläufer nun erstmals selbst geäußert und alle Vorwürfe zurückgewiesen. Für ihn sei die Sache damit erledigt, teilte er mit. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber weiter.

"Keine strafrechtlich relevanten Handlungen" will Patrick Ortlieb mit der 34-jährigen Frau begangen haben
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"Keine strafrechtlich relevanten Handlungen" will Patrick Ortlieb mit der 34-jährigen Frau begangen haben

Innsbruck - Sich selbst bezeichnete der Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) als "Auskunftsperson" in der Ermittlung um die verwirrte Frau vom Innsbrucker Flughafen. Und genauso sagte das Mitglied im österreichischen Nationalrat heute bei der Polizei in Innsbruck aus. Er habe "keine strafrechtlich relevanten" Handlungen vorgenommen, teilte er in einer anschließenden Erklärung mit.

Anlass für die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Vergewaltigung oder Schändung ist eine 34-jährige Frau, die die Polizei am vergangenen Dienstag im Parkhaus des Innsbrucker Flughafens gefunden hatte. Die Innsbruckerin war völlig verwirrt und nur noch spärlich bekleidet, neben ihr auf einer Bank fanden die Beamten ihre Unterwäsche und einen zerknüllten 1000-Schilling-Schein. Sie selbst konnte erst nach Stunden den ersten klaren Satz reden.

Kamera filmte mit

Der Verdacht der Ermittler richtet sich auf den ehemaligen Ski-Olympia-Sieger Ortlieb, da die Frau kurz vor dem Auffinden aus seinem Auto ausgestiegen war. Dabei filmte die Überwachungskamera mit. "Da die Frau offenbar vor ihrer Verwirrung mit Ortlieb zusammen war, haben wir ihn vernommen", sagte der Innsbrucker Staatsanwalt Rudolf Koll am Dienstag.

Bei seiner Vernehmung bestritt Ortlieb den Vorwurf der Vergewaltigung. Er gestand ein, mit der Frau im Innsbrucker Cafe "Filiou" mehrere alkoholische Getränke genossen zu haben. Anschließend habe er die 34-Jährige mit zum Flughafen genommen, damit sie ein Taxi findet. Er habe ihr noch ein bisschen Geld für das Taxi zugesteckt. Von einem intimen Akt mit der Frau wollte Ortlieb nichts wissen. In einer Erklärung teilte er mit, er habe durch seine Aussage die Vorfälle am Flughafen "lückenlos" aufklären können.

Wurde die Frau k.o. gesetzt?

Fest steht aber, dass die Frau kurz vor dem Eintreffen der Polizei Geschlechtsverkehr hatte. Ob dies mit Gewalt geschehen sei, wisse man noch nicht so genau, so Staatsanwalt Koll. Unklar ist ebenfalls, warum die Innsbruckerin völlig verwirrt war und ob Ortlieb damit etwas zu tun hat. Sie selbst sagte aus, sie könne sich an die Fahrt zum Flughafen überhaupt nicht mehr erinnern.

Die Fahnder wollen dies jetzt genau wissen und haben eine Blutanalyse in Auftrag gegeben. Ihr Verdacht: Der Frau wurden K.o.-Tropfen eingeflößt, um sie gefügig zu machen. Das wäre in der Tat ein strafrechtlich relevanter Vorwurf.

Das Ergebnis der Probe erwartet Ermittler Koll am Freitag dieser Woche. "Wir wollen wissen, wer die Frau womöglich betäubt hat", sagte Koll am Dienstag. Doch selbst wenn die Chemiker eine Droge im Blut der Frau nachweisen könnten, wäre das noch kein Beweis gegen Ortlieb. "Die Klärungschancen sind eher gering", sagte ein Polizeiermittler am Dienstag.

Opposition wirft Ortlieb Täuschung vor

Der politische Gegner will Ortlieb seine Version der Nacht trotzdem nicht abkaufen. "Wenn er die Öffentlichkeit für dumm verkaufen will, indem er treuherzig erklärt, er habe die Frau frühmorgens in das Parkhaus bringen müssen, damit sie dort leichter ein Taxi bekommt, werden ihm diese Geschichte nicht einmal die gutgläubigsten FPÖ-Wähler abnehmen", sagte der SPÖ-Politiker Walter Guggenberger. Die Leute seien "Gott sei Dank klüger, als es der FPÖ lieb" ist, zitierte ihn die Nachrichtenagentur APA.

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