Zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi geht es für die deutschen Sportler im Regenbogenbären-Look. Von Orange über Hellblau bis Lindgrün sind die allermeisten Farben in der Kollektion vertreten. Schuld daran ist womöglich ein 40 Jahre alter Dackel.
Düsseldorf - Einmarsch zur Eröffnungsfeier im schrill-bunten Outfit: 21 Athleten haben in Düsseldorf die deutsche Teamkleidung für die Olympischen Winterspiele und die Paralympics 2014 vorgestellt. Die vorherrschenden Farben sind Orange, Gelb, Grün und Blau. Schick finden das die Herstellerunternehmen, offenbar aber auch einige deutsche Olympiastarter.
Die grelle Farblehre ist nicht ganz ohne Ironie, schließlich hatte in den vergangenen Wochen ein Anti-Homosexuellen-Gesetz im Gastgeberland für Empörung gesorgt. Als sich die schwedische Hochspringerin Emma Green Tregaro bei der WM in Moskau aus Protest die Fingernägel regenbogenfarben lackierte, schaltete sich sogar der Leichtathletik-Weltverband ein.
Als Solidarisierungs-Aktion mit homosexuellen Athleten ist die Regenbogenkollektion allerdings nicht zu verstehen. Stattdessen soll sie offenbar ein historisches Vorbild aufgreifen: Den Sommerspielen 1972 in München hatte Designlegende Otl Aicher ein ähnlich farbenfrohes Erscheinungsbild verpasst. Tatsächlich weist etwa das damalige Olympiamaskottchen - Dackel "Waldi" - unbestreitbar Ähnlichkeit mit der Sotschi-Mode auf. Kurioserweise war aber gerade die Kleidung zum Einzug der Athleten in München eher monochrom gehalten. Die Herren erschienen damals in Hellblau, die Damen in Ocker.
"Auch etwas Fetziges dabei"
Bei der aktuellen Präsentation sprach Modeschöpfer Willy Bogner dennoch von einem "Feier-Design, das von der tollen Atmosphäre von damals inspiriert ist". Die Mützen kreierte Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner. "Ich stricke gerne, und ich habe sechs Modelle vorgeschlagen", sagte sie in Düsseldorf. "Das hat mich geehrt."
Von einigen Athleten gab es Lob für die Kollektion. "Die Kleidung ist funktional und für alle Eventualitäten geeignet, aber es ist auch etwas Fetziges dabei", sagte Ski-Cross-Läufer Daniel Bohnacker. Ebenso positiv urteilten seine Disziplin-Kollegin Christina Manhard ("Die sind bunt und nicht so fad") und der Snowboarder Konstantin Schad ("Das macht etwas her").
Naturgemäß gab es auch von Seiten der Funktionäre viel Applaus für die neue Garnitur. "Es ist eine tolle Kollektion, die Lust auf Medaillen machen wird", sagte Michael Vesper, Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Interimspräsident Hans-Peter Krämer sekundierte, man werde mit den Kleidern einen "sympathischen Eindruck" hinterlassen.
Wer sich mit dem deutschen Team identifizieren oder beim Schlittenfahren selbst sympathisch wirken möchte, sollte übrigens finanziell flexibel sein: Ein Daunenmantel aus der Fan-Kollektion kostet 1499 Euro. T-Shirts sind bereits für 119 Euro zu haben, die Wollmützen kosten 99,90 Euro.
rls/dpa/SID
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