Abbau der Spielstätten in London: Einmal Olympia und zurück

Von , London

Olympia 2012 ist zu Ende, jetzt werden viele der Spielstätten umgewidmet, verkleinert oder andernorts neu aufgebaut. Das Konzept gilt weltweit als vorbildlich. "Wir machen alles genauso wie London", schwärmt Rio de Janeiros Bürgermeister.

Olympia in London: Vorbild über die Spiele hinaus Fotos
DPA

9,3 Milliarden Pfund. So viel haben die Olympischen Spiele den britischen Steuerzahler gekostet. War es das wert? Diese Frage beantworten die meisten Briten inzwischen mit Ja, so groß ist der Freudentaumel über die "goldenen Spiele". Wenn die Begeisterung über die Medaillenflut von Team GB jedoch abgeflaut ist, wird die Frage nach dem Nutzen der Sportstätten gestellt werden.

Erst finden noch die Paralympics statt (29. August bis 9. September), dann steht der Umbau des Olympiaparks an. Im Unterschied zu Athen und Peking sollen in der britischen Hauptstadt keine millionenteuren Bauten vor sich hin gammeln. Stattdessen soll der Park mit den Sportstätten zur neuen grünen Lunge im East End werden.

Die Londoner Planer sind stolz darauf, die Nachnutzung von Anfang an mitbedacht zu haben. Etliche Arenen sind nur temporär in Gerüstbauweise errichtet worden. Die Hallen für Basketball und Wasserball sowie die Tribünen für Hockey und Beachvolleyball werden einfach auseinandergebaut und verkauft. Auch die permanenten Wettkampfstätten, darunter das Olympia-Stadion und das Schwimmzentrum, sind nach dem Baukastenprinzip konstruiert, so dass sie sich leicht verkleinern lassen.

  • Die Schwimmhalle der britischen Star-Architektin Zara Hadid wird von 17.500 auf 2500 Sitze verkleinert, die Anwohner können sich über ein neues öffentliches Hallenbad mit zwei 50-Meter-Pools und Zehn-Meter-Turm freuen.
  • Das ebenfalls preisgekrönte Velodrom des Architekturbüros Hopkins bildet das Herzstück eines neuen Veloparks mit BMX- und Mountainbike-Parcours.
  • Die Handballarena wird künftig die Heimat des Basketballteams MK Lions, die sich in London Lions umbenennen.
  • Der Plan, die Basketballarena nach Rio de Janeiro zu verkaufen, damit sie bei den nächsten Sommerspielen 2016 wieder benutzt werden kann, ist gescheitert. Wenn nicht noch ein Einsatz bei den Commonwealth Games in Glasgow klappt, müsste sie in Einzelteile zerlegt und verkauft werden.
  • Der ArcelorMittal-Orbit des britischen Künstlers Anish Kapoor soll 2014 als Aussichtsplattform eröffnen.
  • Die Zukunft des Olympiastadions ist ungewiss. Am liebsten sähen es die Planer, wenn der Fußballclub West Ham United aus der Premier League in die 80.000-Mann-Arena umziehen würde. Doch der Verein zögert noch. Falls sich kein Mieter findet, würde das Stadion auf 25.000 Sitze reduziert und fortan für Leichtathletik- und Cricket-Turniere benutzt. Der Aufbau besteht aus Röhren und Stahlträgern in Normgröße, die ohne Probleme auf dem Stahlmarkt verkauft werden können.
  • Kopfschmerzen bereitet auch noch das Pressezentrum. Das Bieter-Konsortium i-City will den Klotz in ein Büroquartier für Tech-Firmen umwandeln, doch der Standort liegt etwas ab vom Schuss - die Vermietung dürfte schwierig werden.

Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass es in London keine große Debatte über die Nachnutzung überdimensionierter Sportstätten geben wird. Die meisten Wettkämpfe hatten ohnehin in existierenden Stadien, Hallen und Parks stattgefunden, darunter Wembley, Wimbledon, Greenwich Park, Hyde Park, O2-Arena, Earl's Court und ExCel. Letztere werden nun wieder für Konzerte und Messen genutzt.

"Wir werden alles genauso machen wie London"

London habe viel von München und Atlanta gelernt, sagt Klaus Grewe, Koordinator der verschiedenen Olympia-Projekte in London. Die Münchner Spiele von 1972 gelten bis heute als vorbildlich, weil ein Park mit wegweisender Architektur entstanden ist, der von der Bevölkerung auch genutzt wird. Und Atlanta 1996 war erfolgreich, weil das gesamte Olympia-Gelände temporär konzipiert war.

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Olympia 2012: London verabschiedet die Jugend der Welt
An der Themse wurde nun eine Mischung gefunden, die ihrerseits zum Modell werden könnte. Das größte Kompliment erhielten die Londoner Planer bereits von Eduardo Paes. Auf die Frage, was er bei der Organisation der Sommerspiele 2016 besser machen würde, entgegnete der Bürgermeister von Rio de Janeiro: "Wir werden alles genauso machen wie London. Es war großartig." Am besten gefalle ihm, dass künftig keine Stadien ungenutzt herumstünden.

Ein neues Heim für Wohlhabende

Der Rückbau wird eine Weile dauern. Unmittelbar nach Abschluss der Paralympics wird das Olympiagelände wieder zur Baustelle. Die asphaltierten Wege werden aufgerissen, 56 Brücken über die kleinen Kanäle des Parks entfernt. Die breiten Fluchtwege werden künftig nicht mehr gebraucht, auf den weiten Flanierflächen für die Olympia-Besucher werden Wohnhäuser gebaut. Auch die Athletenzimmer im olympischen Dorf werden zu Wohnungen umgebaut.

Am 27. Juli 2013, genau ein Jahr nach der Eröffnungsfeier, soll das Gelände zum ersten Mal für die nichtzahlende Öffentlichkeit zugänglich sein. Der neue Queen-Elizabeth-Park wird insgesamt 250 Hektar groß sein und zum ersten Mal die Stadtteile Hackney und Stratford miteinander verbinden. Vor Olympia waren diese durch Industrieanlagen getrennt.

"Es entsteht ein ganz neues Wohnquartier", sagt Grewe, der das erste Jahr des Umbaus überwachen wird. Eine Milliarde des 9,3 Milliarden Pfund hohen Olympia-Budgets sind für die Bauarbeiten zurückgestellt, das gesamte Projekt wird einige Jahre dauern. Dann ist der Londoner Osten um ein neues Viertel mit 11.000 Wohnungen reicher. "East Village London" nennen es die Bauherren in Anlehnung an das hippe New Yorker Viertel.

Die Modellstadt mit der Postleitzahl E20 hat eine eigene Privatschule für 1800 Schüler, die Bewohner werden deutlich wohlhabender sein als die alteingesessenen Bewohner Stratfords. Das muss laut Grewe aber kein Nachteil sein. Die Nachfrage nach Dienstleistungen werde steigen, sagt der Deutsche - und damit auch die Arbeitsmöglichkeiten für die Bewohner des zweitärmsten Bezirks in England.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. vorbildlich
Ostwestfale 13.08.2012
Die Briten haben meiner Meinung nach ein wirklich vorbildliches Konzept umgesetzt und es ist stark davon auszugehen, dass es deshalb eben keine gigantischen und künftig ungenutzen oder nur kaum genutzten Sportstätten geben wird. Einzig das Olympiastadion könnte vielleicht wirklich ein Problem werden, denn es gibt weltweit wohl kaum eine Stadt mit so vielen Sportstadien wie London. Neben dem Olympiastadion und dem Stadion in Wembley sind in London schließlich noch etliche Fußballclubs beheimatet, die alle in eigenen Stadien spielen. Ein Olympiastadion wird da nicht gebraucht.
2. optional
RugbyLeaguer 13.08.2012
Vielleicht sollte man in dem Bericht noch erwähnen, dass sowohl der Rugby Union Club “Saracens RFC” der sich im Moment die Vicarage Road mit dem Watford FC teilt, als auch der Rugby League Club „London Skolars RLFC“ an einer Nutzung interessiert sind. Für die Skolaras, im Moment noch in der 3. Liga, wäre das Stadion eine gute Werbung für eine zukünftige Super League Bewerbung. Auch der nationale Footballverband überlegt das Stadion über eine zugründende Franchise in London zu nutzen. Man sieht.. es gibt nicht nur „Fußball“ in England
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