Orkantief Franz Meteorologen warnen vor extremer Gefahr

Orkantief Franz rauscht auf Deutschland zu: Erwartet werden Windgeschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometern, der Fährverkehr an der deutschen Nordseeküste wurde eingestellt, auch die Schifffahrt im Ärmelkanal ist lahmgelegt.


Frankfurt am Main - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor heftigen Sturm- und Orkanböen im Norden, Westen, in den Mittelgebirgen und am Alpenrand. Für 13 Bundesländer gaben die Meteorologen Unwetterwarnungen heraus: Im Hoch- und Südschwarzwald drohen bis in die Nacht Windgeschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometern. Die Meteorologen sprechen von einer extremen Gefahr wegen umherfliegender Gegenstände und umstürzender Bäume.

Die Warnungen vor dem Orkantief "Franz" gelten zunächst bis 22.30 Uhr und für alle Bundesländer bis auf Berlin, Brandenburg und das Saarland. Eine Verlängerung sei wahrscheinlich, teilte der DWD mit. Mit schweren Schäden an Gebäuden sowie mit Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr ist zu rechnen.

Für die Nordseeküste und Hochlagen werden Orkanböen um 125 Kilometern pro Stunde vorhergesagt. Mit 110 bis 120 Stundenkilometern nur unwesentlich schwächer soll es in Nordrhein-Westfalen stürmen. Mit Schäden wird insbesondere im Hochsauerland gerechnet.

Sturmflutgefahr für Nordseeküste

Für den frühen Freitagmorgen warnen die Experten vor einer Sturmflut an der ostfriesischen Nordseeküste. "Es besteht eine Überflutungsgefahr für Strände, Deichvorländer und Hafenflächen", sagte die Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Herma Heyken, im ostfriesischen Norden. Erwartet wird, dass die Flut auf der Insel Norderney um 4.27 Uhr zirka 1,5 Meter über dem mittleren Tidehochwasser aufläuft. In Emden soll die Flut um 5.26 Uhr das normale Hochwasser um rund zwei Meter übersteigen.

Wegen des Sturms ist der Fährverkehr zu den nordfriesischen Inseln heute vorläufig eingestellt worden. Seit dem Vormittag liegen die Schiffe in den Häfen Dagebüll und Schlüttsiel fest, sagte ein Sprecher der Wyker Dampfschiffs-Reederei. "Wir wollen versuchen, am Nachmittag noch einmal zu fahren, weil viele Gäste auf den Inseln festsitzen." Laut Wetterbericht soll der Sturm nachmittags zwischenzeitlich nachlassen und gegen Abend wieder zulegen.

Die Reederei betreibt Fährlinien von Dagebüll nach Föhr und Amrum sowie von Schlüttsiel nach Hooge, Langeneß und Amrum. Wetterbedingt sagte auch die Neue Pellwormer Dampfschifffahrtsgesellschaft die letzte Verbindung heute Nachmittag und die erste Fahrt morgen früh von Pellworm nach Strucklahnungshörn auf Nordstrand bereits ab.

Chaos auf dem Ärmelkanal

Die Stürme haben auch den Schiffsverkehr auf dem Ärmelkanal weitgehend lahmgelegt. Nach Angaben der Hafenbehörden im britischen Dover und in Nordfrankreich wurden die regulären Fährverbindungen angesichts von Windstärke neun, schweren Seegangs und eingeschränkter Sicht bis auf weiteres ausgesetzt.

Vor der Südostküste Irlands sank in der Nacht ein Kutter mit fünf Fischern; die regionale Küstenwacht startete eine groß angelegte Rettungsaktion mit Booten und Hubschraubern. Der in Frankreich gebaute Trawler "Père Charles" hatte nach Angaben der Behörden vier irische Seeleute und ein vermutlich aus der Ukraine stammendes Besatzungsmitglied an Bord, als das Schiff bei Windstärke zehn rasch von den Radarschirmen verschwand und sank. Die Männer hatten vor Hook Head nach Hering gefischt und waren am irischen Fischereihafen Dunmore East erwartet worden. Zunächst wurde nur ein Rettungsreifen der "Père Charles" gesichtet; nach Angaben der Küstenwacht gab es aber Hoffnung, dass die Schiffbrüchigen ein Rettungsfloß genutzt haben könnten.

Der Wetterdienst Météo France erwartete für die nordfranzösische Küstenregion Nord-Pas-de-Calais Sturmböen von bis zu 120 Stundenkilometern und rief deswegen Alarmstufe Orange aus. Nach Angaben des regionalen Verkehrslagezentrums zeichnete sich an der Eurotunnel-Passage unter dem Kanal großer Andrang vor allem von Lastwagen ab, die von den üblichen Fähren auf die Bahnverbindung umstiegen.

Starker Wind und viel Regen

Die Aussichten für die kommenden Tage versprechen kaum Wetterbesserung. Für die Nacht rechnen die Meteorologen mit Regen in der Mitte Deutschlands und im Süden; für den Norden werden Schauer bei wechselnder Bewölkung erwartet. Weiter sagen die Meteorologen stürmischen Wind und Temperaturen von vier bis neun Grad voraus.

Morgen gibt es in Süddeutschland zunächst Regen, sonst sind bei wechselnder Bewölkung Schauer verbreitet. Die Temperaturen erreichen Werte zwischen sieben und elf, am Oberrhein um zwölf Grad. Der Wind weht stark bis stürmisch, im höheren Bergland kommt es erneut zu orkanartigen Böen. In der Nacht zum Samstag regnet es zeitweise, die Tiefstwerte liegen zwischen fünf und zehn Grad.

Am Samstag bleibt es meist stark bewölkt oder bedeckt, es fällt weiterhin zeitweise Regen oder Nieselregen. Mit Höchsttemperaturen zwischen 8 und 13 Grad, im Südosten örtlich bis zu 15 Grad, bleibt es sehr mild. Am Sonntag regnet es anfangs in der Mitte und im Süden, im Tagesverlauf setzen sich von Norden größere Wolkenauflockerungen durch. Die Tageshöchstwerte liegen bei 9 Grad im Norden und 13 Grad im Südwesten.

Für die kommende Woche rechnet der Wetterdienst mit wechselhaftem und zeitweise sonnigem Wetter, die Temperaturen bleiben für die Jahreszeit deutlich zu mild.

ffr/AP/dpa/AFP/ddp



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