Homophober Facebook-Eintrag Oper in Sydney schasst Starsopranistin

Tamar Iveri muss die Oper in Sydney verlassen. Auf der Facebook-Seite der Starsopranistin wurde gegen eine "Gay Pride"-Parade gepöbelt - "unzumutbar", befand das Opernhaus. Der Erklärungsversuch der Sängerin wirkt durchschaubar.

DPA

Sydney - In Georgiens Hauptstadt Tiflis zogen Aktivisten am Wochenende bei einer "Gay Pride"-Parade durch die Straßen. Auf der Facebook-Seite der georgischen Sopranistin Tamar Iveri wurde dazu eine eindeutige Meinung verbreitet: "Ich war stolz darauf, wie die georgische Gesellschaft auf die Parade gespuckt hat ... Bitte stoppt die Versuche, mit Propagandamitteln westliche 'Fäkalmassen' in die Mentalität der Menschen zu bringen."

Wegen dieser Worte hat sich die Australische Oper in Sydney von der Sängerin getrennt. "Wir betrachten diese Ansichten als unzumutbar", teilte das Opernhaus mit. Iveri sollte im Juli in "Otello" auftreten und die Rolle der Desdemona singen.

Auf der Facebook-Seite der Oper gab es mehr als tausend empörte Reaktionen und Boykottdrohungen, sollte Iveri weiter dort singen. Das Haus teilte mit, man habe mit Iveri eine Übereinkunft getroffen, den Vertrag sofort zu beenden. Die Sängerin ließ verlauten, sie habe sich entschlossen, von der Rolle zurückzutreten, um den Erfolg der Produktion nicht zu gefährden.

Iveri hatte sich für die Veröffentlichung entschuldigt und den umstrittenen Eintrag gelöscht. Sie erklärte, ihr Mann habe ohne ihr Wissen einen Text von ihr über die Gay Pride stark verändert und in ihrem Namen veröffentlicht. Ihr Mann sei "zutiefst religiös", erklärte sie. "Dieser Text spiegelt nicht meine Meinung wider." Offenbar habe sie ihn aber zu spät gelöscht, und er sei bereits im Umlauf gewesen. "Ich bin schockiert und traurig über Medienberichte, die mich als homosexuellenfeindlich bezeichnen", schrieb sie auf Facebook.

Die Sopranistin hat bereits in Wien, Salzburg und Verona, in der Met in New York und im Royal Opera House in Covent Garden in London gesungen. Ihr Debüt hatte sie 2004 bei den Salzburger Festspielen gegeben.

ulz/AFP/dpa

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