Oktoberfest Stimmung trübe wie ein Hefeweizen

Die Welt steht vor einem "langen Feldzug" - und auf den Volksfesten in Stuttgart und München wird gefeiert. Doch die Fröhlichkeit auf dem Münchner Oktoberfest dürfte für viele Besucher getrübt sein wie ein Hefeweizen: Bisher gingen vier Bombendrohungen ein.


Oktoberfest: Wie viele Besucher werden auf der Wiesn feiern?
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Oktoberfest: Wie viele Besucher werden auf der Wiesn feiern?

München - Die Münchner Polizei geht nach den Terroranschlägen in den USA von einer "erhöhten abstrakten Gefährdungslage" für das Oktoberfest aus. Trotz vier eingegangener Bombendrohungen auf das Oktoberfest hätten sich aber keine konkreten Hinweise auf Anschläge ergeben, sagte am Donnerstag Münchens Polizeipräsident Roland Koller. Die Anrufer hätten als Trittbrettfahrer ermittelt werden können. Das 168. Oktoberfest soll an diesem Samstag eröffnet werden.

Viele Prominente haben ihren Besuch beim Münchner Oktoberfest bereits abgesagt. Laut Münchner "Abendzeitung" gehören dazu Veronica Ferres, Gaby Dohm, Theo Waigel und Irene Epple, Ralph Siegel, Rudolph Moshammer, Ben Becker, Jutta Speidel, Elmar Wepper, Udo Jürgens, Nicole und Jürgen Vogel.

Die Polizei wird mit bisher nie da gewesener Stärke das Oktoberfest überwachen. Das bayerische Innenministerium erhöhte das Kontingent der Wiesn-Beamten um 100 Bereitschafts- und 100 Grenzschutzbeamte. Koller: "In Spitzenzeiten werden von insgesamt 400 Beamten rund 250 auf der Wiesn im Einsatz sein." Zusätzlich werden die Polizeikräfte ständig zwei Sprengstoffhunde im Einsatz haben. Weitere sechs Suchhunde sollen mit Sprengstoffexperten zur Kontrolle und Überwachung der Zelte zum Einsatz kommen.

Der Einsatz des Bundesgrenzschutzes zum Schutz des diesjährigen Oktoberfestes kostet täglich rund 30.000 Mark. Dies teilte der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) mit.

Das Wiesn-Festgelände wird während der 16-tägigen Dauer an besonders dicht bevölkerten Plätzen zusätzlich mit vier Videokameras überwacht, die Bilder werden von der Polizei laufend kontrolliert. In Festzelten, die traditionell von US-Bürgern besucht werden, sollen Sonderkontrollen stattfinden.

Nach den Terroranschlägen in den USA haben bislang rund 15 Prozent der amerikanischen Oktoberfest-Besucher ihre Hotelbuchungen in München storniert. Bei den Reservierungen in den Festzelten liefen ebenfalls Absagen vor allem von US-Firmen und deren deutschen Tochtergesellschaften ein, sagte Münchens Fremdenverkehrschefin Gabriele Weishäupl. Im Augenblick seien die 360 Hotels in München mit einem Angebot von 40.000 Betten zu 80 Prozent gebucht.

1980 wurden bei einem Anschlag auf dem Münchner Oktoberfest 13 Menschen getötet. Daraufhin wurde das angeblich größte Volksfest der Welt für 24 Stunden unterbrochen.

Die Schausteller der Wiesn verzichten wegen der Anschläge in den USA auf ihr traditionelles Feuerwerk und werden die Kosten dafür in Höhe von rund 35.000 Mark an die Opfer der Terroranschläge überweisen.



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