Orkanböen in Deutschland Zwei Menschen sterben nach Unwetter

Orkanböen mit 120 km/h, Starkregen, Blitzeinschläge: Heftige Unwetter sind über Deutschland hinweggefegt. In Baden-Württemberg kamen zwei Frauen ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Meteorologen rechnen mit weiteren gewittrigen Regenschauern.

DPA

Hamburg - Bei dem schweren Unwetter am Mittwochabend sind in Baden-Württemberg zwei Frauen gestorben. Wie das Lagezentrum des Innenministeriums am Donnerstag in Stuttgart mitteilte, ertrank eine 57 Jahre alte Frau auf dem Bodensee bei Radolfzell, als ihr Kanu kenterte. Eine 77-Jährige sei in Konstanz unter einem eingestürzten Erdbeerstand eingeschlossen gewesen und später im Krankenhaus gestorben.

Vor allem im Süden Deutschlands hatten am Mittwoch schwere Unwetter und Stürme gewütet, die zum Teil sogar Orkanstärke erreichten. Aus Stötten in Baden-Württemberg und Hochwald in Sachsen meldeten Wetterstationen der Meteomedia Unwetterzentrale Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde.

Besonders die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg seien von der Unwetterfront betroffen gewesen, teilte der Wetterdienst Meteomedia am Donnerstagmorgen mit. "Dabei kam es gebietsweise zu unwetterartigen Gewittern mit Starkregen, Hagelschlag und schweren Sturmböen," sagte Stefan Laps, Meteorologe bei Meteomedia.

Nachfolgend eine Auswahl der höchsten Windgeschwindigkeiten vom Mittwoch:

  • 130 km/h - Stötten (Baden-Württemberg), Hochwald (Sachsen)
  • 126 km/h - Wendelstein (Bayern)
  • 122 km/h - Balingen-Bronnhaupten (Baden-Württemberg)
  • 119 km/h - Benediktbeuern (Kloster) (Bayern)
  • 115 km/h - Dogern (Baden-Württemberg)
  • 113 km/h - Görwihl-Segeten (Baden-Württemberg)
  • 111 km/h - Hohentwiel (Baden-Württemberg)
  • 107 km/h - Albstadt (Baden-Württemberg), Ebersbach/Oberlausitz (Sachsen)

Vielerorts wurden Bäume umgerissen, zahlreiche Dächer wurden abgedeckt, Felder verwüstet, Stromleitungen beschädigt. Passanten wurden von herumfliegenden Trümmern oder herabstürzenden Ästen getroffen. In Heidenheim durchschlug ein Ast die Heckscheibe eines Autos, ein fünfjähriges Mädchen wurde schwer verletzt. Bahnstrecken und Straßen mussten zeitweise gesperrt werden, weil sie von Bäumen blockiert wurden.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg verursachten Blitzeinschläge und umstürzende Bäume Schäden an Stromleitungen und -masten. Am Abend waren rund 50.000 Haushalte ohne Strom. Rund 1500 Kunden hatten einem Sprecher der Envia Mitteldeutsche Energie AG zufolge am Donnerstagmorgen immer noch keinen Strom. Wie lange die Störungen dort anhalten, sei nicht absehbar.

Das ganze Ausmaß der Zerstörung ist bisher noch nicht abzusehen. Das Lagezentrum des baden-württembergischen Innenministeriums erklärte, allein in diesem Bundesland sei ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro entstanden.

Auch in Österreich richteten Unwetter schweren Schaden an und ließen Menschen im Dunkeln sitzen. Rund 5400 Blitze lösten zahlreiche Brände aus. In Tirol fiel in mehreren tausend Haushalten der Strom aus. Auch in den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg war die Feuerwehr im Dauereinsatz. Allein im Raum Salzburg soll den Landwirten nach Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur APA ein Schaden von 300.000 Euro entstanden sein.

Neue gewittrige Regenschauer

Auslöser für die schweren Unwetter war die Kaltfront eines Nordseetiefs, die am Mittwoch nach Deutschland gezogen war. In ihrem Vorfeld wurde schwülwarme Luft in die Osthälfte Deutschlands geführt, in den äußersten Südosten Bayerns auch schwülheiße Luft. An der Kaltfront bildete sich ein Randtief, welches das Tief mit heftigen Gewittern sehr schnell über Deutschland hinwegkatapultierte. Erst in den späten Abendstunden konnte der Deutsche Wetterdienst Entwarnung geben: Die Unwetterwarnungen wurden aufgehoben.

In der Nacht zog die Kaltfront aus Deutschland ab, Meteorologen erwarten aber, dass sie noch einige Zeit am Alpenrand entlangstreift. Daher sei dort an diesem Donnerstag noch mit länger andauernden und ergiebigen Regenfällen zu rechnen, besonders vom Mangfallgebirge über den Chiemgau bis ins Berchtesgadener Land und ins Rotttal. "Von Donnerstagmorgen bis in die Nacht zum Freitag hinein sind hier 20 bis 30 Liter Regen pro Quadratmeter möglich, örtlich auch darüber", so Laps von Meteomedia.

Auch in anderen Teilen Deutschlands muss man mit weiterem Niederschlag rechnen: Am Donnerstag erreichen neue gewittrige Regenschauer Deutschland von Nordwesten her, prognostizierte Laps. "Noch einmal macht sich Aprilwetter im Juni bemerkbar."

Ab Sonntag und vor allem zu Beginn der kommenden Woche setzt sich laut Meteomedia von Südwesten her vorübergehend sehr warme bis heiße Luft durch. Am Dienstag können im Westen verbreitet 32 bis 34, in einigen Flusstälern und Ballungsräumen auch um die 35 Grad erreicht werden.

siu/dpa



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timewalk 23.06.2011
1. Wetterextreme imemr Häufiger
Zitat von sysopOrkanböen mit 120 km/h, Starkregen, Blitzeinschläge: Heftige Unwetter sind* über Deutschland hinweggefegt. In Baden-Württemberg kamen zwei Frauen ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Meteorologen rechnen mit weiteren gewittrigen Regenschauern. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,770021,00.html
Ist es nicht viel einfacher nichts zutun, sich dem Schicksal zu ergeben, weiterhin jährlich Milliarden Subventionsbeträge an die Öl & Kohle Lobby zu zahlen, die damit ua. den Zweifel am Klimawandel (ua. Wetterextreme) finazieren? A link between climate change and Joplin tornadoes? Never. http://www.youtube.com/watch?v=xhCY-3XnqS0&feature=player_embedded
timewalk 23.06.2011
2. Der Klimawandel ist tödlich
In den USA sind aktuell bis zu 100.000 Menschen auf der Flucht vor den schwersten Waldbränden seit Beginn des Staates Arizona oder wie am Mississipi wo die höchsten Pegelstände gemessen werden. Zudem werden fast täglich zerstörerische Tornados gemeldet, soviele wie noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Residents evacuate ahead of record river crest in Minot http://edition.cnn.com/2011/US/06/23/north.dakota.flooding/ In China sind gerade etwa 5 millionen Menschen auf der Flucht vor Überschwemmungen, welche direkt im Anschluß an die schwerste Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnung folgte. More than 5 million affected by China flooding http://www.cbsnews.com/stories/2011/06/19/501364/main20072346.shtml
Moralinsaurer 23.06.2011
3. Immer noch besser
als die katastrophale Trockenperiode davor...
kjartan75 23.06.2011
4. Titellos glücklich!
Man mags kaum glauben gerade, aber die 1. Hitzewelle wird kommende Woche erwartet. Mal sehen, wann dann die Klagen über Trockenheit kommen werden. Scheint ja immer mehr das einzutreffen, was vorhergesagt wurde: extremere Wetterlagen jedweder Art werden öfter auftreten.
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