Austausch gegen US-Sergeant Taliban feiern Freilassung von Guantanamo-Häftlingen

Amerika feiert die bevorstehende Heimkehr des verschleppten Sergeant Bergdahl - und die Taliban feiern auch, denn fünf ihrer Kämpfer kamen im Gegenzug frei. Ihr Anführer Mullah Omar bezeichnet den Austausch als "großen Sieg". In den USA gibt es erste Kritik an dem Deal.

DPA

Washington - Taliban-Anführer Mullah Omar hat den Austausch des entführten US-Soldaten Bowe Bergdahl gegen fünf Islamisten als "großen Sieg" bezeichnet. Er gratuliere dem gesamten afghanischen Volk, allen Mudschaheddin und den Familien der befreiten Taliban-Kämpfer, erklärte Omar am Sonntag in einer seiner seltenen Stellungnahmen. Er dankte dem Emir von Katar für seine Vermittlungsbemühungen in dem Fall.

Nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium wurde der 28-Jährige Bergdahl am Samstag im Osten Afghanistans an Soldaten einer US-Spezialeinheit übergeben. Im Gegenzug ließen die USA fünf hochrangige Taliban-Mitglieder aus Guantanamo frei und überstellten sie nach Katar. Die Taliban hatten die Freilassung der Guantanamo-Häftlinge zur Bedingung für Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung gemacht. Erste Kontakte waren in den vergangenen Jahren immer wieder abgerissen, weil sich die US-Regierung weigerte, die Gefangenen freizulassen.

Kritik von McCain

In die Freude und Erleichterung über Bergdahls Freilassung mischte sich in Washington daher auch Kritik. Der republikanische US-Senator John McCain bezeichnete die Freigelassenen als "hartgesottene Terroristen". Sein Parteifreund Mike Rogers sprach von einem Präzedenzfall, der Anreize für weitere Entführungen schaffen könnte. Verteidigungsminister Chuck Hagel betonte dagegen, dass nun vielleicht ein "neuer Anfang" für die Gespräche mit den Taliban möglich sei.

Ein Taliban-Sprecher warnte dagegen davor, zu viel in die Freilassung der Guantanamo-Häftlinge hinein zu interpretieren. Es habe sich nur um "einen Austausch von Kriegsgefangenen" gehandelt, sagte Sabihullah Mudschahid. "Es wurde nicht für den Friedensprozess gemacht". Ein anderer Taliban-Vertreter wertete den Deal dagegen als Zeichen dafür, dass überhaupt Verhandlungen möglich seien. Da sich das US-Militär aber erst Ende 2016 vollständig aus Afghanistan zurückziehen wolle, werde der Krieg vorerst weitergehen und sich noch "eine Zeit lang" nichts ändern.

Angebliche Details aus der Gefangenschaft

Ein Kommandeur des mit den radikalislamischen Taliban verbündeten Haqqani-Netzwerkes berichtete am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP am Telefon angebliche Details aus der Gefangenschaft Bergdahls. Der Sergeant der US-Armee war demnach nach seiner Entführung im Juni 2009 zunächst in Ostafghanistan und schließlich vom Haqqani-Netzwerk im pakistanischen Stammesgebiet Nord-Waziristan versteckt worden.

"Er mochte Kawa", den afghanischen grünen Tee, sagte der Kommandeur. "Er hat den ganzen Tag viel Kawa getrunken, den er sich meist selbst zubereitet hat." Bergdahl habe auch viel Badminton gespielt und oft beim Kochen geholfen, berichtete der Kommandeur. Der US-Soldat habe Badminton "geliebt" und "vielen Kämpfern das Spiel beigebracht". Beim Essen habe Bergdahl Gemüse bevorzugt "und nur ein- oder zweimal die Woche um Fleisch gebeten".

Die Landessprachen Paschtu und Dari spricht der heute 28-Jährige den Angaben zufolge mittlerweile fließend. Obwohl seine Bewacher versuchten, ihn über den Islam aufzuklären und ihm auch entsprechende Bücher besorgten, habe Bergdahl lieber an christlichen Traditionen festgehalten, wie der Haqqani-Anführer berichtete. Wenn Feste wie Ostern oder Weihnachten anstanden, habe der Soldat aus dem US-Bundesstaat Idaho seinen Bewachern schon Wochen vorher davon erzählt. Er habe dann auch "mit ihnen zusammen gefeiert".

ric/ap/afp

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Seite 1
joG 01.06.2014
1. neben der Tatsache, dass es illegal war....
....und weder Senat noch Congress offenbar informiert waren, war das wieder ein echter Obama. Nun haben Terroristen einen guten Grund weitere Entführungen nun zu machen.
KingTut 01.06.2014
2. Zwiespalt
Zitat von sysopDPAAmerika feiert die Freilassung des verschleppten Sergeant Bowe Bergdahl - und die Taliban feiern auch. Ihr Anführer Mullah Omar bezeichnet den Gefangenaustausch als "Großen Sieg". In den USA kommt erste Kritik an der Freilassung mutmaßlicher Islamisten auf. http://www.spiegel.de/panorama/omar-mulllah-feiert-austausch-von-taliban-gegen-bergdahl-a-972774.html
Es war sicherlich auch für Obama keine leichte Entscheidung. Einerseits ging es darum, einen Landsmann freizubekommen, dessen Leben bei den Taliban latent gefährdet war, aber andererseits nimmt man durch die Freilassung von mutmaßlichen Schwerverbrechern in Kauf, dass weitere Menschenleben gefährdet werden. Wollen wir hoffen, dass sich diese Befürchtung nicht eines Tages durch unschuldige Tote und Schwerverletzte irgendwo auf dieser Welt bewahrheiten wird. Dass Mullah Omar noch in Freiheit lebt ist betrüblich. Es bleibt nur der Trost, dass er sich vor einem anderen Richter wird verantworten müssen und hoffentlich auf ewig in der Hölle schmoren wird.
prince62 01.06.2014
3. Sie verkennen die Lage zu 100%!
Zitat von KingTutEs war sicherlich auch für Obama keine leichte Entscheidung. Einerseits ging es darum, einen Landsmann freizubekommen, dessen Leben bei den Taliban latent gefährdet war, aber andererseits nimmt man durch die Freilassung von mutmaßlichen Schwerverbrechern in Kauf, dass weitere Menschenleben gefährdet werden. Wollen wir hoffen, dass sich diese Befürchtung nicht eines Tages durch unschuldige Tote und Schwerverletzte irgendwo auf dieser Welt bewahrheiten wird. Dass Mullah Omar noch in Freiheit lebt ist betrüblich. Es bleibt nur der Trost, dass er sich vor einem anderen Richter wird verantworten müssen und hoffentlich auf ewig in der Hölle schmoren wird.
Mal zur Erinnerung, die wirklich großen Schwerverbrecher leben in den USA und sind leider alle in Freiheit, also da wäre die sogenannte Viererbande aus G. W. Bush, D. Rumsfield, C. Rice und C. Cheeney, hauptverantwortlich für hunderttausendfachen Mord an Zivilisten im Irak und Afghanistan, solange diese Bande in Freiheit ist, sollten Sie keine anderen als Schwerverbrecher bezeichnen, die eigentlich Freiheitskämpfer sind, weil sie für die Freiheit ihres Landes von den eingefallenen Besatzungsmächten kämpfen.
drittaccount 01.06.2014
4.
Zitat von sysopDPAAmerika feiert die Freilassung des verschleppten Sergeant Bowe Bergdahl - und die Taliban feiern auch. Ihr Anführer Mullah Omar bezeichnet den Gefangenaustausch als "Großen Sieg". In den USA kommt erste Kritik an der Freilassung mutmaßlicher Islamisten auf. http://www.spiegel.de/panorama/omar-mulllah-feiert-austausch-von-taliban-gegen-bergdahl-a-972774.html
Der Mann wurde nicht verschleppt, sondern wurde gefangengenommen, nachdem er freiwilig zum Kriegführen nach AFG kam. Im allgemeinen nennt man sowas Kriegsgefangenschaft. Der Weg der Gefangenen nach Guantanamo dürfte allerdings als Verschleppung zu bezeichnen sein.
tkedm 01.06.2014
5.
Zitat von sysopDPAAmerika feiert die Freilassung des verschleppten Sergeant Bowe Bergdahl - und die Taliban feiern auch. Ihr Anführer Mullah Omar bezeichnet den Gefangenaustausch als "Großen Sieg". In den USA kommt erste Kritik an der Freilassung mutmaßlicher Islamisten auf. http://www.spiegel.de/panorama/omar-mulllah-feiert-austausch-von-taliban-gegen-bergdahl-a-972774.html
Waren die Gefangenen überhaupt überführte Terroristen? Ist es grundsätzlich verboten, Taliban oder Islamist zu sein?
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