Sturm-Bilanz Das große Aufräumen nach Orkan "Niklas"

Umgeknickte Bäume, liegengebliebene Züge, mehrere Tote: "Niklas" gehört zu den stärksten Stürmen der vergangenen 30 Jahre. Inzwischen ist der Orkan aus Deutschland abgezogen - und an vielen Orten bleibt Chaos zurück.

DPA

"Niklas" hat Deutschland kräftig durchgeschüttelt: Der Orkan gehört zu den stärksten Stürmen der vergangenen 30 Jahre. "Dies gilt sowohl für die Spitzenwerte als auch für die Durchschnittswerte", teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Am heftigsten tobte der Sturm demnach auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, mit Böen von bis zu 192 Kilometern pro Stunde. "Niklas" war nach Einschätzung des privaten Wetterdienstes MeteoGroup fast so stark wie "Kyrill" im Januar 2007.

Wegen des Sturmtiefs "Niklas" starben in Deutschland mindestens neun Menschen. In Bayern und Rheinland-Pfalz wurden eine Frau und zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt wurde eine Mauer umgeweht, ein Mann starb. In Niedersachsen starb ein Mann unter einem herausgebrochenen Scheunentor. Außerdem kamen vier Menschen bei wetterbedingten Unfällen ums Leben.

"Niklas" hatten den Bahnverkehr am Dienstag in weiten Teilen lahmgelegt, am Mittwoch normalisierte sich die Lage. Man habe "den Zugverkehr in großen Teilen wieder aufnehmen können", hieß es auf der Internetseite der Bahn. Im Fernverkehr werde es aber noch zu Verspätungen und einzelnen Zugausfällen kommen. Gesperrt waren noch die Strecken Hannover-Bremen und München-Rosenheim. Am Donnerstag - pünktlich zum Reiseverkehr zu den Osterfeiertagen - soll laut Bahn alles wieder stabil und planmäßig laufen.

Der Orkan hatte auch den Betrieb an Flughäfen durcheinandergebracht. In Frankfurt am Main mussten von 1300 geplanten Flügen am Dienstag 185 annulliert werden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers. Die Nachwirkungen waren auch am Mittwoch noch zu spüren: Von den geplanten 1360 Starts und Landungen sollten 44 ausfallen. Etwa 1300 Fluggäste hätten die Nacht zum Mittwoch in Hotels verbracht.

Nach dem Durchzug von "Niklas" laufen vielerorts die Aufräumarbeiten. Der Sturm hatte Bäume umgeknickt, die Straßen und Gleise zeitweise blockierten und von Einsatzkräften entfernt werden mussten. Der Wind hatte auch Baugerüste umgerissen, Ziegel flogen von Hausdächern. "Niklas" beschädigte Fassaden, Autos und Stromleitungen.

Der Deutsche Feuerwehrverband erklärte, dass am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch schätzungsweise bis zu 100.000 Feuerwehrleute im Einsatz waren. Der Verband rief zur Vorsicht auf - abgeknickte Äste und lose Teile von Dächern könnten noch herabfallen. Auch vor Spaziergängen im Wald in den kommenden Tagen wird gewarnt.

Die genaue Höhe der Schäden ist noch nicht abzusehen: Die Versicherer erwarten viele Schadensmeldungen erst für die Zeit nach den Osterferien, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sagte. Auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat noch keinen Überblick über die Schäden.

Auch nach "Niklas" bleibt es stürmisch in Deutschland: Für Ostern sagen die Meteorologen nass-kaltes und unbeständiges Wetter mit Temperaturen von maximal zehn Grad voraus.

wit/dpa



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