Von Carsten Volkery, London
9,3 Milliarden Pfund. So viel haben die Olympischen Spiele den britischen Steuerzahler gekostet. War es das wert? Diese Frage beantworten die meisten Briten inzwischen mit Ja, so groß ist der Freudentaumel über die "goldenen Spiele". Wenn die Begeisterung über die Medaillenflut von Team GB jedoch abgeflaut ist, wird die Frage nach dem Nutzen der Sportstätten gestellt werden.
Erst finden noch die Paralympics statt (29. August bis 9. September), dann steht der Umbau des Olympiaparks an. Im Unterschied zu Athen und Peking sollen in der britischen Hauptstadt keine millionenteuren Bauten vor sich hin gammeln. Stattdessen soll der Park mit den Sportstätten zur neuen grünen Lunge im East End werden.
Die Londoner Planer sind stolz darauf, die Nachnutzung von Anfang an mitbedacht zu haben. Etliche Arenen sind nur temporär in Gerüstbauweise errichtet worden. Die Hallen für Basketball und Wasserball sowie die Tribünen für Hockey und Beachvolleyball werden einfach auseinandergebaut und verkauft. Auch die permanenten Wettkampfstätten, darunter das Olympia-Stadion und das Schwimmzentrum, sind nach dem Baukastenprinzip konstruiert, so dass sie sich leicht verkleinern lassen.
Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass es in London keine große Debatte über die Nachnutzung überdimensionierter Sportstätten geben wird. Die meisten Wettkämpfe hatten ohnehin in existierenden Stadien, Hallen und Parks stattgefunden, darunter Wembley, Wimbledon, Greenwich Park, Hyde Park, O2-Arena, Earl's Court und ExCel. Letztere werden nun wieder für Konzerte und Messen genutzt.
"Wir werden alles genauso machen wie London"
London habe viel von München und Atlanta gelernt, sagt Klaus Grewe, Koordinator der verschiedenen Olympia-Projekte in London. Die Münchner Spiele von 1972 gelten bis heute als vorbildlich, weil ein Park mit wegweisender Architektur entstanden ist, der von der Bevölkerung auch genutzt wird. Und Atlanta 1996 war erfolgreich, weil das gesamte Olympia-Gelände temporär konzipiert war.
Ein neues Heim für Wohlhabende
Der Rückbau wird eine Weile dauern. Unmittelbar nach Abschluss der Paralympics wird das Olympiagelände wieder zur Baustelle. Die asphaltierten Wege werden aufgerissen, 56 Brücken über die kleinen Kanäle des Parks entfernt. Die breiten Fluchtwege werden künftig nicht mehr gebraucht, auf den weiten Flanierflächen für die Olympia-Besucher werden Wohnhäuser gebaut. Auch die Athletenzimmer im olympischen Dorf werden zu Wohnungen umgebaut.
Am 27. Juli 2013, genau ein Jahr nach der Eröffnungsfeier, soll das Gelände zum ersten Mal für die nichtzahlende Öffentlichkeit zugänglich sein. Der neue Queen-Elizabeth-Park wird insgesamt 250 Hektar groß sein und zum ersten Mal die Stadtteile Hackney und Stratford miteinander verbinden. Vor Olympia waren diese durch Industrieanlagen getrennt.
"Es entsteht ein ganz neues Wohnquartier", sagt Grewe, der das erste Jahr des Umbaus überwachen wird. Eine Milliarde des 9,3 Milliarden Pfund hohen Olympia-Budgets sind für die Bauarbeiten zurückgestellt, das gesamte Projekt wird einige Jahre dauern. Dann ist der Londoner Osten um ein neues Viertel mit 11.000 Wohnungen reicher. "East Village London" nennen es die Bauherren in Anlehnung an das hippe New Yorker Viertel.
Die Modellstadt mit der Postleitzahl E20 hat eine eigene Privatschule für 1800 Schüler, die Bewohner werden deutlich wohlhabender sein als die alteingesessenen Bewohner Stratfords. Das muss laut Grewe aber kein Nachteil sein. Die Nachfrage nach Dienstleistungen werde steigen, sagt der Deutsche - und damit auch die Arbeitsmöglichkeiten für die Bewohner des zweitärmsten Bezirks in England.
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