Orkan "Kyrill" Monstersturm bedroht Deutschland - erste Schäden

Lastwagen werden von der Straße geweht, Plakatwände heben ab: Ausläufer des Orkans Kyrill zeigen schon jetzt, was Deutschland in den kommenden Stunden zu erwarten hat. Über Sylt peitscht der Wind mit Stärke zehn, auf dem Feldberg herrscht bereits Orkan.


Hamburg - Auf der Insel Sylt rüsten sich die Menschen bei bereits heftigem Wind der Stärke zehn für den anrückenden Orkan, berichtete das "Morgenmagazin" des ZDF; auf dem Feldberg hat der Sturm Orkanstärke erreicht. In der Nacht hatte sich "Kyrill" mit ersten Sturmböen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angekündigt. Die Feuerwehr musste mehrere Male zu wetterbedingten Einsätzen ausrücken.

"Kyrill" auf Satellitenbild (oben links, 17. Januar, 13 Uhr): Kurs auf Europa
DDP

"Kyrill" auf Satellitenbild (oben links, 17. Januar, 13 Uhr): Kurs auf Europa

Auf der Autobahn 1 bei Wildeshausen im Kreis Oldenburg wurde ein leerer Lastwagen mit Anhänger vermutlich auf Grund einer Windböe von der Fahrbahn gedrückt und kam auf dem Grünstreifen zum Stehen. In Hannover drohte eine Plakatwand umzustürzen, außerdem löste sich ein Werbeplakat. Ein Verkehrsschild fiel auf ein Auto.

Bereits am frühen Mittwochabend wurde eine Baustellenabsperrung gegen ein Auto gedrückt. In Pattensen (Region Hannover) stürzte ein Ast auf einen Lastwagen. In Nordrhein-Westfalen mussten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen zu mehreren umgestürzten Bäumen, überfluteten Straßen und voll gelaufenen Kellern ausrücken.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab Unwetterwarnungen für alle Bundesländer heraus. Von 8.00 Uhr an gilt die Warnung zunächst für die Höhenlagen von Rheinland-Pfalz und Hessen, ab Mittag fortschreitend von West nach Ost auch für den Rest der Republik, teilte der DWD mit. Örtlich seien Orkanböen von mehr als 150 Stundenkilometern möglich, in exponierten Gipfellagen noch darüber. Der Sturm wird seinen Höhepunkt im Nordwesten am frühen Nachmittag haben und den Süden abends und in der Nacht zum Freitag erreichen.

"Dass die gesamte Republik mindestens von Windstärke 11 auch in den Niederungen betroffen sein wird - das fällt aus der Reihe", sagt Meteorologin Dorothea Paetzold vom DWD.

Meteorologen raten, von Nachmittag an zu Hause zu bleiben und Autos nicht unter Bäumen oder am Meer zu parken. Gefahr drohe durch entwurzelte Bäume und umherfliegende Trümmer. An den Küsten wird auch mit Hochwasser und einer Sturmflut gerechnet.

Wälder seien wegen der Gefahr umstürzender Bäume unbedingt zu meiden. Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben, Gegenstände im Freien gesichert werden. Von Gerüsten und Hochspannungsleitungen solle man sich dringend fernhalten, Kellereingänge schützen und prüfen, ob die Rückschlagventile für schnellen Wasserabfluss funktionieren. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) rief die Bürger auf, die Notrufnummer 112 nur zu benutzen, wenn bei Schäden dringend Hilfe gebraucht wird. Schäden ohne akute Gefahren sollten erst nach dem Unwetter gemeldet werden.

In Nordrhein-Westfalen kündigten Schulen an, den Unterricht nach der vierten Stunde zu beenden. Den Warnungen zufolge drohen schwere Schäden im ganzen Land wie zuletzt beim Orkan "Jeanett" im Oktober 2002. Auf den nordfriesischen Inseln befürchten die Gemeinden nach den schweren Sandverlusten und Uferabbrüchen in der vergangenen Woche weitere Schäden.

Bahn und Behörden wappnen sich für schwere Orkanschäden. Die Deutsche Bahn hat ihre Instandhaltungstrupps schon am Mittwochabend vorsorglich in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Rund 500 Spezialisten sollen im Notfall das insgesamt 34.000 Kilometer lange Schienennetz möglichst schnell von Ästen oder umgestürzten Bäumen frei räumen. Busse stünden bereit, um Fahrgäste bei blockierten Gleisen weiterzutransportieren, sagte eine Sprecherin. Güterzüge mit leeren Containern dürfen bei Starkwind die Brücke zur Insel Fehmarn nicht mehr nutzen.

jaf/jto/dpa/AFP/AP/Reuters



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