Oliven-Orakel Wie man den Papst passend macht

Das Weissagung des heiligen Malachias ist äußerst rätselhaft - und bietet deswegen Spielraum für Spekulationen. Der Mönch sagte vor einigen hundert Jahren voraus, der neue Papst werde im "Ruhm des Olivenbaums" stehen. Im Internet wundern sich nun Orakel-Freunde in aller Welt: Wie passt Joseph Ratzinger in die Vision?

Von Sandra Fomferek


Olivenbaum: Naht mit "De Gloria Olivae" das Ende der Welt?
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Olivenbaum: Naht mit "De Gloria Olivae" das Ende der Welt?

Rom - Der heilige Malachias sagte im 12. Jahrhundert bereits die zukünftigen Kirchenoberhäupter voraus. Die Zukunft konnte der irische Zisterzienser-Mönch aber wohl nur verschwommen erkennen, so nennt er in seinem Orakel keine Namen, sondern liefert verschlüsselte Botschaften. Im Zeichen "De Gloria Olivae" ("Vom Ruhm des Olivenbaums") sollte demnach der neue Papst, der Nachfolger Johannes Pauls II., stehen. Malachias Anhänger rätseln jetzt im Internet: Was hat Joseph Ratzinger mit Oliven zu tun?

Orakelgläubige sehen die Prophezeiung durch die Namenswahl Ratzingers bestätigt, auch wenn sie bei der Umdeutung des Orakelspruchs auf den Deutschen ein Höchstmaß an Kreativität bemühen müssen. Und so wird auf www.catholic-pages.com spekuliert: Der Ölzweig gelte als Friedenssymbol - ein Hinweis auf den "Friedenspapst" Benedikt XV., den sich Ratzinger zum Vorbild nahm. Benedikt XVI. werde, gemäß der Prophezeiung, der Welt und der Kirche Frieden bringen.

Einer anderen Theorie zufolge weist die Namenswahl ganz klar auf eine Kongregation des Benediktinerordens hin, die auch "Olivetans" genannt werden und eine Olive als Symbol gewählt haben. Skeptiker halten Ratzinger im Netz dagegen vor, dass er den Namen bewusst gewählt habe, um der Prophezeiung zu entsprechen. Wer immer noch nicht überzeugt ist, findet unter www.bibleprobe.com einen weiteren Beweis: Die Internetseite zeigt ein Foto von Kardinal Ratzinger mit einem Olivenzweig.

Die Erfüllung der Prophezeiung versetzt einige Orakelgläubige indes in Panik: Angesichts des hohen Alters des neuen Papstes rechnen sie bereits in den nächsten Jahren mit dem Ende der Welt. Nach Malachias' Visionen ist "Gloria Olivae" der vorletzte Papst. Mit dem letzten "Petrus Romanus - Petrus, der Römer" soll Rom zerstört werden. Optimisten versuchen die düstere finale Weissagung positiv zu sehen: "Wenn Papst Benedikt XVI. stirbt, könnte es gut möglich sein, dass die katholische Kirche reformiert wird und es keine Päpste mehr geben wird", schreibt ein User auf www.weltverschwoerung.de.

Weiterer Grund zur Hoffnung: Es sei schließlich auch möglich, dass der Blick des Sehers getrübt war. Deshalb habe er in der fernen Zukunft nicht mehr jeden einzelnen Papst erkennen können. Dieser Theorie zufolge ist es durchaus möglich, dass zwischen "Gloria Olivae" und "Petrus Romanus" noch weitere Päpste folgen werden.



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