Hamburg - Man habe schnell gehandelt, sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Als das Thema den DOSB durch Journalistenanfragen am Donnerstagnachmittag erreicht habe, sei gleich das Gespräch mit Nadja Drygalla gesucht worden. "Das Thema" - damit ist die angebliche Beziehung der Ruderin mit einem Mann aus dem rechtsextremen Milieu gemeint. Drygalla reiste den Angaben zufolge ab, um keine Belastung für die deutsche Mannschaft entstehen zu lassen.
In einer Pressekonferenz am Vormittag stellte sich Vesper hinter die Athletin. Er habe keinen Zweifel, dass sie "auf dem Boden des Grundgesetzes und der olympischen Werte" stehe, sagte der Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft.
Der Fall könnte nun jedoch auch für den DOSB ungemütlich werden. Die Linke hat das Verhalten des Verbands scharf kritisiert. Es sei weder neu noch unbekannt gewesen, dass Drygalla ein "strammer Hang ins Nazi-Milieu" nachgesagt werde, sagte Petra Pau, Mitglied im Fraktionsvorstand der Linken im Bundestag. Dessen ungeachtet sei die Athletin "sportlich von Behörden und Organisationen zur Olympia-Reife gefördert und ins deutsche Vorzeige-Team berufen" worden, kritisierte Pau. Dies sei "oberfaul".
Paus Anschuldigungen lassen sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht bestätigen. Drygalla selbst hat sich nicht geäußert. Erkenntnisse über eine eigene rechtsextreme Gesinnung der Athletin - unabhängig von ihrer angeblichen Beziehung - gibt es derzeit nicht. Vesper zufolge hatte sich Drygalla in dem Gespräch am Donnerstagabend zweifelsfrei von rechtem Gedankengut distanziert.
Die 23-jährige Rostockerin war in London im Deutschland-Achter gestartet und mit dem Boot im Hoffnungslauf ausgeschieden. Ein weiterer Start der 23-Jährigen war nicht vorgesehen. Drygalla war Polizeianwärterin des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehörte der Sportfördergruppe an. Im September 2011 schied sie laut Landesinnenministerium aus. Warum, ist bisher nicht klar.
Dem Linken-Politiker zufolge handelt es sich bei Drygallas Freund um einen überzeugten und aktiven Neonazi. Der Mann sei "kein Mitläufer", sagte er. Er habe an der Juristischen Fakultät der Rostocker Uni bis zu seinem Rauswurf "Good Governance" studiert und sei 2011 als NPD-Kandidat zur Landtagswahl angetreten. Auch der Radiosender NDR 1 Radio MV berichtet von der Kandidatur.
hut/dapd
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