Leatherhead - Mark Worsfold hat Verständnis für den schwierigen Job der Polizei - insbesondere bei einem Großereignis wie den Olympischen Spielen. Dennoch fordert der 54-Jährige von der Polizei in der Grafschaft Surrey, südöstlich von London gelegen, eine schriftliche Entschuldigung. Das berichten unter anderem der "Guardian" und die "Daily Mail".
Worsfold wurde nach seiner Überzeugung als Zuschauer des Straßen-Radrennens der Männer am 28. Juli verhaftet, weil er nicht gelächelt habe. Der frühere Soldat und Kampfsportlehrer leidet an Parkinson. Wegen der Krankheit sind die Muskeln in seinem Gesicht starr, es gleicht einer Maske.
Der 250 Kilometer lange Kurs im Straßen-Radrennen, das der Kasache Alexander Winokurow gewann, führte von London durch die Grafschaft Surrey und zurück. An der Strecke lag auch die Kleinstadt Leatherhead. Dort hatte sich Worsfold auf eine Mauer gesetzt, um das Rennen zu verfolgen. Kurz bevor sich das Fahrerfeld näherte, nahm ihn die Polizei wegen Störung des öffentlichen Friedens fest, er wurde in Handschellen abgeführt.
In einer Mitteilung der Behörde heißt es, Worsfolds Verhalten habe Anlass zur Sorge gegeben. Er habe sich in der Nähe einer kleinen Gruppe Protestierender befunden. Basierend auf seinem Verhalten und seiner Kleidung und angesichts der Nähe zum Rennkurs sei er festgenommen worden, um eine mögliche Störung des öffentlichen Friedens zu verhindern. Der Mann habe ein Kampfsport-Outfit getragen und sich aufgeregt verhalten, sagte eine Polizeisprecherin.
Worsfold sagte laut der Website "This is Surrey", die Polizisten hätten ihn von einer zwei Meter hohen Mauer gezerrt, zu Boden geworfen und ihm Handschellen angelegt. "Alles, was ich von dem Rennen mitbekam, sah ich vom Gehweg zwischen den Beinen der Leute."
"Ich wurde verhaftet, weil ich nicht gelächelt habe"
Die Polizei teilte mit, Faktoren für die Verhaftung seien das sich schnell nähernde Fahrerfeld, die erhöhte Sicherheitsstufe und die große Zahl an Zuschauern gewesen - das sei auch Worsfold erläutert worden. Messer, die bei dem Festgenommenen gefunden wurden, hätten sich auf dem Polizeirevier als Gummi-Attrappen erwiesen. Nach etwa zwei Stunden wurde Worsfold laut "Guardian" entlassen; die Polizei teilte mit, man habe ihm ein paar Ratschläge gegeben.
Worsfold, so berichtet die Zeitung, sei auf der Polizeiwache gefragt worden, was es mit seinem Auftreten auf sich habe und warum ihm die Veranstaltung nicht äußerlich sichtbar gefallen habe. "Ich wurde verhaftet, weil ich nicht gelächelt habe", zitiert die Zeitung den 54-Jährigen.
Das sieht die Polizei anders. Laut ihrer Mitteilung hat Worsfold einen Brief geschrieben, wonach er die Maßnahmen der Polizisten vollkommen versteht und wertschätzt. Zudem danke der 54-Jährige in dem Schreiben den Polizisten, die die Verhaftung vorgenommen hätten, für ihre Entschuldigungen und Erklärungen. "Wir werden seinen Brief beantworten", sagte die Polizeisprecherin. Der Mann habe ohnehin schon geschrieben, er beabsichtige nicht, den Konflikt weiter auszutragen.
Eine Sprecherin der Organisation Parkinson UK sagte, solange der Grund für die Verhaftung nicht feststehe, werde man sich nicht konkret zu dem Fall äußern. Bisher unterstelle auch niemand, dass es sich um einen Fall von Diskriminierung handle. Worsfolds Erfahrung werfe ein Schlaglicht auf fehlendes Verständnis und mangelndes Mitgefühl, mit dem Parkinson-Patienten täglich umgehen müssten. Allzu oft würden Betroffene der Trunkenheit oder verdächtigen Verhaltens beschuldigt, während sie nur versuchten, ihr Leben zu meistern.
ulz
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