Oktoberfest-Bilanz Mehr Alkoholopfer, mehr Schlägereien

Die Wiesn hat in diesem Jahr deutlich weniger Besucher angezogen als 2011 - trotzdem stieg die Zahl der Betrunkenen und der Maßkrug-Schlägereien. Eine Grenze sei überschritten, hieß es nach mehr als 2000 Einsätzen von der Polizei.

DPA

München - Sie tranken und sie prügelten sich: Trotz gesunkener Besucherzahl hat das Münchner Oktoberfest in diesem Jahr mehr Alkoholopfer und mehr Schlägerein erlebt als 2011. Wiesn-Chef Dieter Reiter sprach in seiner Bilanz von einer bayerischen, familienfreundlichen und gut besuchten Wiesn. Schausteller und Wirte seien zufrieden. Die Polizei indes erklärte, die Zahl ihrer Einsätze gehe über das normale Maß hinaus.

Das Bayerische Rote Kreuz versorgte in den zwei Festwochen 827 Betrunkene, 2011 waren es noch 777. Auf der Sanitätsstation mussten während des 179. Oktoberfestes rund 8400 Wiesnbesucher und -mitarbeiter behandelt werden. Das waren nach Angaben der Hilfsorganisation fast 2000 Patienten weniger als noch vor einem Jahr.

Die Polizei musste häufiger ausrücken als 2011. Mehr als 2000 Einsätze zählten die Ordnungshüter, das ist ein Anstieg um 3,5 Prozent. 1400 Straftaten wurden registriert. Insgesamt kam es zu 66 Maßkrugschlägereien, im Vorjahr waren es noch 58. "Da gehen wir schon ans Limit und ein Stück drüber hinaus", sagte ein Polizeisprecher.

6,4 Millionen Menschen besuchten 2012 die Wiesn. Damit feierten etwa eine halbe Million Menschen weniger als 2011 auf dem größten Volksfest der Welt. Die Wiesn-Wirte hatten dieses Jahr aber auch weniger Fläche als sonst, da in der ersten Woche auf dem Gelände auch noch ein Landwirtschaftsfest stattfand.

116 Ochsen, Tausende Brathähnchen

6,9 Millionen Maß Bier gingen über die Tresen - 116 Ochsen und Tausende Brathähnchen ließen für das Oktoberfest ihr Leben. In der ersten Woche sei das Gelände aber wesentlich voller gewesen als in der zweiten, sagte Reiter. Die Schausteller machten trotzdem an den letzten Tagen Kasse. Vor allem der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) sei so erfolgreich gewesen wie Jahrzehnte nicht: "Das war wohl der Traumtag für die Schausteller überhaupt", sagte Reiter.

Sehr viele Besucher trugen Tracht. "Rein von der Optik her sind eigentlich nur noch Bayern auf der Wiesn", so Reiter. Meistens sei das internationale Publikum nur an mangelnden Mundartkenntnissen zu erkennen. Auf die Tracht konnten sich die Festbesucher einigen, auf einen Wiesn-Hit aber nicht. "Tage wie diese" von den Toten Hosen und Hubert von Goiserns "Brenna tuats guat" lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen und wurden in den Zelten rauf und runter gespielt. Beim Tanzen blieb auch dieses Jahr einiges auf der Strecke - das Fundbüro sammelte 4500 Gegenstände, darunter zwei Eheringe und ein Hörgerät.

Die Ur-Wiesn im Oktober 1810 war eine königliche Hochzeitsfeier. Ganz München feierte mit Kronprinz Ludwig - der spätere König Ludwig I. - und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Daraus entwickelte sich das Volksfest auf der Theresienwiese.

wit/dpa/dapd



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