Fackelträger bei Eröffnungsfeier: Die glorreichen Sieben

Sie waren die großen Überraschungsstars der Eröffnungsfeier in London: Sieben Teenager haben das olympische Feuer entzündet. Die 16- bis 19-Jährigen hatten prominente Befürworter - und stehen nun in einer Reihe mit Muhammad Ali und Cathy Freeman.

Eröffnungsfeier in London: Teenager im Rampenlicht Fotos
REUTERS

London - Es gehört zur Tradition bei Olympischen Spielen, dass die Identität des letzten Trägers der olympischen Fackel so lange wie möglich geheim gehalten wird. Der Moment, als das Publikum 1996 in Atlanta Muhammad Ali erkannte, ist unvergesslich. Die Boxlegende entzündete das olympische Feuer. Vier Jahre später war im Stadion in Sydney Gänsehautstimmung, als Leichtathletin Cathy Freeman die letzte war, die die Fackel in der Hand hielt.

Umso größer war die Überraschung, als nun bei der Eröffnungsfeier in London sieben relativ unbekannte Teenager ihren großen Auftritt hatten. Sie waren von verdienten britischen Olympioniken nominiert worden.

Der Auftritt der Teenie-Gruppe war so unerwartet, dass selbst die britischen Buchmacher nicht damit gerechnet hatten. Einige davon sagten, alle Wetten auf den letzten Fackelträger seien aufgelöst worden, die Wetteinsätze würden zurückgegeben. Es sei unmöglich gewesen, den korrekten letzten Fackelträger zu benennen, hieß es etwa von Sky Bet.

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Eröffnung der Olympischen Spiele: Die große Show des Danny Boyle
Die Fackel war von Fußballstar David Beckham in einem Schnellboot auf der Themse in Richtung Stadion gebracht worden. Beckham übergab das Feuer an den legendären britischen Ruderer Steve Redgrave, der einen der Teenager nominiert hatte. Schließlich übergab Redgrave das Feuer an die Nachwuchstalente - damit hatten die Spiele 2012 ihre ersten Überraschungsstars.

Die sieben Teenager im Kurzprofil:

Callum Airlie, 17
Der 17-Jährige wurde von Seglerin Shirley Robertson nominiert, die 2000 in Sydney und 2004 in Gold gewann. Airlie segelt laut "Daily Mail" seit er vier Jahre alt ist. Er ist in der Optimisten-Klasse zweimal britischer Meister geworden.

Jordan Duckitt, 18
Duckitt war Vorsitzender der London 2012 Young Ambassador Steering Group, einer Organisation für Nachwuchssportler. Sie sollen nach der erfolgreichen Olympia-Bewerbung für mehr Sport in Schule und Freizeit und für olympische Werte werben und die Spiele 2012 repräsentieren. Duckitt wurde vom ehemaligen Weltklasse-Schwimmer Duncan Goodhew nominiert. Er hatte 1980 bei den Spielen in Moskau einmal Gold und Bronze gewonnen.

Desiree Henry, 16
Die Leichtathletin gehörte zum britischen Team bei den Jugend-Weltmeisterschaften 2011. Dort gewann sie den Titel über 200 Meter. Henry wurde vom früheren Zehnkampf-Weltrekordler Daley Thompson vorgeschlagen, der 1980 und 1984 olympisches Gold gewann.

Katie Kirk, 18
Die Läuferin wurde von Mary Peters nominiert, die vor 40 Jahren bei den Sommerspielen in München im Fünfkampf Gold gewonnen hatte. Kirk startete 2010 bei den Commonwealth Games über 400 Meter und in der 4x400-Meter-Staffel. Über diese Staffel-Distanz gewann sie bei den Junioren-Europameisterschaften in Estland 2011 Gold.

Cameron MacRitchie, 19
Der Ruderer verdankt seinen Platz im Rampenlicht Steve Redgrave, dem früheren Weltklasse-Ruderer, der fünfmal olympisches Gold gewann. MacRitchie belegte mit seinem Partner James Edwards bei den U23-Ruderwettbewerben in Großbritannien im April Rang fünf.

Aidan Reynolds, 18
Reynolds gab laut "Daily Mail" seine Basketballkarriere auf, um sich auf Speerwurf zu konzentrieren. Er hat drei Schülertitel in Großbritannien gewonnen. Nominiert wurde er von Weitspringer Lynn Davies, der 1964 in Tokio in dieser Disziplin Gold gewann.

Adelle Tracey, 19
Tracey ist eine der besten Läuferinnen Großbritanniens und hat mehrere nationale und internationale Junioren-Titel über 400 und 800 Meter gewonnen. Sie wurde von Kelly Holmes nominiert, einer der besten Mittelstreckenläuferinnen der britischen Geschichte. Holmes gewann 2004 in Athen Gold über 800 und 1500 Meter.

Das olympische Feuer wird in den kommenden zwei Wochen in der Südkurve der Londoner Arena brennen - dort, wo während der Zeremonie eine 23 Tonnen schwere Glocke hing. Das gab der Designer der aus 204 Rosenblättern gestalteten Fackel, Thomas Heatherwick, bekannt. Nach dem Ende der Abschlussfeier sollen die 204 einzelnen Fackeln, die die teilnehmenden Mannschaften symbolisieren, an die Nationen verteilt.

Milliardenpublikum in aller Welt

Den großen Auftritt der sieben Teenager verfolgte etwa eine Milliarde Menschen im Fernsehen. In Deutschland interessierte die Eröffnungsfeier allerdings weniger TV-Zuschauer als bei den Spielen 2008 in Peking und 2004 in Athen. Am Freitagabend sahen im Schnitt 7,66 Millionen Menschen zu - für das ZDF ein Marktanteil von 43,5 Prozent. Vor vier Jahren guckten rund 7,7 Millionen Zuschauer die Eröffnungsfeier, obwohl sie damals wegen der Zeitverschiebung am Nachmittag lief. 2004 saßen am Eröffnungstag fast 13 Millionen Olympia-Fans vor dem Bildschirm.

In den USA sahen die Zuschauer die Feier erst mit dreieinhalb Stunden Verspätung. Der Sender NBC hatte zur Steigerung der Quote entschieden, die Feier erst zur Primetime um 19.30 Uhr (Ortszeit US-Ostküste) zu zeigen. Damit lag der Sender aber dreieinhalb Stunden nach der Eröffnung der Zeremonie durch den britischen Tour-de-France-Gewinner Bradley Wiggins.

ulz

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Gut gefüllt
uschikoslowsky 28.07.2012
Zitat von sysopREUTERSSie waren die großen Überraschungsstars der Eröffnungsfeier in London: Sieben Teenager haben das olympische Feuer entzündet. Die 16- bis 19-Jährigen hatten prominente Befürworter - und stehen nun in einer Reihe mit Muhammad Ali und Cathy Freeman. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,846948,00.html
Man stelle sich vor, mit was das Sommerloch sonst so gefüllt werden müsste, hätte wir Olympia nicht! Loch Ness wahrscheinlich...
2. Steve Ovett
ichliebeeuchdochalle 28.07.2012
Steve Ovett, Sebastian Coes legendärer Mittelstrecken-Konkurrent, hatte im Vorfeld einen ähnlichen Vorschlag gemacht wie der, der mit den sieben nun durchgeführt wurde. "If there are several candidates with strong claims to lighting the Olympic flame, and it’s impossible to separate them, there is a radical alternative ... We could give the job to kids." Quelle: London 2012: who should light the Olympic torch? Kids according to Steve Ovett - Mirror Online (http://www.mirror.co.uk/sport/other-sports/athletics/london-2012-who-should-light-1145229) Sein Vorschlag war: "Pick out 20 kids from neighbouring schools and find a way of them all lighting the flame *simultaneously."
3. Sport = Geld = Gähn
ky3 28.07.2012
Gähn, hier geht es doch bloss und den öden Mammon ..., Gähn
4.
Newspeak 28.07.2012
Zitat von ichliebeeuchdochalleSteve Ovett, Sebastian Coes legendärer Mittelstrecken-Konkurrent, hatte im Vorfeld einen ähnlichen Vorschlag gemacht wie der, der mit den sieben nun durchgeführt wurde. "If there are several candidates with strong claims to lighting the Olympic flame, and it’s impossible to separate them, there is a radical alternative ... We could give the job to kids." Quelle: London 2012: who should light the Olympic torch? Kids according to Steve Ovett - Mirror Online (http://www.mirror.co.uk/sport/other-sports/athletics/london-2012-who-should-light-1145229) Sein Vorschlag war: "Pick out 20 kids from neighbouring schools and find a way of them all lighting the flame *simultaneously."
Na ja, das mit den "neighbouring schools" hat wohl nicht geklappt. DAS hätte Größe bewiesen. So ist es nur ein Beispiel dafür, wie Sportler andere Sportler nominieren. Na toll. Verlogene Propaganda.
5. Symbole
lordas 28.07.2012
Zitat von NewspeakNa ja, das mit den "neighbouring schools" hat wohl nicht geklappt. DAS hätte Größe bewiesen. So ist es nur ein Beispiel dafür, wie Sportler andere Sportler nominieren. Na toll. Verlogene Propaganda.
Ich denke mal es geht hier eher um das Symbol des Nachwuchssports, als um die verlorene Jugend im UK. Andererseits wäre es auch undenkbar gewesen "Problemteenager" die Flamme zünden zu lassen. Dafür hat die britische Presse die Ausbrüche dort viel zu stark verteufelt. Ohne auch nur im Ansatz etwas zu hinterfragen. Aber ja, manche hätten sich wohl im Zuge der Ausbrüche gewünscht, dass zumindest alle "Schichten" repräsentiert werden.
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