Oktoberfest in München: Wenn die Maß nicht richtig voll ist
6,4 Millionen Besucher trinken auf einem 42 Hektar großen Festgelände 7,5 Millionen Liter Bier. Das Münchner Oktoberfest, größtes Volksfest der Welt, ist eine Woche alt. Zeit für eine erste Bilanz - zu veganen Hähnchen, Ausschank-Kontrolleuren und Taufwasser im Bierparadies.
München - Der Bierpreis, natürlich wird über den Bierpreis auf dem Oktoberfest diskutiert. Er ist in München ein Dauerthema, ähnlich wie die Touristen (viel zu viele) und die Mietpreise (viel zu hoch). 9,66 Euro kostet eine Maß im Durchschnitt, 2010 waren es noch 8,60 Euro, 1971 gab es den Liter Wiesnbier für 2,70 Mark. An keinem Tisch darf die Diskussion darüber fehlen, alles wird teurer, hoch die Krüge, angestoßen, klonk, g'suffa. Die kuriosen Geschichten aus der ersten Oktoberfest-Woche:
Man nimmt Maß an der Maß: Für die Besucher ist der Bierpreis noch nicht mal so schlimm, seit Jahren bezahlen Gäste die Maß einfach mit einem Zehn-Euro-Schein, Leidtragende sind die Bedienungen, denen immer weniger Trinkgeld bleibt. Damit nicht genug, dieses Jahr haben sie auch noch Kontrolleure im Nacken, die ihnen auf die Finger beziehungsweise in den Bierkrug schauen. Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle bemängelte, in vielen Krügen sei nicht genau ein Liter Bier drin. "Nicht einmal jeder fünfte Krug ist voll eingeschenkt", sagt er. Es gilt eine Toleranz von maximal 15 Millimetern "Unterschank", aber auch das sollte nicht vorkommen. Blume-Beyerle hat deswegen Kontrolleure in die Zelte geschickt, die den Maßstab an die Maß halten sollen.
Veggie-Day im Brathendl-Land: Die Zelte auf der Wiesn heißen Hühnerbraterei, Haxnbraterei oder Ochsenbraterei - diese Namen sind Programm. Aber in diesem Universum der fleischessenden Bayern gibt es nun zum ersten Mal zwei Wirte, die veganes Essen anbieten. Im Herzkasperlzelt werden Sojamedaillons in Rahmsoße und vegane Käsespätzle serviert. In der Enten- und Hühnerbraterei Ammer gibt es veganes Bio-Hühnerfrikassee, jeweils ohne Käse, Rahm oder Huhn. Während der Vegetarierbund Deutschland die Entwicklung begrüßt, sieht Toni Roiderer, Sprecher der Wiesn-Wirte, das sehr pragmatisch: "Bier ist doch auch vegan. Insofern gibt es doch mehr Veganer auf der Wiesn als man denkt."
Promi der Woche: Boris Becker ist das Gesprächsthema Nummer eins. In dieser Woche erschienen Auszüge aus seiner Biografie "Das Leben ist kein Spiel". Darin schreibt er über seinen Scheidungskrieg mit seiner Ex-Frau Barbara und entzaubert den Besenkammer-Mythos ("Es passierte auf einer Treppe zwischen den Toiletten"). Neuer Ärger droht ihm derweil in seiner aktuellen Ehe. Der begeisterte Twitterer (235.000 Follower) schickte auch vom Oktoberfest aus Kurznachrichten in die Welt, allerdings hatte er nicht bedacht, dass die wirklich jeder lesen kann. Seine Frau Lilly Becker schrieb ebenfalls über Twitter: "your phone doesn't work but you can use twitter ??" ("Dein Telefon funktioniert nicht, aber Du kannst twittern??").
Taufwasser statt Wiesenbier: Es soll keiner behaupten, im Herzen des Freistaates spiele der Glaube keine Rolle, im Gegenteil. Der Wiesn-Gottesdienst im Festzelt Hippodrom gehört zum Oktoberfest wie das Bier. Zwei Kinder von Schaustellern sind in diesem Jahr zwischen den Bierbänken getauft worden. Elly Kaiser (füneinahlb Monate), Tochter von Wilma und Willy Kaiser und Enkelin von Jasmin Kaiser, die seit zehn Jahren das Fahrgeschäft "High Energy" betreibt, sowie Bo Valentin Renoldi (fünf Monate), Sohn von Swantje Strauß und Klaus Renoldi vom "Höllenblitz" waren die Täuflinge. Der Oktoberfest-Gottesdienst ist ökumenisch und entstand in den fünfziger Jahren. Die Schausteller sollten nicht ohne geistlichen Beistand bleiben. Dieses Ansinnen kann jeder verstehen.
msc/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Panorama
- Twitter | RSS
- alles zum Thema Oktoberfest
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
MEHR AUS DEM RESSORT PANORAMA
-
Chai Time
Lebe lieber ungewöhnlich - Korrespondent Hasnain Kazim beschreibt die Kuriositäten des Alltags in Südasien. -
kurz & krass
Heute schon gestaunt? Die skurrilsten Kurzmeldungen der Woche -
Wetter
So wird's: Prognosen und Warnungen, Biowetter, Radar- und Satellitenbilder -
Justiz
Alles, was Recht ist: Gisela Friedrichsen berichtet aus dem Gericht -
Katastrophen
Vergessene Krisen: Reporter berichten aus aller Welt über die Folgen dramatischer Ereignisse

