Orkan "Niklas" fegt über Deutschland Mehrere Tote und Bahn-Chaos

Ausnahmezustand bei der Bahn, Chaos auf den Straßen, mehrere Tote und Verletzte: Mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern ist Orkan "Niklas" von Westen nach Osten über Deutschland gefegt.

DPA

Auf der Schiene ging vielerorts nichts mehr: In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stand der Nahverkehr still, am Abend auch in Mecklenburg-Vorpommern. In Deutschlands größtem Bundesland Bayern wurde der Fernverkehr am Dienstagnachmittag komplett eingestellt. Anderswo rollten die Züge mit gedrosseltem Tempo. "Der Orkan 'Niklas' hat die Bahn mit voller Wucht getroffen", sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. "Wichtig ist, dass wir zum Osterreiseverkehr ab Donnerstag wieder alles in Schuss haben."

Bundesweit waren Polizisten und Feuerwehrleute im Dauereinsatz. Häuser wurden beschädigt, Wind und umstürzende Bäume rissen Stromleitungen herunter. Auf Straßen und Autobahnen blockierten umgekippte Lastwagen und Anhänger den Verkehr. Im Fährverkehr zu den ostfriesischen Inseln kam es zu Einschränkungen. Schiffe fielen aus oder konnten erst später ablegen. Die Verbindung zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel Helgoland wurde komplett gestrichen.

Auch Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main meldete Probleme: Betreiber Fraport sprach von 180 ausgefallenen Starts und Landungen.

Züge zu Hotels umfunktioniert

Bei den Regionalbahnen waren einzelne Strecken gesperrt. Der Münchner Hauptbahnhof wurde geräumt, weil Dachfenster herabzustürzen drohten. In der Nähe von Osnabrück in Niedersachsen kippten mehrere entwurzelte Bäume auf einen Intercity mit etwa 350 Menschen an Bord. Verletzt wurde nach Angaben der Bundespolizei niemand.

Die Bahn versprach, sich um Fahrgäste zu kümmern, sollten diese an Bahnhöfen festsitzen. "Wir versuchen auch Übernachtungsmöglichkeiten bereitzustellen, für diejenigen, die gar nicht mehr wegkommen", sagte DB-Sprecher Stauß. In den Bahnhöfen Hannover und Bremen wurden Züge für die Nacht praktisch zu Hotels umfunktioniert.

Mann von Betonmauer erschlagen

In Sachsen-Anhalt wurde laut Polizei ein Hausbesitzer aus Groß Santersleben vor seiner Haustür unter einer umstürzenden Betonmauer begraben. In der Nähe von Montabaur im Westerwald stürzte ein Baum auf ein Dienstfahrzeug der Straßenmeisterei Bad Ems, die beiden 21 und 23 Jahre alten Insassen wurden tot geborgen. In Dietramszell in Bayern starb eine 39-Jährige, als am frühen Abend zwei Fichten auf ihr Auto stürzten.

Im österreichischen Mauthausen starb ein Mann, der während des Sturms seine Terrassenüberdachung sichern wollte. Dabei stürzte er von der Leiter und zog sich tödliche Kopfverletzungen zu, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete. In der Schweiz ist im Sturm ein 75-jähriger Autofahrer ums Leben gekommen. Er war laut Polizei unweit der deutsch-schweizerischen Grenze unterwegs, als ein Baum auf sein Fahrzeug krachte. Der Mann starb noch an der Unfallstelle.

Haushalte in Bayern und Sachsen ohne Strom

Mehrere Zehntausend Haushalte in Bayern blieben ohne Strom; für tausend Haushalte sollte der Zustand über Nacht anhalten, so der Versorger Bayernwerk AG. Auch in Sachsen blieben zeitweise bis zu 15.000 Kunden ohne Elektrizität. In mehreren Bundesländern wurden Windkraftanlagen ausgeschaltet. Zoos machten ihre Pforten dicht. In Hamburg blieb der Dom mit seinen Karussells geschlossen.

Bei Hagen in Nordrhein-Westfalen riss der Sturm ein Baugerüst von der Lennetalbrücke (A45). Zwei Arbeiter, die in 20 Metern Höhe mit Schweißarbeiten beschäftigt waren, fielen in die Tiefe und verletzten sich schwer.

Stärkster Sturm der vergangenen Jahre

Es sei einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre, sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Am heftigsten tobte "Niklas" auf 2962 Metern, auf Deutschlands höchstem Berg, der für die Öffentlichkeit gesperrten Zugspitze in den Alpen. Dort wurden Böen von 192 Stundenkilometern gemessen. Der Spitzenwert im Tiefland wurde laut DWD bis zum frühen Abend mit 140 Stundenkilometern erreicht.

Auch am Mittwoch werde es windig bis stürmisch - "das Gröbste ist dann aber vorbei", sagte DWD-Sprecher Kirchhübel. Laut DWD wird das Osterfest in diesem Jahr ungemütlich nass-kalt. Nach dem Abzug von "Niklas" erreicht Polarluft aus dem Norden Deutschland. Am Sonntag und Montag soll es lediglich bei 2 bis 13 Grad werden und häufig regnen.

loe/dpa



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druck_im_topf 31.03.2015
1. Ist das jetzt nun beinhart genug?
Schon den ganzen Tag liest man im Kommentarteil "Bahnbashing" oder das "Aufbauschen durch die Presse". Muss es erst Tote geben, damit die Bahn den Betrieb wegen Gefahr einstellen darf, oder die Presse darüber schreiben darf? Ich hoffe, das lässt nun nach wie der Sturm langsam auch. Die richtig harten Friesen gehören jetzt bitte natürlich auf den Deich und zwar nur dort - die ganze lange Nacht hindurch. Dem hoffentlich vernünftigem Rest wünsche ich dann eine ruhige Nacht, ohne das noch was passiert!
realoschalk 31.03.2015
2. Vorhersage
Hatten die Meteorologen nicht weit weniger starken Sturm vorhergesagt ? Wie weit ist diese Wissenschaft ? Scheinbar immer noch nicht so weit, Unwetter in der richtigen Intensität vorherzusagen.
retterdernation 01.04.2015
3. Wenn die Bäume stürzen
können Menschen sterben. Jeder Dussel weiß doch - das man bei einem Orkan nicht in den Wald geht. Diesmal waren wohl zwei der bedauerlichen Opfer berufsbedingt dort - wer es einmal freiwillig gemacht hat - der hört das Krachen um sich herum - sein Leben lang - da reichen schon große Äste - für das Ende! Tja - und irgend etwas stürzt doch immer um - eigentlich jeden Tag - nur durch den Sturm - werden diese Ereignisse herausgestellt. Da - sind sie also immer, mehr oder weniger. Sicherlich hat mich gegen 23 Uhr die Sturmflut auf Amrum beeindruckt - und sicherlich habe ich das Wasser noch nie zuvor so nahe an den Dünen gesehen! Deshalb aber in Todesangst zu verfallen - und das die Fähren bei Sturm nicht mehr nach Helgoland fahren, liegt wohl eher daran - dass die Anlandung einfach schwer fallen würde - und alle Passagiere an Bord - ähm - speien würden. Und da Wir Deutschen hysterisch sind und diese Eigenschaft durch die Medien in solch Fällen - angefacht wird - werden wegen ein paar Bäumen auf den Bahnstrecken - Ganze Nahverkehrsnetze still gelegt - Au man - was passiert dann erst - wenn mal wieder ein echter Jahrhundertsturm über uns fegt. So wie in Hamburg damals - oder Katrina in den USA. Ist es nicht eher dieser Mythos - den Stürme - durch ihre grauenvollen Folgen - in der Geschichte der Menschheit anrichteten - denWir bewundern, in unserer vermeintlichen Furcht - die seien Wir doch mal ganz ehrlich - der mediale Druck um ein Vielfaches verstärkt. Ja - die Frühlingsstürme und ihre Betrachtung faszinieren - sind aber normal - und kommen jedes Jahr wieder ... doch die Welt dreht sich weiter!
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