Orkantief Franz Tote in irischer See - Sturmflut in Hamburg

Orkantief Franz hat in Europa schwere Schäden angerichtet und mehrere Menschen das Leben gekostet. In Deutschland tobte der Sturm vor allem an der Küste und in den Mittelgebirgen. Fährverbindungen in Nord- und Ostsee sind nach wie vor zum Teil eingeschränkt.


Berlin - Vor der irischen Küste sind vermutlich mindestens fünf Fischer ertrunken, nach zwei weiteren wird noch gesucht. In Deutschland sind bisher keine Todesopfer zu beklagen. Orkantief Franz wütete vor allem an der Küste und in den Mittelgebirgen.

Bereits seit gestern behindert der Sturm die Fährverbindungen in Norddeutschland. Aufgrund des Hochwassers verschoben sich nach Angaben der Wyker Dampfschiffs-Reederei die ersten Abfahrtszeiten von und zu den Inseln und Halligen im Wattenmeer bis Freitagvormittag. Die Rømø-Sylt Linie soll ihren Betrieb ebenfalls wieder aufnehmen. Auf der Strecke Nordstrand-Pellworm gibt es keine Einschränkungen mehr. Die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen wartet dagegen noch auf sinkenden Wasserstand. Helgoland ist weiterhin vom Festland abgeschnitten. Die Reederei Cassen Eils in Cuxhaven wartet auf ruhigeres Wetter am Wochenende.

Eine schwere Sturmflut mit Wasserständen von 2,68 Meter über dem Mittleren Hochwasser hat am Vormittag Hamburg erreicht. Bei Flutständen von mehr als 2,50 Meter sprechen Fachleute von einer schweren Sturmflut. Der Fischmarkt und Ufernahe Straßen wurden bereits am Morgen überschwemmt. Die Speicherstadt und der nördliche Teil des Elbufers wurden gesperrt. Auch die Halligen meldeten "Landunter". Durch ein defektes Flutschutztor sind am Morgen die Wassermassen in ein Bürogebäude in Hamburg-Altona geströmt. Das Haus wurde komplett geräumt.

Die Hamburger Feuerwehr rückte in der Nacht zu rund 50 wetterbedingten Einsätzen aus, hauptsächlich um umgestürzte Bäume und heruntergefallene Äste zu beseitigen. Am Morgen mussten die Einsatzkräfte mehrere in Ufernähe geparkte Autos aus den Fluten ziehen. Auch in Schleswig-Holstein rückten die Wehren zu zahlreichen Einsätzen aus. Eine genaue Zahl konnte der Landesfeuerwehrverband nicht nennen, er ging aber von mehreren Hundert aus. Auf der Fehmarnsundbrücke kippte ein Lkw-Anhänger um.

Auch auf der Autobahn A 1 Hamburg-Lübeck kam bei Ahrensburg im Kreis Stormarn ein Lastwagen durch schwere Böen ins schlingern, fuhr auf eine Böschung und stürzte auf die Seite. Bei einem Ausweichmanöver wegen einer im Sturm umstürzenden Eiche ist eine Frau mit ihrem Wagen bei Eckernförde schwer verunglückt. Die 31-Jährige blieb in dem total zerstörten Fahrzeug jedoch unverletzt. Die Fahrerin verlor bei der Aktion am frühen Freitagmorgen auf einer Bundesstraße nach Polizeiangaben die Kontrolle über ihren Wagen und stürzte einen Abhang hinab.

In vielen weiteren Bundesländern mussten Feuerwehr und Polizei wegen umgestürzter Bäume, leichter Unfälle sowie umherfliegender Bauteile ausrücken. In Mecklenburg-Vorpommern bei Basepohl wurde ein Mensch verletzt, nachdem ein Baum auf ein Auto gestürzt war. Im sächsischen Crottendorf erfasste eine Windböe den Wagen einer Frau und drückte ihn gegen einen Baum. Die Fahrerin wurde schwer verletzt.

In Thüringen wurde die A 71 zwischen Ilmenau-West und Zella-Mehlis gesperrt, nachdem der Sturm mehrere Lastwagen umgestürzt hatte. In Baden-Württemberg fiel in der Region Offenburg für einige Stunden der Strom aus. Im Oberharz riss der Orkan zahlreiche Bäume um. Im Sturm waren zwei Polizisten am Donnerstagabend nur knapp dem Tod entronnen. Auf der Bundesstraße nahe Wernigerode (Sachsen-Anhalt) war der Anhänger eines Lastwagens abgehoben und auf ihren Streifenwagen gefallen.

Bereits in der Nacht hatte sich Sturmtief Franz aus Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Nachdem am Vortag heftige Böen über das Land gefegt waren, hatte sich das Wetter am Abend wieder beruhigt. Polizei und Feuerwehr registrierten lediglich Sachschäden, Menschen wurden nicht verletzt. Landesweit rückten die Einsatzkräfte hundertfach aus. Die zunächst angekündigten Windgeschwindigkeiten bis zu 125 Kilometern pro Stunde wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes deutlich unterschritten und blieben zumeist im zweistelligen Bereich.

Gestern hatten starke Sturmböen über Nordrhein-Westfalen zahlreiche Bäume entwurzelt und mehrere Dächer abgedeckt. Baustellenbeschilderungen und Reklametafeln wurden durch die Luft gewirbelt. Es kam zu zahlreichen sturmbedingten Unfällen, die jedoch alle weitgehend glimpflich ausgingen. Im münsterländischen Raesfeld blieb eine 25-jährige Frau aus Wesel bei einem Überschlag ihres Autos unverletzt. Ein Windstoß hatte ihren Wagen von der Straße gedrückt. Ein 60 Jahre alter Lastwagenfahrer konnte bei Gescher einem umstürzenden Baum nicht mehr ausweichen. Auf der L 379 im Rheinland bei Willich blies der Sturm den leeren Anhänger eines Lastwagens um. Die Landstraße war für mehrere Stunden gesperrt.

Mehrere Verletzte in Rheinland Pfalz

In Münster wurde ein 15 Meter hoher Baum von der Feuerwehr zerlegt, bevor er auf ein Wohnhaus stürzen konnte. In der Eifel und im Sauerland mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden. Nach Angaben der Feuerwehr Düsseldorf versperrte eine zehn Meter hohe Birke mit ihrer Krone vorübergehend die Autobahnauffahrt Benrath zur A 59 in Richtung Köln. In Stolberg im Kreis Aachen donnerte ein Fassadenteil gegen ein wartendes Taxi. Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. In Alsdorf kippten mehrere Baustellenbaken um und lagen auf der Fahrbahn. In Köln beschädigten von Dächern gewehte Dachziegel einige Autos.

In Rheinland-Pfalz sind gestern und in der Nacht mehrere Menschen verletzt worden. Größere Schäden habe es aber nicht gegeben, sagte ein Sprecher des Lagezentrums beim Innenministerium am Morgen. "Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Rheinland-Pfalz - obwohl es so stürmisch war - recht glimpflich davongekommen ist." Die Polizei registrierte unter anderem umgestürzte Bäume und herabgefallene Ziegel. In einigen Gemeinden kam es zu Stromausfällen. Aus dem Saarland wurden keine Schäden gemeldet: "Bei uns sind ein paar Tannenbäumchen umgefallen, das war es", sagte ein Polizeisprecher.

In Großbritannien wurde bereits am Donnerstag ein Autofahrer von einem Baum erschlagen. Auf der Autobahn von Brüssel nach Lüttich verunglückte ein Autofahrer tödlich. In Österreich war der Tiroler Touristenort Sölden mit dem Auto nicht mehr erreichbar, da die Zufahrtsstraße wegen der Gefahr eines massiven Felssturzes geschlossen wurde. In dem Ferienort wurden Notquartiere eingerichtet.

jto/dpa/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.