1.055.454 Münzen Bankmitarbeiter zählt 2,5 Tonnen Pfennigstücke

Geduldsprobe: In Oldenburg hat ein Bankmitarbeiter ein halbes Jahr lang Pfennigstücke gezählt - und fand daran sogar Gefallen.

Pfennigstücke (Symbolbild)
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Pfennigstücke (Symbolbild)

Von Birte Bredow


Mehr als eine Million Pfennigstücke, verpackt in Hunderten Gefrierbeuteln, zusammen 2,5 Tonnen schwer: Dieses außergewöhnliche Erbe hat ein Mann aus Bremervörde seiner Familie hinterlassen. Der Nachlass hatte für einen Mitarbeiter der Bundesbankfiliale in Oldenburg erhebliche Folgen: Er musste das Geld zählen.

Die Familie habe zwar vorher eine größere Menge Bargeld angekündigt, das wirkliche Ausmaß überraschte die Bankmitarbeiter dann doch: "Das Reinschleppen nahm gar kein Ende", sagt Filialleiter Heiko Ennen. Für derartig große Mengen sei normalerweise das Analysezentrum der Bundesbank in Mainz zuständig - in diesem Fall machten Ennen und seine Kollegen eine Ausnahme.

Eigentlich werden Münzen in der Bundesbank mit einer Maschine gezählt. Im Fall des geerbten Geldes war das Zählen aber überwiegend Handarbeit. Die erledigte Wolfgang Kaemereit. Der Grund: Die meisten der Münzen - überwiegend Ein- und Zweipfennigstücke - waren verrostet, teilweise auch anderweitig verdreckt. Wahrscheinlich waren sie in einem feuchten Raum gelagert worden. An ihnen wäre die Zählmaschine wohl gescheitert: "Die wäre sofort kaputt gewesen", sagt Kaemereit.

Wolfgang Kaemereit
Deutsche Bundesbank

Wolfgang Kaemereit

Der 54-Jährige meldete sich freiwillig für die langwierige Aufgabe: "Ich hatte Lust, ein bisschen rumzuspielen", sagte er. Bis zu vier Stunden am Tag zählte er die Pfennigstücke, bildete kleine Häufchen aus den insgesamt 1.055.454 Münzen und verpackte sie schließlich in Beutel. Dafür brauchte er nach eigenen Angaben ungefähr 700 Stunden.

Die riesige Menge Münzen hatte der Bank zufolge ein ehemaliger Lkw-Fahrer angesammelt. Seine Familie berichtete laut Filialleiter Ennen, das Hobby des Mannes sei gewesen, auf seinen Touren Kleingeld zu sammeln. Offenbar, weil er hoffte, dass darunter eine wertvolle, seltene Münze sein könnte. Ob das tatsächlich der Fall war, wird nicht mehr geklärt werden: "Da habe ich nicht drauf geachtet. Man konnte es aber auch nicht mehr erkennen, weil die so verrostet waren", sagt Kaemereit. Seine Arbeit zahlt sich für die Erben aus: Sie erhielten etwa 8000 Euro für die Münzen.

Dass Menschen mit so viel Münzgeld vor der Tür stehen, sei "Gott sei Dank eher selten", sagt Ennen. In der Oldenburger Filiale sei so etwas zuvor noch nicht passiert. Kleinere Tauschgeschäfte kämen aber jeden Tag vor. Eine Begrenzung, wie viele D-Mark-Münzen man bei sich zu Hause lagern darf, gebe es übrigens nicht: "Sie können so viel horten, wie Sie möchten."



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