Nazi-Verdacht: Linken-Politikerin kritisiert Funktionäre im Fall Drygalla

Die Linken-Politikerin Petra Pau erhebt Vorwürfe gegen den Deutschen Olympischen Sportbund. Es gebe seit langem Gerüchte über einen möglichen Kontakt der Ruderin Nadja Drygalla in die Nazi-Szene. Funktionär Vesper erklärt, die Athletin habe sich zweifelsfrei von rechtem Gedankengut distanziert.

Ruderin Drygalla: Aufregung im Olympiateam Fotos
DPA

Hamburg - Man habe schnell gehandelt, sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Als das Thema den DOSB durch Journalistenanfragen am Donnerstagnachmittag erreicht habe, sei gleich das Gespräch mit Nadja Drygalla gesucht worden. "Das Thema" - damit ist die angebliche Beziehung der Ruderin mit einem Mann aus dem rechtsextremen Milieu gemeint. Drygalla reiste den Angaben zufolge ab, um keine Belastung für die deutsche Mannschaft entstehen zu lassen.

In einer Pressekonferenz am Vormittag stellte sich Vesper hinter die Athletin. Er habe keinen Zweifel, dass sie "auf dem Boden des Grundgesetzes und der olympischen Werte" stehe, sagte der Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft.

Der Fall könnte nun jedoch auch für den DOSB ungemütlich werden. Die Linke hat das Verhalten des Verbands scharf kritisiert. Es sei weder neu noch unbekannt gewesen, dass Drygalla ein "strammer Hang ins Nazi-Milieu" nachgesagt werde, sagte Petra Pau, Mitglied im Fraktionsvorstand der Linken im Bundestag. Dessen ungeachtet sei die Athletin "sportlich von Behörden und Organisationen zur Olympia-Reife gefördert und ins deutsche Vorzeige-Team berufen" worden, kritisierte Pau. Dies sei "oberfaul".

Paus Anschuldigungen lassen sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht bestätigen. Drygalla selbst hat sich nicht geäußert. Erkenntnisse über eine eigene rechtsextreme Gesinnung der Athletin - unabhängig von ihrer angeblichen Beziehung - gibt es derzeit nicht. Vesper zufolge hatte sich Drygalla in dem Gespräch am Donnerstagabend zweifelsfrei von rechtem Gedankengut distanziert.

Die 23-jährige Rostockerin war in London im Deutschland-Achter gestartet und mit dem Boot im Hoffnungslauf ausgeschieden. Ein weiterer Start der 23-Jährigen war nicht vorgesehen. Drygalla war Polizeianwärterin des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehörte der Sportfördergruppe an. Im September 2011 schied sie laut Landesinnenministerium aus. Warum, ist bisher nicht klar.

Dem Linken-Politiker zufolge handelt es sich bei Drygallas Freund um einen überzeugten und aktiven Neonazi. Der Mann sei "kein Mitläufer", sagte er. Er habe an der Juristischen Fakultät der Rostocker Uni bis zu seinem Rauswurf "Good Governance" studiert und sei 2011 als NPD-Kandidat zur Landtagswahl angetreten. Auch der Radiosender NDR 1 Radio MV berichtet von der Kandidatur.

Nadja Drygalla - Biografie
Nadja Drygalla wurde am 31. März 1989 in Rostock geboren und lebt auch heute in der Hansestadt. Drygalla ist Mitglied im Olympischen Ruderclub Rostock von 1956. Sie rudert seit ihrer Kindheit.
Ausbildung
Sie erlangte die mittlere Reife und absolvierte in einem Hotel erfolgreich eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau.

2008 begann sie eine weitere Ausbildung zur Polizistin. Sie gehörte der Sportfördergruppe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern an und konnte weiterhin im Olympischen Ruderclub Rostock trainieren.
Polizeidienst
Ende September 2011 beendete sie vorzeitig und auf eigenen Wunsch ihren Vorbereitungsdienst an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow. Sie ist damit keine Polizistin mehr.
Sportliche Erfolge
Bei den Weltmeisterschaften der unter 19-Jährigen holte Drygalla im Jahr 2006 eine Bronzemedaille und im Jahr 2007 eine Silbermedaille.

Bei den deutschen Meisterschaften 2011 kam sie im Vierer ohne und im Achter auf den ersten Platz.

Drygalla gehörte in diesem Jahr zum deutschen Team für Olympia. Damit erfüllte sich ein großer Wunsch der Ruderin. Vor rund vier Jahren sagte sie in einem Interview: "Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London 2012 wäre wahrlich ein Traum."
Nazi-Verdacht
Am 2. August 2012 reiste Drygalla vorzeitig aus dem Olympischen Dorf ab. Grund sind Gerüchte, dass sie mit Michael Fischer liiert sein soll - der 24-Jährige wird der rechtsextremen Szene zugeordnet, bei der Landtagswahl 2011 war er im Wahlkreis Rostock IV Direktkandidat der NPD. Nach Angaben der Partei ist Fischer im Mai 2012 ausgetreten.

dapd (Quellen: Weltruderverband, Rüsselsheimer Ruder-Klub 08, Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern, Polizei-Journal der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern)

hut/dapd

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insgesamt 46 Beiträge
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1. ...
Hupert 03.08.2012
Zitat von sysopFunktionär Vesper erklärt, die Athletin habe sich zweifelsfrei von rechtem Gedankengut distanziert.
Tja Herr Vesper, leider war niemand Zeuge des Gesprächs und so steht eine ehemalige Polizistin mit Kontakten (welcher Art auch immer) in den richtig tiefbraunen Sumpf im Raum... naja, nachdem wir ja diese Woche schon 2 Beamte am Start hatten die scheinbar aus einer Sektlaune heraus mal eben dem Ku Klux Klan beigetreten sind hat Frau Drygulla, welcher Gesinnung sie auch immer sein mag, nicht gerade dazu beigetragen meinen Glauben an eine unparteiische Exekutive zu stärken...
2.
heiko1977 03.08.2012
Zitat von sysopDie Linken-Politikerin Petra Pau erhebt Vorwürfe gegen den Deutschen Olympischen Sportbund. Es gebe seit langem Gerüchte über einen möglichen Kontakt der Ruderin Nadja Drygalla in die Nazi-Szene. Funktionär Vesper erklärt, die Athletin habe sich zweifelsfrei von rechtem Gedankengut distanziert. Olympia 2012: Petra Pau kritisiert DOSB im Fall Drygalla - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,848094,00.html)
Also als erstes wie will sich die Sportlerin zur Verfassung bekannt haben? Hat sie das gesagt oder darauf geschworen? Man kann Menschen nur vor nich in den Kopf schauen. Das sie eine gewisse nähe zum rechten Gedankengut haben könnte ist nicht abwegig durch die mögliche Liebesbeziehung. Andererseits ist es solange in Ordnung wie sie ihre Popularität nicht für die Zwecke ihres Partners nutzt, also als Werbefigur für diese menschenverachtende Ideologie oder Partei auftritt.
3. Was genau wirft man ihr denn vor?
Jasro 03.08.2012
Zitat von sysopDie Linken-Politikerin Petra Pau erhebt Vorwürfe gegen den Deutschen Olympischen Sportbund. Es gebe seit langem Gerüchte über einen möglichen Kontakt der Ruderin Nadja Drygalla in die Nazi-Szene. Funktionär Vesper erklärt, die Athletin habe sich zweifelsfrei von rechtem Gedankengut distanziert. Olympia 2012: Petra Pau kritisiert DOSB im Fall Drygalla - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,848094,00.html)
Ist denn Nadja Drygalla selber in irgendeiner Weise politisch aktiv oder war es je? Oder was hat sie getan, was sie nicht hätte tun dürfen?
4. Freund kann man sich aussuchen.
diego666 03.08.2012
Es kann mir doch niemand erzählen, dass man mit einem Neonazi zusammen sein kann und nicht zumindestens etwas diese Einstellung teilt. Wie gleichgültig muss man denn dann sein, um diese Hetze und menschenfeindliche Einstellung zu ertrage?
5. Genau
kein_gut_mensch 03.08.2012
Zitat von JasroIst denn Nadja Drygalla selber in irgendeiner Weise politisch aktiv oder war es je? Oder was hat sie getan, was sie nicht hätte tun dürfen?
Das frag ich mich auch. Bestimmt jetzt die Öffentlichkeit welchen Partner man haben darf? Solange Sie in diesem Umfeld nicht tätig ist kanns doch wohl nicht sein das man dann hier zur Hexenjagd bläßt.
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